MKL1888:Nahrungspflanzen

[988] Nahrungspflanzen (hierzu Tafeln „Nahrungspflanzen I–III“), die von dem Menschen zur Nahrung benutzten Pflanzen, finden sich sehr ungleich über die Erde verteilt, am reichlichsten und mannigfaltigsten in den Tropen, während die Polarzone außer Algen, Flechten, Pilzen und einigen genießbaren Beeren wenig einheimische namhafte N. hervorbringt. In den Tropen selbst ist in dieser Beziehung keine Gegend bevorzugt; in der gemäßigten Zone dagegen kann die westliche Halbkugel mit der östlichen durchaus nicht in die Schranken treten, und auf der letztern stehen wieder die westlichen Teile und die östlichen gegen den mittlern Teil weit zurück. Unsre wichtigsten N. stammen nämlich fast ohne Ausnahme aus dem Landstrich zwischen dem Persischen und Arabischen Meerbusen, dem Mittelländischen, Schwarzen und Kaspischen Meer; aber die meisten bieten in ihrem ursprünglichen Zustand kaum angenehme und wohlschmeckende Teile dar, und erst durch die Kultur sind sie zu dem geworden, was sie jetzt sind. Im ganzen kann man die Zahl der N. auf etwa 1000 veranschlagen, und wenn man für jede Art durchschnittlich nur 10–12 Spielarten annimmt, so übersteigt die Mannigfaltigkeit der N. die Zahl von 10,000 Sorten. Im einzelnen kennt man etwa

  Östliche
Halbkugel
Westliche
Halbkugel
236 mehlliefernde N. und zwar 191 45
94 ölreiche N. 49 45
81 zuckerreiche N. 52 29
213 säuerliche N. 151 62
145 salzhaltige N. 122 23
769 N. und zwar 565 204.

Die Basis aller vegetabilischen Nahrung bilden die mehlgebenden Pflanzen. Zu ihnen gehören unsre Getreidearten (Hafer, Gerste, Roggen, Weizen mit Spelz, Einkorn, Emmerkorn), der Reis, der Mais, die Hirse, Kolbenhirse, Mohrhirse, Bambus und manche andre Gräser, dann Buchweizen, die peruanische Quinoa und einige weniger bedeutende Samenpflanzen; ferner von Wurzelgewächsen: Papyrus und Nymphaea Lotus der Alten, die Yamswurzel, die Takka und der Tarro (Caladium esculentum) der südlichen Halbkugel, die Kartoffel, die Batate und Mandioka (Manihot) der Neuen Welt. Auch Maranten, Arum-Arten,

[Beilage]

[Ξ]

Nahrungspflanzen I.
(Die Beschreibung der Pflanzen siehe unter den lateinischen Gattungsnamen.)
[oben:] Dioscorea Batatas (Yamswurzel). – Maranta arundinacea (Pfeilwurz). – Lathyrus tuberosus (Erdnuß). – Batatas edulis (Batate).
[unten:] Manihot utilissima (Kassavestrauch). – Metroxylon Rumphii (Sagopalme). – Cycas revoluta. – Colocasia esculenta.

[Ξ]

Nahrungspflanzen II.
(Die Beschreibung der Pflanzen siehe unter den lateinischen Gattungsnamen.)
[oben:] Adansonia digitata (Affenbrotbaum). – Paullinia sorbilis (Guarana). – Artocarpus incisa (Brotfrucht); a Blüte, b aufgeschnittene Frucht. – Amygdalus communis (Mandelbaum). – Ficus carica (Feigenbaum).
[unten:] Pandanus odoratissimus (Schraubenbaum). – Musa sapientium (Banane). – Phoenix dactylifera (Dattelpalme); a Fruchtstand, b Frucht, c Same.

