MKL1888:Nebel
[29] Nebel, eine der Formen, unter denen sich das als Wasserdampf in die Luft aufgenommene Wasser in tropfbarflüssigem Zustand wieder aus derselben ausscheidet. Der N. bildet kleine Wasserbläschen, welche, zu größern Massen angehäuft, die Luft mehr oder weniger undurchsichtig machen. N. bildet sich, wenn 1) feuchte und wärmere Winde über eine Strecke der Erdoberfläche hinreichen, welche kälter ist als die Winde. Solche N. treten in der gemäßigten Zone häufig im Winter ein, nach einer längern Kältezeit, in welcher der Erdboden abgekühlt worden ist, und bezeichnen die Ankunft warmer südlicher Luftströme. Hierher gehören ferner die N., welche sich in den Polarländern bilden, so oft feuchte Winde über das Eis hinwehen, sowie diejenigen N., welche über solchen Punkten des Landes oder des Meers lagern, die eine niedrigere Oberflächentemperatur haben, während die Winde von wärmern Gegenden oder Meeren herwehen. Beispiele für solche N. bieten die sprichwörtlich gewordenen N. Englands und die N. über der Neufundlandsbank, wo südliche Luftströme, die sich über dem Golfstrom erwärmt und Wasserdämpfe aufgenommen haben, in Gegenden gelangen, wo das Meer durch die aus der Davisstraße kommenden kalten Polarströme stark abgekühlt ist. Solche N. sind stets besonders dicht und gehen häufig in Regen über. Außerdem entstehen aber auch N., wenn 2) die Oberfläche des Meers oder eines andern Gewässers wärmer ist als die Luft, welche auf ihnen ruht oder über sie hinweht. Die durch Verdunstung des wärmern Wassers entstehenden Wasserdämpfe sättigen bald die darübergelagerte kältere Luft und scheiden sich dann in Form von N. aus. Dieser Art sind die N., welche im Sommer nach Gewitterregen oder des Morgens, besonders im Spätsommer und Herbst, über Flußthälern, Seen, Teichen und Mooren oder feuchten Wiesen aufsteigen, sobald die Temperatur der Luft unter die des Wassers oder des feuchten Erdbodens sinkt. Hierher gehören auch die Gebirgsnebel und die sogen. Seenebel, welche durch kalte Winde auf der See entstehen, nach dem Land ziehen und sich dort zum Teil wieder auflösen. Im Winter sieht man bei ruhiger Luft auch N. über Quellen entstehen, deren Temperatur höher als die der Luft ist. Liegt die Temperatur der Luft unter 0°, so erscheint ein aus feinen Eiskristallen bestehender N., der sogen. Rauhfrost (s. d.), den man namentlich in den Polarmeeren beobachtet. Im Winter sehen wir diesen Rauhfrost häufig an Bäumen und Sträuchern, welche dann bei ganz klarem Himmel wie mit Eis überzogen erscheinen. Die Nebelbildung unterbleibt an Orten, wo Regen und Tau mangeln, wie in den großen Sandwüsten Afrikas und Asiens; denn obwohl hier die Temperatur während der Nacht tief herabsinkt, so ist es doch wegen der nachhaltigen Wärme des Sandbodens kaum möglich, daß sie unter den Taupunkt der Luft herabgehen und dadurch die Bildung von N. bedingen sollte. Bildet sich N. am Morgen, so wird er, wenn die Temperatur durch die aufsteigende Sonne wieder hinlänglich erhöht ist, aufgelöst. Aus der Entstehung des Nebels folgt, daß Windstille die Nebelbildung begünstigt, und daß man mit Recht die wohlbekannte Witterungsregel aussprechen kann: „Steigender N. bringt Regen, fallender Sonnenschein“.
