MKL1888:Orlamünde

[442] Orlamünde, Stadt im sachsen-altenburg. Westkreis, auf hohem Felsenrand über der Saale, in welche unweit von hier die Orla mündet, Knotenpunkt der Eisenbahnen Großheringen-Saalfeld und Pößneck-O., hat Ruinen des alten Residenzschlosses der ehemaligen Grafen von O., Spielwarenfabrikation und mit der im [443] Thal unmittelbar am Fluß liegenden Vorstadt Naschhausen (1885) 1428 evang. Einwohner. Graf Wilhelm I. von Weimar (gest. 963) ist der Stammvater der Grafen von O.; als erster Graf erscheint um 1039 Otto, Sohn Wilhelms III. von Weimar. Nach Ottos Tod (1067) ging O. auf die Ballenstedter über, wurde 1112 durch Anfall von Weimar vergrößert, und beide Grafschaften fielen 1140 Albrecht dem Bären zu, der noch Rudolstadt erwarb. Bei der Teilung von 1248 erhielt Hermann III. O. und Otto III. Weimar und Rudolstadt. Hermanns III. Söhne Heinrich II. und Hermann IV. begründeten (um 1310) jener die jüngere Orlamünder, dieser die Lauensteiner Linie. Als Heinrich IV. von O., der seinem Sohn Heinrich V. nur die Herrschaft Schaunforst übergab, 1344 O. an den Landgrafen Friedrich den Ernsten von Thüringen gegen ein Leibgedinge verkaufte, begannen die Grafen von Weimar, Schwarzburg und Schaunforst mit Hilfe Erfurts den Krieg gegen Thüringen, den sogen. Grafentrieg. Nach hartnäckigen Kämpfen, in denen der Landgraf im Vorteil war, einigte man sich 1346 dahin, daß O. bei Thüringen bleiben, Weimar und Rudolstadt vom Landgrafen lehnsabhängig werden sollten. Die noch unabhängige Lauensteiner Linie, welche auch Schaunforst erwarb, erlosch 1486 mit Friedrich VI.; ihre Hauptgüter waren schon 1430 an die Grafen von Gleichen verkauft worden. Die Stadt O. teilte seitdem die gemeinsamen Kriegsleiden der Saalgegenden und ward im Dreißigjährigen Krieg hart mitgenommen. Vgl. Lommer, O. (Orlam. 1878); Michelsen, Urkundlicher Ausgang der Grafschaft O. (Jena 1856); Reitzenstein, Regesten der Grafen von O. (Baireuth 1869 ff.); Jovius, Chronik der Grafen von O. (hrsg. von Mitschke, Leipz. 1886).