MKL1888:Priscilliānus
[393] Priscilliānus, Stifter der gnostischen Sekte der Priscillianisten in Spanien. Sein Hauptgegner, der Bischof Ithacius, ließ 380 auf einer Synode zu Cäsaraugusta (Saragossa) das Verdammungsurteil über die Sekte aussprechen und gewann in Gallien den Usurpator Maximus für sich; dieser, nach den reichen Gütern des Ketzers lüstern, ließ P. und sechs seiner vornehmsten Anhänger mit dem Schwert hinrichten (385). Dieses erste Beispiel von über die Ketzerei verhängter Todesstrafe erzeugte eine Spaltung zwischen den Bischöfen, welche das Verfahren gegen P. und seine Anhänger guthießen, und denen, welche es verdammten, darunter namentlich Martinus von Tours und Ambrosius zu Mailand. Die Lehre der Priscillianisten enthielt dem Gnostizismus und Manichäismus verwandte Elemente. Ihre Moral war eine streng asketische. Erst um 600 erlöschen die letzten Spuren der Sekte. Vgl. Mandernach, Geschichte des Priscillianismus (Trier 1851). Priscillians schriftliche Hinterlassenschaft entdeckte und gab heraus Schepps (Wien 1888, Bd. 18 des „Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum“).