Als trockne N. bezeichnet man durch Rauch entstandene Trübungen der Atmosphäre. Dieselben treten entweder allein oder mit feuchten Nebeln vereinigt auf und verschwinden über großen Städten selbst unter den günstigsten Verhältnissen fast nie vollständig. Besonders häufig und belästigend sind die schweren trocknen N. (fogs) in London, welche auf Brust- und Atmungsorgane bedrückend wirken und die Geruchsnerven beleidigen. Sie sind zurückzuführen auf die Hunderttausende von Schornsteinen, deren Rauch nicht durch die mit schweren Dünsten angefüllte Atmosphäre zu dringen vermag, sondern sich mit diesen vereinigt. Zu den trocknen Nebeln gehört auch der Herauch (s. d.), die Callina (s. d.) in Spanien und der Qobar (s. d.) in Äthiopien.
Nebel (Nebelflecke, lat. Nebulosae, hierzu Tafel „Nebelflecke“), duftartige Gebilde des Sternenhimmels, welche meist nur mit sehr kräftigen Fernrohren gesehen werden können. Mit bloßem Auge sind nur wenige N. erkennbar, doch führt Argelander in seiner „Neuen Uranometrie“ 19 solcher Objekte auf, Heis in seinem „Neuen Himmelsatlas“ sogar 26. Im Altertum entdeckte Hipparchos (s. d.) 3 N., zwei im Perseus und die sogen. Krippe im Krebs; doch sind alle drei in einzelne Sterne auflösbar, also nicht eigentliche N., sowenig wie etwa die Plejaden, die auch für schwache Augen das Aussehen solcher Gebilde haben, sondern Sternhaufen. Auch Galilei kannte noch keinen eigentlichen N., wohl aber war ein solcher schon frühzeitig den Arabern bekannt; es ist dies der in dunkeln Nächten recht gut sichtbare N. beim Stern ν im Gürtel der Andromeda, der im Abendland erst durch Simon Marius 15. Dez. 1612 mit dem Fernrohr entdeckt wurde. Marius vergleicht sein Licht mit dem hellen Schein einer Lampe, die durch eine Scheibe von Horn gesehen wird. Cysat erwähnt 1618 den großen N. im Orion, doch wurde dieser erst von Huygens genauer beobachtet. Am südlichen Himmel entdeckte E. Halley 1677 mehrere N., auch Ihle, Maraldi, Legentil und Lacaille fanden noch mehrere N., und Messier widmete 1764–81 dem Gegenstand größere Aufmerksamkeit. Er entdeckte 61 N., und sein Verzeichnis enthält überhaupt 103 Objekte; der Reichtum des Himmels an Nebeln trat aber erst hervor, als W. Herschel seine großen Spiegelteleskope zu deren Aufsuchung benutzte. Seine Arbeiten begannen 1779, und in drei Verzeichnissen publizierte er die Resultate seiner Untersuchungen. Herschel unterschied: 288 glänzende N., 908 schwache N., 978 sehr schwache N., 78 planetarische N., 52 sehr große N., 44 sehr gedrängte Sternhaufen, 67 etwas gedrängte Sternhaufen, 88 grob zerstreute Sternhaufen. Im ganzen entdeckte derselbe 2500 Objekte, 2303 N. und 197 Sternhaufen. Trotz dieses überraschenden Reichtums blieb seinen Nachfolgern noch immer eine reiche Nachlese übrig. Sir John Herschel und South, Lord Rosse, Lamont, d’Arrest, Schönfeld, Bond u. a. haben zahlreiche neue N. entdeckt, und der Generalkatalog, welchen Sir John Herschel 1864 veröffentlichte, enthält 5079 Objekte. Betrachtet man in diesem Verzeichnis die Verteilung der N. am Himmelsgewölbe, so findet man um 180° Rektaszension ein deutliches Maximum der Häufigkeit und ein zweites bei 80° Rektaszension, während bei 300° Rektaszension der Himmel an Nebeln sehr arm erscheint. Auch die Pole des Himmelsäquators sind sehr nebelarm, während dagegen viele N. dem nördlichen Pol der Milchstraße naheliegen. Die Zahl der Nebelflecke, welche am Himmel mit den besten Hilfsmitteln gefunden wird, übersteigt sicherlich weitaus die Zahl von 6000 oder 7000 Objekten, die wir heute kennen. Zu den merkwürdigen Nebeln gehört der bereits genannte Orionnebel (s. Tafel, Fig. 1 u. 2). Die erste genauere Zeichnung des Objekts
