MKL1888:Nördlingen
[223] Nördlingen, unmittelbare Stadt im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, im sogen. Ries, Knotenpunkt der Linien Pleinfeld-Buchloe und N.-Dombühl der
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| Wappen von Nördlingen. | |
Bayrischen sowie Kannstatt-N. der Württembergischen Staatsbahn, ehedem freie Reichsstadt, 436 m ü. M., hat 4 Kirchen (darunter die protest. spätgotische Georgskirche, 1427–1505 erbaut, 1880 restauriert, und eine kathol. Kirche), eine neue Synagoge, ein ansehnliches Rathaus (mit ausgezeichneter Altertümer- u. Gemäldesammlung), wohlerhaltene Stadtthore u. -Mauern, eine Real- u. eine Lateinschule, ein Waisenhaus, ein Amtsgericht, ein Forstamt, Leinen-, Teppich- u. Wollweberei, Fabrikation von Leder, Möbeln, Leim, Kassenschränken, Malz, Lebkuchen, Instrumenten u. landwirtschaftlichen Maschinen, Handelsgärtnereien, Handel mit Bettfedern, Getreide u. Vieh u. (1885) 8095 meist evang. Einw. Dabei das St. Johannisbad, eine erdig-salinische Eisenquelle. – Die Stadt gehörte von 898, zu welcher Zeit sie zuerst genannt wird, bis 1215 zum Hochstift Regensburg, ward dann vom Kaiser Friedrich II. für das Reich erworben und blieb reichsunmittelbar, obgleich sie von 1250 bis ins 14. Jahrh. an die Grafen [224] von Öttingen verpfändet war. 1347 trat sie dem Schwäbischen Städtebund bei und wußte, 1373 von Karl IV. an den Herzog Otto von Bayern verpfändet, ihre Reichsfreiheit durch Teilnahme am Städtekrieg (1377) zu wahren. Obwohl N. 1529 den Protest der Evangelischen zu Speier mit unterzeichnete, hielt es sich doch von dem Schmalkaldischen Bund fern, und wenn es auch 1546 dem Kaiser seine Thore verschloß, so vermied es doch jeden ernstlichen Widerstand. 1634 ward die Stadt von den Kaiserlichen belagert, und der Versuch der Schweden, sie zu entsetzen, führte zu der Schlacht bei N. Die Kaiserlichen, 30,000 Mann stark, standen unter dem Oberbefehl des Königs von Ungarn; neben ihm befehligten Gallas, Piccolomini, Joh. v. Weerth u. a. Die Schweden, 24,000 Mann, wurden von Herzog Bernhard von Weimar und Horn befehligt. Letzterer wollte erst die Ankunft von Verstärkungen abwarten. Bernhard aber riß ihn schon 5. Sept. 1634 zu einem Angriff auf die Kaiserlichen fort. Zwei Tage, 5. und 6. Sept., dauerte der erbitterte, mörderische Kampf, bis endlich die Schweden nach furchtbaren Verlusten (12,000 Tote und Verwundete, 6000 Gefangene und alles Geschütz) zurückgeschlagen wurden. Horn wurde gefangen, Bernhard verwundet. Das Übergewicht der Schweden war gebrochen, ganz Süddeutschland in der Hand der Kaiserlichen. Die weitern Folgen der Schlacht waren der Anschluß der Schweden an Frankreich und der Prager Friede Sachsens und andrer Reichsstände mit dem Kaiser. (Vgl. Fuchs, Die Schlacht bei N., Weim. 1868; Fraas, Die Nördlinger Schlacht, Nördling. 1869; Weinitz, Des Diego de Aedo Schilderung der Schlacht bei N., Straßb. 1884.) Auch die Schlacht bei Allersheim (3. Aug. 1645), welches östlich von N. liegt, wird zuweilen nach N. benannt. 1647 ward die Stadt wieder von den Bayern beschossen und zum Teil in Asche gelegt. 1803 verlor N. seine Reichsfreiheit und kam mit seinem Gebiet an Bayern. N. ist Geburtsort zahlreicher Künstler (z. B. Schäufelin, Adam, Voltz). Vgl. Beyschlag, Geschichte der Stadt N. (Nördling. 1851); Mayer, Die Stadt N., ihr Leben und ihre Kunst im Lichte der Vorzeit (das. 1876); L. Müller, Die Stadt N. im Schmalkaldischen Krieg (das. 1876).
