MKL1888:Saalfeld

[111] Saalfeld, 1) ebebem selbständiges (sächsisches), seit 1826 zum Herzogtum Sachsen-Meiningen gehöriges Fürstentum, im östlichen Teil des Thüringer Waldes gelegen, bildet jetzt den sachsen-meiningischen Kreis S. und umfaßt 599 qkm (10,88 Q.M.) mit 55,863 meist evang. Einwohnern. Die gleichnamige Hauptstadt am linken Ufer der Saale, Knotenpunkt der Linie Gera-Eichicht der Preußischen Staatsbahn wie der Eisenbahnen Großheringen-S. und Arnstadt S., 233 m ü. M., hat eine schöne gotische Stadtkirche (aus dem Anfang des 13. Jahrh.), ein Schloß mit Turm (1679 an Stelle einer alten, im Bauernfrieg zerstörten Abtei erbaut), das Jagdschlößchen Kitzerstein (angeblich von König Heinrich I. erbaut, der Hauptbau aber aus dem Anfang des 16. Jahrh. herrührend), ein altertümliches Rathaus (1537 vollendet), ein schönes Reichspostgebäude, ein öffentliches Schlachthaus, ein Realgymnasium, ein Amtsgericht, ein Bergamt, Nähmaschinen-, Farben-, Schlackenstein- und Drahtgewebefabrikation, Eisengießerei, Maschinenbau, zahlreiche graphische Anstalten, Bierbrauerei, Schneidemühlen etc. und (1885) 8371 [112] meist evang. Einwohner. Am rechten Saalufer, S. gegenüber, das Dorf Altsaalfeld mit 556 Einw. Am Südende der Stadt die hoch ragende, imposante Ruine der Sorbenburg (auch=der hohe Schwarm genannt) mit 2 runden Türmen, wahrscheinlich unter Karl d. Gr. zum Schutz gegen die Sorben erbaut, aber schon 1290 auf Veranlassung Rudolfs von Habsburg von den Erfurtern zerstört. Der Burg verdankt S. seine Entstehung. Es wurde frühzeitig Reichsdomäne, kam aber unter Philipp von Schwaben an Thüringen. In der Folge wechselte S. die Herren oft, bis Stadt und Gebiet unter Johann Ernst, dem jüngsten Sohn des Herzogs Ernst des Frommen, 1681 zu einem selbständigen Herzogtum wurden. S. war auch Münzstadt des obersächsischen Kreises. Hier 10. Okt. 1806 Gefecht zwischen den Franzosen und Preußen, worin Prinz Louis Ferdinand von Preußen seinen Tod fand. Ein gußeisernes Denkmal auf dem Walplatz an der Straße von Rudolstadt nach S. (bei Wölsdorf), 1823 errichtet, ehrt das Andenken des Gefallenen. Vgl Wagner, Chronik der Stadt S. (fortgesetzt von Grobe, Saalf. 1865—67); Richter, S. und Umgebung (das. 1874); Thümmel, Kriegstage aus Saalfelds Vergangenheit (Berl. 1882). — 2) (S. in Ostpreußen) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Mohrungen, auf einer Anhöhe am Ewingsee, der mit dem Geserichsee und dem Elbing-Oberländischen Kanal in schiffbarer Verbindung steht, 110 m ü. M., hat ein Amtsgericht, ein Warendepot der Reichsbank, Gerberei, Färberei, Spiritusbrennerei Käsefabrikation, Dampfschneidemühlen, Ziegelbrennerei, besuchte Märkte u. (1885) 2676 meist evang. Einw.