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| Nebelflecke. |
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| Fig. 1. Der große Nebel im Orion. Fig. 2. Mittlerer und glänzendster Teil des großen Nebels im Orion. Fig. 3. Spiralförmiger Nebel (Herschel 3239). Fig. 4. Spiralnebel (Herschel 1173). Fig. 5. Spiralnebel in den Jagdhunden (Herschel 1622). Fig. 6. Übergang vom Spiralnebel zum Ringnebel (Herschel 604). Fig. 7. Ringnebel im Sternbild der Leier. Fig. 8. Nebel mit mehrfachen Ringen (Herschel 854). Fig. 9. Doppelnebel (Herschel 3501). Fig. 10. Planetar. Nebel mit zwei Sternen (Herschel 838). Fig. 11. Planetar. Nebel (Herschel 2241). Fig. 12. Planetarischer Ringnebel im Wassermann (Herschel 2098). Fig. 13. Nebelstern (Herschel 450). Fig. 14. Ringnebel in der Leier. |
[30] gab Sir John Herschel 1824; sie wurde übertroffen von der herrlichen Darstellung desselben Astronomen, die sich auf die Beobachtungen am Kap der Guten Hoffnung in den Jahren 1834–37 gründete. Eine ähnliche Zeichnung lieferte 1848 W. C. Bond. Das beste über diesen Gegenstand sind aber die Darstellungen, welche Lord Rosse in seinem Riesenteleskop von dem N. erhielt. Der Hauptnebel nimmt einen Raum von etwa 1/4 Quadratgrad des Himmels ein, übertrifft also an scheinbarer Größe die Mondscheibe. Feine Nebelmaterie erstreckt sich zudem noch nach allen Seiten in unbestimmten Formen über einen Raum des Himmels von 31/3 Quadratgraden (nach Bond). Der mittlere und hellste Teil des Orionnebels wird nahezu durch vier hellere Sterne bezeichnet, welche das sogen. Trapez bilden; mit starken Fernrohren hat man neuerdings innerhalb dieses Trapezes noch mehrere andre Sterne bemerkt, die frühere Beobachter nicht gesehen haben. Möglicherweise finden also dort große Veränderungen statt. 1861 und 1864 hat das Rossesche Riesenteleskop in einzelnen Teilen des Orionnebels leuchtende Punkte gezeigt, wo sonst keine Sterne sichtbar sind. Bei der spektroskopischen Untersuchung des Nebels fand Huggins (ebenso wie in allen andern Nebeln) ein Spektrum von drei hellen Linien, ein Beweis, daß das Licht von glühenden Gasmassen ausgestrahlt wird. Die hellen Punkte, welche Rosses Teleskop in dem N. gezeigt, können also keine Sterne sein, sondern wir haben eine wahre glühende Nebelmasse vor uns, vielleicht die Uranfänge eines sich bildenden Weltsystems. – Der N. in der Andromeda ist spindelförmig, 21/2° lang, 1° breit. Messier hat in ihm keine Sterne wahrnehmen können; aber Bond löste 1848 in seinem großen Teleskop den N. in eine Unzahl kleiner Sterne auf, von denen anderthalbtausend gezählt wurden. Gleichzeitig erblickte derselbe Astronom zwei dunkle Streifen, welche fast parallel das Ganze durchziehen und in zwei Hälften trennen, von denen die eine einen fast kreisrunden und einen länglichen hellen Fleck zeigt, während in der andern Hälfte ebenfalls ein lichter Fleck steht, der in dem großen Teleskop von Bond fast genau dasselbe Ansehen hatte, wie es der ganze N. einst in dem schwachen Fernglas von Simon Marius gezeigt hatte. Am Südhimmel befinden sich die beiden Magellanischen Wolken, wundervolle Aggregate von Sternen, Nebeln und Sternhaufen; die größere umfaßt 42, die kleinere 10 Quadratgrade des Himmels, letztere verschwindet im Mondlicht dem bloßen Auge. Sir John Herschel hat bei seinem Aufenthalt am Kap der Guten Hoffnung den siderischen Inhalt der beiden Wolken genau untersucht und ihrer Lage am Himmelsgewölbe nach aufgenommen.
