MKL1888:Posílipo

[271] Posílipo (Pausilippo), aus vulkanischem Tuff bestehender Bergrücken im südwestlichen Stadtgebiet von Neapel, nach einer altröm. Villa, Pausilypos (s. v. w. Sanssouci), welche Vedius Pollio dem Augustus vermachte, benannt, scheidet Neapel von den Phlegräischen Feldern und mit seinem steilen Vorgebirge und der kleinen Insel Nisida den Golf von Neapel von dem von Pozzuoli. Der Berg ist bis zu seinem Gipfel mit Landhäusern, Wein- und Obstgärten und überhaupt mit der üppigsten Vegetation bedeckt. Quer durch den Bergrücken führte die sogen. Grotte des P., ein 690 m langer Tunnel, welcher unter Augustus gebrochen worden sein soll, vielleicht aber viel älter ist. König Alfons I. ließ dieselbe 1442 erweitern, unter dem Vizekönig Peter von Toledo wurde sie gepflastert und ihr das jetzige Niveau gegeben. Die Grotte ist 6,5–10 m breit und von sehr verschiedener Höhe (7–25 m). Zur Zeit der Äquinoktien strahlt die Sonne bei ihrem Niedergang von einem Ende zum andern hindurch. Durch die Grotte führt die Straße von Neapel nach Fuorigrotta, Bagnoli und weiter nach Pozzuoli. Nördlich parallel mit der Grotte ist in den letzten Jahren ein zweiter Tunnel für den Pferdebahnverkehr von Neapel nach Pozzuoli durchgeschlagen worden, welcher 734 m lang, 12 m hoch und 10 m breit ist. Links vom Eingang in die Grotte liegt hoch auf dem Felsen ein römisches Kolumbarium, das sogen. Grabmal Vergils, ein Kuppelgewölbe auf viereckiger Basis, im Innern 4 m im Quadrat und 31/2 m hoch, mit elf Wandnischen für Aschenurnen. Um den unterirdischen Weg durch die Grotte zu vermeiden, wurde 1812 eine Kunststraße über den P. nach Pozzuoli angelegt. Dabei entdeckte man am Abhang des Bergs gegen das Meer hin einen ähnlichen Tunnel, die sogen. Grotta di Sejano, welche im Auftrag des M. Agrippa 37 v. Chr. angelegt wurde. Die Höhe des Bergs bietet eine wundervolle Aussicht. S. den Stadtplan bei Neapel.