MKL1888:Pietà

[54] Pietà (ital.), Frömmigkeit, liebreiche Gesinnung, Barmherzigkeit; in der bildenden Kunst die Darstellung der Maria mit dem Leichnam Christi im Schoß. Die berühmteste aus der klassischen Zeit ist die überlebensgroße Gruppe von Michelangelo in der Peterskirche in Rom (s. Tafel „Bildhauerkunst VI“, Fig. 15). Unter den Malern haben besonders G. Bellini und van Dyck das Motiv der P. behandelt. In neuerer Zeit hat Rietschel eine Abweichung von dem überlieferten Typus insofern versucht, indem er die Maria an der Seite des Leichnams Christi knieend dargestellt hat (Friedenskirche zu Potsdam). Eine andre Auffassung hat der Italiener Dupré in einer P. in Siena (s. Tafel „Bildhauerkunst X“, Fig. 13) zur Geltung gebracht. Ähnlich der Rietschelschen ist die P. von dem Maler Löfftz (München, Pinakothek), während Böcklin eine P. gemalt hat, bei welcher Maria klagend den Leichnam umarmt (Berlin, Nationalgalerie).