Eine merkwürdige Klasse von Nebeln sind die Spiralnebel (Fig. 3, 4 u. 5). Sie wurden zuerst durch Rosses Teleskop als solche erkannt, und gegenwärtig ist eine größere Zahl beobachtet worden. Der merkwürdigste ist der Spiralnebel im nördlichen Jagdhund (Fig. 5), den Messier zuerst entdeckte und als doppelt beschrieb, in jedem Teil mit einem glänzenden Zentrum. Fr. W. Herschel sah den N. deutlicher, und Rosses Riesenteleskop zeigte den N. als eine leuchtende Spirale, ein schneckenartig gewundenes Tau, dessen Windungen uneben erscheinen und sowohl im Zentrum als auswärts in dichte, körnige, kugelrunde Knoten auslaufen. Nicht minder interessant sind die ringförmigen N. (Fig. 6, 7, 8, 13, 14). Der erste derselben wurde 1779 im Sternbild der Leier entdeckt (Fig. 14) und von Messier als runder Lichtfleck beschrieben, von dem man vermuten könne, daß er aus Sternen bestehe. Die Ringform hat Herschel der ältere genauer beobachtet, auch fand er bereits einzelne Sterne darin; Rosse und Bond haben den N. später ganz in Sterne aufgelöst. Außer diesem sind noch wenige andre Ringnebel bekannt. Die planetarischen N. (Fig. 10, 11, 12) wurden von W. Herschel so benannt, weil sie, ähnlich wie die Planeten, im Fernrohr eine matte Scheibe zeigen. Unter ihnen nimmt der N. im Wassermann eine hervorragende Stelle ein (Fig. 12). Herschel entdeckte ihn 7. Sept. 1782 und bezeichnete ihn als helle, nicht scharf begrenzte Scheibe. Lassell sah mittels seines großen Spiegelteleskops im Innern des Nebels einen brillanten Ring, vollkommen scharf und ohne Zusammenhang mit dem umgebenden N., der gleich einem Schleier von der feinsten Gaze jenen bedeckt. Dasselbe fand auch Rosse. Herschel der ältere hat eine große Anzahl von Nebeln als planetarische beschrieben; sein Sohn hat eine strenge Auswahl darunter getroffen und führt in seinem Katalog nur 31 N. als planetarische auf. Doppel- und mehrfache N. (Fig. 9) kommen am Himmel häufig vor und sind weit zahlreicher, als man bei zufälliger Ausstreuung der sämtlichen N. über den Himmel erwarten durfte. Man hat es also hier wahrscheinlich mit Systemen von Nebeln zu thun. Unter 5000 Objekten sind nach Sir John Herschel: 229 Doppelnebel, 49 dreifache N., 30 vierfache, 5 fünffache, 2 sechsfache, 3 siebenfache, 1 neunfacher N. Unter den neuern Astronomen hat besonders d’Arrest den Doppelnebeln seine Aufmerksamkeit zugewandt. Schon 1862 bemerkte er, daß die Zahl der physisch verbundenen Doppelnebel sich unerwartet groß herausstelle im Vergleich mit dem Vorkommen von Doppelsternen unter den Fixsternen. Es könne nicht mehr zweifelhaft erscheinen, daß man in ferner Zukunft die Bahnen von Doppelnebeln zu berechnen versuchen werde.
Ferner ist noch der veränderlichen N. zu gedenken, bezüglich welcher allerdings unsre Kenntnisse noch mangelhaft sind. D’Arrest hat zuerst auf die Veränderlichkeit der Helligkeit bei einem von Hind im Stier entdeckten N. aufmerksam gemacht; von ihm und Chacornac ist dann die Veränderlichkeit noch zweier andrer N. in demselben Sternbild vermutet worden, und vor einigen Jahren hat Winnecke auf zwei anscheinend periodisch veränderliche N. im Walfisch und Löwen hingewiesen. Als im August 1885 in dem eingangs erwähnten N. der Andromeda ein Stern siebenter Größe aufleuchtete, vermuteten viele gewaltige Veränderungen in diesem N. zu beobachten; dies hat sich aber nicht bestätigt, jener Stern ist wahrscheinlich ein unregelmäßig veränderlicher, der gar nicht zum N. gehört, sich nur von unserm Standpunkt aus auf ihn projiziert.
