MKL1888:Réfugiés

[648] Réfugiés (franz., spr. -fǖschĭeh), „Flüchtlinge“, besonders die nach Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 aus Frankreich entflohenen Reformierten. Obwohl der König die Auswanderung streng verbot und die Grenzen durch Truppen scharf bewachen ließ, so gelang es doch etwa 200,000 Protestanten, ihr Vaterland zu verlassen. Die meisten gehörten den gebildeten Ständen an und wurden in den Ländern, die sie zum Asyl wählten, mit offenen Armen empfangen. Kaufleute und Fabrikanten wendeten sich meist nach Holland, Dänemark und England, Adlige, Militärs, Gelehrte, Künstler und Handwerker nach der Schweiz und nach Deutschland, wo sie besonders in Brandenburg, Hessen und andern reformierten deutschen Staaten ein zweites Vaterland fanden, das ihnen volle bürgerliche Rechte gewährte. Der Große Kurfürst von Brandenburg erließ zu ihren gunsten das Potsdamer Edikt vom 8. Nov. 1685, stattete sie sogar mit Vorrechten aus und errichtete 1687 eigne Truppenteile aus ihnen. Die R. gründeten, teilweise mit den Resten der früher (unter Alba) aus den Niederlanden ausgewanderten französischen Reformierten und mit den gleichzeitig aus Piemont vertriebenen Waldensern, Gemeinden mit französischer Kirchensprache an vielen Orten Deutschlands, welche teilweise die französische Sprache bis heute beibehalten, teilweise sich mit den deutsch-reformierten Gemeinden verschmolzen haben. Die R. vergalten diesen Empfang durch Verpflanzung des Kunst- und Gewerbfleißes ihres Vaterlandes auf den fremden Boden. Sie sind nicht zu verwechseln mit den royalistischen Emigranten (s. d.), welche der Revolution entflohen. Vgl. Weiß, Histoire des r. protestants de France (Par. 1853, 2 Bde.); Köhler, Die R. (Gotha 1867); Erman und Reclam, Mémoires pour servir à l’histoire des r. français dans les États du roi de Prusse (1782–1800, 9 Bde.); Reyer, Geschichte der französischen Kolonie in Preußen (Berl. 1852); Muret, Geschichte der französischen Kolonie in Brandenburg-Preußen (das. 1885).