MKL1888:Reinhardsbrunn

[698] Reinhardsbrunn, herzogl. Schloß bei Waltershausen im Herzogtum Gotha, in einer der schönsten Gegenden des Thüringer Waldes gelegen, mit herrlichen Parkanlagen, war ursprünglich eine von Ludwig dem Springer 1089 gestiftete Benediktinerabtei, die nachher als Begräbnisstätte der Landgrafen von Thüringen diente. Jm 13. Jahrh. wurde hier eine noch erhaltene Biographie des Landgrafen Ludwig des Heiligen verfaßt, dagegen sind die sogen. »Reinhardsbrunner Annalen« (hrsg. in den »Thüring. Geschichtquellen I«, Jena 1854) nicht im Kloster entstanden. Im Bauernkrieg 1525 in Asche gelegt, wurde das Kloster säkularisiert und 1543 zu einem Jagdschloß eingerichtet. Das jetzige Schloß wurde 1607 von der verwitweten Herzogin Dorothea Maria im gotischen Stil erbaut, 1827 vom Herzog Ernst I. stilvoll restauriert und später vom Herzog Ernst II. noch bedeutend verschönert und durch geschmackvolle Nebengebäude erweitert. Auch die alte Kirche mußte 1857 einem Neubau im romanischen Stil weichen. Unweit ist eine interessante Marienglashöhle. Vgl. Möller, Geschichte des Klosters R. (Gotha 1843); O. Posse, Die Reinhardsbrunner Geschichtsbücher (Leipz. 1872); Wenck, Die Entstehung der Reinhardsbrunner Geschichtsbücher (Halle 1878); Naudé, Die Fälschung der ältesten Reinhardsbrunner Urkunden (Berl. 1885).