Als W. Herschel sich in den ersten Jahren mit den Nebeln beschäftigte und bereits eine Anzahl derselben entdeckt und beschrieben hatte, hielt er diese sämtlichen Gebilde für sehr weit von uns entfernte Sternhaufen, deren einzelne Sterne eben deshalb selbst mit unsern größten Teleskopen nicht mehr unterschieden werden könnten. Erst 1791 ließ er diese Ansicht fallen, denn er hatte inzwischen 17 Sterne entdeckt, die mit zarten, leuchtenden Nebelhüllen von kreisrunder Form umgeben waren; auch wurde eine große Menge ausgedehnter, verbreiteter N. von unbestimmter Gestalt entdeckt, die selbst mit kraftvollen Teleskopen meist nur dann wahrzunehmen sind, wenn die Luft vollkommen klar ist und der Beobachter sein Auge im Dunkeln hat ausruhen lassen, um jeden störenden Einfluß vorherigen Lichts fern zu halten. [31] Herschel fand im ganzen 152 Quadratgrade des Himmels von dieser Art N. überzogen und sprach es aus, daß die Menge dieser äußerst zarten Nebelmaterie im Weltraum die Begriffe der Menschen übersteige. Daß eine wirkliche Nebelmaterie u. zwar in glühendem Zustand in den Himmelsräumen existiert, ist gegenwärtig durch die Spektralanalyse evident bewiesen; es zeigt nämlich eine Anzahl N., sogen. Gasnebel, ein aus drei isolierten hellen Linien bestehendes Spektrum, wie das Licht glühender Gase. Diese Linien haben die Wellenlängen von 500,4, 495,8 und 486,1 Milliontel mm; liegen also im Blau und Grün, und die erste ist mit der hellsten Linie im Spektrum des durch einen elektrischen Funken ins Glühen gebrachten Stickstoffs identisch, während die dritte mit einer grünen Linie im Wasserstoffspektrum zusammenfällt. Glühender Stickstoff und Wasserstoff gehören also zu den wesentlichen Bestandteilen der Gasnebel, und man kann diese wohl für die frühste Stufe der Weltenbildung betrachten. Doch sind die Gasnebel im ganzen nicht häufig, und die weitaus größte Zahl aller untersuchten N. hat ein kontinuierliches Spektrum; sie sind also wahrscheinlich ungemein ferne Anhäufungen von Sternen oder Sternhaufen. Vgl. Herschel, Generalkatalog der Nebelflecke („Philos. Transactions“, Bd. 44); d’Arrest, Siderum nebulosorum observationes (Kopenh. 1867).
Nebel, Fluß in Mecklenburg-Schwerin, kommt aus dem Krakower See, wird bei Güstrow schiffbar und fließt bei Bützow in die Warnow.
