MKL1888:Regenbogen

[654] Regenbogen, eine optische Erscheinung, welche man beobachtet, wenn bei niederfallendem Regen gleichzeitig die Sonne scheint. Der R. bildet einen auf der äußern Seite rot, auf der innern violett gefärbten Kreisbogen der Sonne gegenüber am Himmel. Eine gerade Linie durch die Sonne und das Auge des Beobachters geht durch den Mittelpunkt dieses Kreisbogens. Daher wird sich die Lage des Regenbogens ändern, wenn sich der Stand der Sonne oder der des Beobachters ändert, und zwei verschiedene Beobachter werden demnach auch verschiedene R. sehen. Der Bogen wird desto größer, je tiefer die Sonne steht, er wird ein Halbkreis, wenn sich die Sonne im Horizont befindet, und es wird sich überhaupt kein R. bilden, wenn die Sonne eine gewisse Höhe (42°) über dem Horizont übersteigt. Bei tief stehender Sonne ist oft nur der unterste Teil des Regenbogens sichtbar und bildet dann einen kurzen farbigen Streifen, welcher auf dem Horizont senkrecht steht und mit dem Namen Regengalle oder Wassergalle bezeichnet wird. Außer dem Hauptregenbogen entsteht meistens auf seiner äußern Seite mit ihm konzentrisch ein zweiter Nebenregenbogen, dessen Farben die umgekehrte Reihenfolge haben wie die des Hauptregenbogens und schwächer sind. Der Hauptregenbogen hat für den violetten Kreis einen Radius von 40°, für den roten Kreis einen Radius von 421/4°. Zwischen diesen äußersten Kreisbogen, dem roten und violetten, erscheinen die der übrigen prismatischen Farben, so daß der R. gewissermaßen ein zu einem kreisförmigen Bogen ausgedehntes Spektrum bildet. Die ganze Breite des Regenbogens beträgt ca. 2°. Der Nebenregenbogen ist von dem Hauptregenbogen [655] am Himmel durch eine Zone von 81/2° getrennt und hat für den roten Kreis einen Radius von 503/4° und für den violetten einen von 541/2°. Seine Breite beträgt daher ungefähr 33/4°. Außer dem Haupt- und Nebenregenbogen tritt zuweilen auch noch die Erscheinung der sogen. sekundären oder überzähligen R. auf. Dieselben bestehen darin, daß der Hauptregenbogen nach innen und zuweilen auch der Nebenregenbogen nach außen nicht mit dem Violett abschließt, sondern daß sich noch mehrere meist abwechselnd grüne und rote Bogen an den violetten anschließen. Am häufigsten erscheinen die sekundären R. auf dem obersten Teil der innern Seite des Hauptregenbogens. Der Hauptregenbogen entsteht dadurch, daß die Sonnenstrahlen in den Regentropfen eine doppelte Brechung und eine einmalige innere Reflexion erfahren, während beim Nebenregenbogen eine doppelte Brechung und eine zweimalige innere Reflexion stattfindet. Im allgemeinen werden die parallel auf die Regentropfen auffallenden Sonnenstrahlen sowohl nach zweimaliger Brechung und einmaliger innerer Reflexion als auch nach zweimaliger Brechung und zweimaliger innerer Reflexion bei ihrem Austritt aus dem Tropfen divergieren und daher nur einen sehr geringen Lichteindruck hervorbringen. Merklich wird derselbe nur für diejenigen Strahlen, für welche diese Divergenz ein Minimum ist, oder, was dasselbe sagt, für welche die austretenden Strahlen nahezu parallel sind. Deshalb werden die auf die Regentropfen fallenden weißen Sonnenstrahlen, welche bei ihrer ersten Brechung in die verschiedenfarbigen Strahlen zerlegt werden, nur dann sichtbar werden, wenn die einfallenden und austretenden Lichtstrahlen einen bestimmten Winkel bilden, der für den Haupt- und für den Nebenregenbogen für jede Farbe einen andern Wert erhält. Nach den für die Brechung und die Reflexion des Lichts geltenden Gesetzen haben diese Winkel für die roten und violetten Strahlen die oben angegebenen Werte. Die Erscheinung der sekundären oder überzähligen R. findet nach Young ihre Erklärung in der Interferenz (s. d.) des Lichts, eine Erklärung, welche durch Airy weiter entwickelt und vollendet ist. Weil beim Hauptregenbogen die Ablenkung bei der ersten Brechung für die roten Strahlen kleiner ist als für die violetten, so kommt das Rot von höher gelegenen, das Violett von tiefer gelegenen Strahlen ins Auge, und deshalb ist Rot außen und Violett innen. Weil ferner alle Tropfen, welche die gleiche Lage gegen Sonne und Auge haben, auch die gleiche Ablenkung erzeugen, so entsteht Rot aus allen Tropfen, die 421/4° von der Verbindungslinie zwischen Sonne und Auge entfernt sind, die also auf einem Kreis vom Radius 421/4° und mit dem Zentrum auf dieser Verbindungslinie liegen, woraus sich die Kreisform und Größe erklärt sowie die Thatsache, daß jeder Beobachter einen andern R. sieht. Dieselbe Erscheinung wie die des Regenbogens wird überall sichtbar, wo Wassertropfen, wie in dem Staubregen der Wasserfälle und Springbrunnen, von der Sonne beschienen werden. Bei Mondschein entstehen auch R., doch sind dieselben im ganzen selten und zeigen sich meist nur als ein heller Kreisbogen. Wenn Farben vorhanden sind, so sind sie sehr blaß.

Regenbogen, Barthel, Meistersänger zu Ende des 13. Jahrh., Schmied in Mainz, wetteiferte mit seinem berühmtern Zeitgenossen H. Frauenlob in der Kunst des Gesangs. Gedichte von ihm finden sich in der Kolmarer Meistersängerhandschrift und in der Manesseschen Sammlung, in jener mit zahlreichen jüngern, nur in seinen Tönen verfaßten Gedichten vermischt. Vgl. Bartsch, Meisterlieder aus der Kolmarer Handschrift (Stuttg. 1862).