[Ξ]

Nahrungspflanzen III.
(Die Beschreibung der Pflanzen siehe unter den lateinischen Gattungsnamen.)
[oben:] Arachis hypogaea (Erdmandel). – Mangifera indica (Mangobaum). – Ananassa sativa (Ananas). – Chenopodium Quinoa (Peruanischer Reis). – Persea gratissima (Avogato).
[unten:] Bambusa (Bambus). – Cicer arietinum (Kichererbse). – Araucaria imbricata (Andentanne). – Nephelium Litschi (Litschi). – Oryza sativa (Reis). (Art. Reis.)

[989] Topinambur, Oxalis-Arten, Apios tuberosa, Lathyrus tuberosa etc. schließen sich hier an, dann die Sagopalme, Cycas-Arten, der Kastanienbaum, mehrere Eichen, der Brotfruchtbaum etc. Eine geschlossene Gruppe, charakterisiert durch den hohen Gehalt an eiweißartigen Stoffen, besonders an Legumin, bilden die Hülsenfrüchte, zu denen die Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Lupinen, viele Dolichos-Arten, die Erdeichel (Arachis) etc. gehören. Endlich sind hier auch die Pilze, die Algen und Flechten zu erwähnen. Die Erdeichel bildet den Übergang zu den ölreichen N., welche indes auch viel Stärkemehl, Gummi, Zucker und Eiweißkörper zu enthalten pflegen. Hier sind besonders hervorzuheben: die Mandel, die Ölpalme und andre Palmen, die Olive, Walnuß, Haselnuß, Pistazie, Araukarie, Wassernuß, der Kakao und die Erdmandel (Cyperus esculentus). Von den zuckerreichen N. steht das Zuckerrohr an erster Stelle, und Ahorn und Runkelrüben schließen sich ihm an. Auch Rüben, Radieschen, Meerrettich, die gelbe Rübe, Pastinake, Zuckerwurzel, der Sellerie, die Laucharten etc. gehören hierher; doch haben die süßen Früchte stets eine viel größere Bedeutung als die Wurzeln, ja zum Teil eine kaum minder große als die Cerealien gehabt. Dies gilt besonders von der Dattelpalme und der Banane, während andre mehr oder weniger die Rolle des Obstes spielen. Zu nennen sind etwa: die Ananas, der Melonenbaum, die Feige, der Johannisbrotbaum, der Pandanus, die Kakteen und die Kürbis- und Gurkenfrüchte. Die süßen Früchte erlangen ihren größten Wohlgeschmack, wenn sich dem Zucker Säure in mäßiger Menge und ein Aroma zugesellen. Von diesen wohlschmeckenden Obstarten besitzt jeder Weltteil zahlreiche und ihm eigentümliche Arten, die zum Teil sehr weite Verbreitung gefunden haben. Zu den ursprünglich asiatischen gehören: der Mangobaum, der Rosenapfel, Nephelium Litchi, die Orange, Zitrone, der Pfirsich, die Pflaume, Aprikose, Kirsche, Quitte, der Apfel, die Birne, Tamarinde, Diospyros-Arten, die Mangostane, Mispel, Maulbeere, der Weinstock, der Granatapfel u. a.; Afrika dagegen hat nur wenige ihm eigentümliche Arten (Affenbrotbaum, Judendorn etc.), und eine noch geringere Auswahl bietet Europa dar. Amerika dagegen ist wieder reich an Obst, es bietet unter anderm den Anakardienbaum, den Mammaibaum, die liebliche Avocado (Persea gratissima), die Goyava (Psidium), die Pisange, die Ikakopflaume, den Breiapfel (Sapota Achras), den Zuckerapfel (Anona) etc. Zur letzten Gruppe der N. rechnet man die Gemüse, die zahlreichen Kohl- und Krautarten, Spinat, Salat, Spargel, Artischocken, Palmenknospen, Corchorus-Arten, die Eierpflanze etc. Eine Übersicht der wichtigsten N. geben unsre drei Tafeln „Nahrungspflanzen“. Vgl. Unger, Die N. des Menschen (Wien 1857).