[671] Nebel. Über die berüchtigten dunklen N., unter welchen London wie andre größere Industriestädte Englands leidet, hat Russel Mitteilungen gemacht. Das insulare Klima Englands bedingt es, daß die zur Nebelbildung erforderliche Feuchtigkeit der Luft fast stets vorhanden ist, und ebensowenig fehlt es an den Staubpartikelchen, auf welche sich aus der mit Feuchtigkeit gesättigten Luft das verdichtete Wasser niederschlägt. Diese Staubpartikelchen stammen aus den Feuerungen und dem Straßenverkehr. Da außerdem auch alle sonstigen Verunreinigugen der Stadtluft durch den N. niedergerissen werden, so finden sich in dem Niederschlag, wie er nach starkem N. auf Glasdächern zurückbleibt, 42,5 Kohle, 41,5 mineralische Stoffe, 4,5 Asche, 4,8 organische Basen (Pyridin etc.), 4 schweflige Säure, 0,8 Salzsäure, 1,1 Ammoniak. Die Menge des Niederschlags kann sich auf sechs Ton. für eine englische Quadratmeile belaufen. Der ungünstige Einfluß, den der Aufenthalt in Luft, die derartig mit Verunreinigungen beladen ist, ausübt, wird noch dadurch erhöht, daß der N. das Tageslicht und namentlich die chemisch wirkenden blauen und violetten Strahlen desselben zurückhält. Nach den Berichten des meteorologischen Amtes nehmen diese N. beständig zu. Während auf einen bestimmten Zeitraum [672] früher nur 93, später 119–131 und darüber N. kamen, zählt man jetzt in derselben Zeiteinheit schon 156 N., und infolgedessen hatte die Umgebung Londons 1890 nur noch 1723 Stunden Sonnenschein, die Mitte der City aber nur 1157, im Winter sogar nur 95 Stunden. Diese fortschreitende Vermehrung der N. scheint im engsten Zusammenhang zu stehen mit der Vergrößerung der Stadt und dem dadurch bedingten erhöhten Kohlenverbrauch in Ermangelung jedes andern Feuerungsmaterials für Heizung und Beleuchtung. Von 4,8 Mill. Ton. vor Jahren ist der Kohlenverbrauch jetzt auf 6,3 Mill. T. gestiegen, während die alten unzweckmäßigen Feuerungen, offene Kamine etc., welche die Rauchbildung begünstigen, geblieben sind und der billige Preis der Kohle das Bedürfnis nach Verbesserung der Feuerungen nicht aufkommen läßt. Die schlechte Luft und der Lichtmangel machen es erklärlich, daß die Sterblichkeit während der Nebeltage steigt, wobei freilich der Abfall der Temperatur und die Erniedrigung des Luftdruckes, die fast immer die Nebelbildung begleiten, wohl auch eine gewisse Rolle spielen. Den schädlichen Einfluß des Nebels auf den Pflanzenwuchs hat Dyer nachgewiesen, und er glaubt, daß bei dem hohen Gehalt der N. an schwefliger Säure der Gartenbau in der Nähe Londons bald völlig unmöglich werden wird, wenn die N. sich in gleicher Weise steigern. In Manchester ist die Luft noch reicher an schwefliger Säure als in London, und damit steht in Zusammenhang, daß dort gewisse Pflanzen überhaupt nicht zum Wachsen gebracht werden können, die in London sehr gut gedeihen. Oliver, welcher im Auftrag der Royal Horticultural Society Untersuchungen über die Einwirkung des Londoner Nebels auf Gewächshauspflanzen ausgeführt hat, stellte fest, daß der N. in kleinen Städten unschädlich ist. Er zeigte, daß das Protoplasma der Pflanzen unter dem Einfluß des Nebels in derselben Weise abstirbt wie bei der Einwirkung der schwefligen Säure. Pflanzen in Nebelwasser zu züchten, gelang überhaupt nicht. Temperaturzunahme verstärkt unter sonst gleichen Verhältnissen die schädliche Wirkung der schwefligen Säure. Die eigentümliche Verfärbung, welche die Blätter durch den N. erhalten, leitet Oliver aus der Einwirkung des Eisens her, welches in verhältnismäßig großer Menge im N. enthalten ist. Um die Schädigungen durch den N. herabzusetzen, empfiehlt Oliver für Nebeltage eine möglichst niedrige Temperatur in den Gewächshäusern und ebenso sparsame Zuführung von Wasser, da Wärme und Feuchtigkeit die Absorption befördern, während die Blätter nicht wie bei hellem Wetter einen Überschuß von Feuchtigkeit auszustoßen vermögen. Das einzige Mittel, welches London von seinen Nebeln befreien und ihm und allen großen englischen Industriestädten ein verändertes Ansehen geben würde, wäre eine Verhinderung der Rauchbildung bei der Verbrennung, sei es durch Koks- oder Gasfeuerung oder durch rationelle Konstruktion der Feuerungen.
