MKL1888:Salzburg

[241] Salzburg, Herzogtum (hierzu Karte „Herzogtum Salzburg“), österreich. Kronland, aus dem ehemaligen Erzbistum gleiches Namens (s. unten) gebildet, grenzt im NO. an Oberösterreich, im O. an Steiermark, im Süden an Kärnten, im W. an Tirol und im NW. an Bayern und umfaßt 7155 qkm (129,95 QM.). Das Land gehört nur mit einem kleinen Teil (im N.) dem Flachland der bayrischen Hochebene an; der größere Teil ist Hochgebirgsland, das bis zum Kamm der Mittelalpen sich erstreckt. Den Hügeln des Tertiärlandes folgt die Zone der nördlichen Alpenkette und zwar die Salzburger Alpen (s. d.), das Tännengebirge (2428 m), der als Österreichs Rigi gepriesene Schafberg (1780 m), die Gruppe des Dachstein (2996 m), an der steirischen, und des Birnhorn (2632 m), nächst der Tiroler Grenze. Das Thal südlich vom Thal des Pinzgaues gehört zum Gebiet der Tauern (s. d.) mit dem Großvenediger (3673 m), dem Wiesbachhorn (3578 m), Hochnarr (3258 m), Ankogl (3253 m) und Hochalpenspitze (3355 m) in dem Gebirgszug der Hohen Tauern, die hinter der Arlscharte sich in eine doppelte Kette auflösen. Der nördliche Zug wird von der Straße des Radstädter Tauern (1738 m), der südliche von der Straße des Katschbergtauern (1641 m) übersetzt, wogegen die Saumpfade der Hohen Tauern bedeutend höher liegen. Die Massivs der Hohen Tauern sind mit zahlreichen Gletschern bedeckt, die auf der Salzburger Seite allein über 300 qkm Fläche einnehmen. Der Gebirgscharakter verursacht auch viele Thalverengerungen (Pässe, Klammen), worunter die vorzüglichsten sind: der Paß Lueg an der Salzach, die Lichtensteinklamm am Eingang des Arlthals, der Paß Klamm am Schluß des Gasteiner Thals, die Kitzlochklamm des Rauriser Thals, die Hohlwege (an der Saalach), die Schwarzenbergklamm (bei Unken), der Paß Strub etc. Der Hauptfluß des Landes ist die Salzach (s. d.), die im Längenthal ihres Oberlaufs alle Achen der Tauernkette sammelt und weiter durch die Lammer, die Alm (aus dem Königssee) und durch die Saalach verstärkt wird. Das obere Salzachthal heißt Pinzgau, das mittlere Pongau, das untere Salzachgau. Andre Flüsse Salzburgs sind die Enns, die durch den Mandlingpaß nach Steiermark bricht, und die Mur, die nach kurzem Lauf durch den Lungau ebenfalls nach Steiermark übergeht. Unter den Seen ist der Zeller See auf der ebenen Wasserscheide zwischen Saalach und Salzach der größte. Im N. findet man (die Anteile Salzburgs am St. Wolfgang- und Mondsee ungerechnet) den Fuschelsee, Wallersee und Trummersee. Unter den Mineralquellen ist die heiße Quelle von Gastein die berühmteste; besucht ist auch das Bad St. Wolfgang in der Fusch. Das Klima des Landes ist der Gebirgslage angemessen: schnell wechselnd, mit bedeutenden Niederschlägen (111 cm jährlich in der Hauptstadt und 74 in Gastein). Die mittlere Temperatur stellt sich in Salzburg auf fast +8° C., in Gastein auf +6,1° C.

Die Bevölkerung von S. betrug 1880: 163,570 Einw. (Ende 1887 auf 169,472 berechnet); auf ein QKilometer kommen nur 23 Menschen, die geringste Volksdichtigkeit in Österreich. Die Bewohner sind der Nationalität nach alle deutsch und fast ausschließlich Katholiken. Wegen der Hochgebirge beträgt die unproduktive Fläche gegen 15 Proz. des gesamten Areals; von der produktiven Fläche kommen 10,8 Proz. auf das Ackerland, 10,1 auf Wiesen und Gärten, 39,9 auf Weiden und Alpen, 38,1 auf Waldungen und 1,1 Proz. auf die Seen. Fast die Hälfte des jährlichen Bedarfs an Getreide muß eingeführt werden. Als Bebauungsmethode herrscht die Eggartenwirtschaft vor, wobei der Boden durch eine Reihe von Jahren als Grasland und dazwischen nur selten als Ackerland benutzt wird. Hauptprodukte sind: Hafer und Roggen, etwas Weizen und Gerste (zusammen ca. 600,000 hl Getreide), dann Klee und Heu. Die Almwirtschaft begünstigt in hohem Grade die Viehzucht und die Milchproduktion. Namentlich die Rindviehzucht steht auf einer so hohen Stufe wie in nur wenigen Teilen des Reichs, besonders im Pinzgau und Pongau. 1880 wurden 149,581 Rinder gezählt, so daß auf 100 Bewohner 91 Rinder kamen. Der Ertrag an Butter und Käse beläuft sich auf jährlich 62,000 metr. Ztr. Auch Pferde werden gezüchtet

[Beilage]

[Ξ]

SALZBURG.
Maßstab 1 : 850 000
[Nebenkarte:] Nördl. Fortsetzung d. Hauptkarte
[Datumsangabe:] V. 89.

[242] (1880: 11,050 Stück), und die Pinzgauer Gebirgerasse gilt als das ausgezeichnetste schwere Zugpferd in Österreich. Schafe wurden 1880: 58,290, Ziegen 19,621, Schweine 10,913 gezählt. In S. besteht ferner eine Unternehmung für künstliche Fischzucht. Unter den Produkten des Bergbaues ist das Salz das wichtigste; die Saline zu Hallein lieferte 1886 mit 385 Arbeitern 225,000 metr. Ztr. Sudsalz. Der Hüttenbetrieb ergab 1886: 17 kg Gold (in Rauris und Böckstein, ehemals ein blühender Erwerbszweig), 5000 metr. Ztr. Kupfer und 19,800 metr. Ztr. Roheisen. Großen Reichtum hat das Land an Marmor (am Untersberg), an Gips und Torf. Die spärliche Industrie des Landes liefert, abgesehen von den Fabriken in der Umgebung der Stadt S. (s. d.), hauptsächlich Holzwaren, Zement, Glas und Bier. In Hallein besteht auch eine ärarische Tabaksfabrik. Für den Verkehr hat die Salzach Bedeutung, auf welcher Holz, Salz, Gips verschifft werden. Für den Ein- und Durchfuhrhandel ist neben den guten Landstraßen die westliche Staatsbahn wichtig, die mit der Linie über Salzburg nach Wörgl und der Abzweigung von Bischofshofen über Radstadt gegen Selzthal das Land durchzieht. An Lehranstalten besitzt das Land außer den in der Hauptstadt befindlichen (s. unten) eine Fachschule für Holzschnitzerei in Hallein und 175 Volks- und Bürgerschulen. In Landesangelegenheiten wird das Herzogtum vom Landtag vertreten, welcher aus 26 Mitgliedern: dem Fürsterzbischof von S., 5 Abgeordneten des großen Grundbesitzes, 3 Abgeordneten der Hauptstadt, 7 der übrigen Städte und Märkte, 2 der Salzburger Handelskammer und 8 der Landgemeinden, besteht. Das Wappen s. auf der Tafel „Österreich.-Ungarische Länderwappen“. Die politische Einteilung des Landes zeigt folgende Tabelle:

Bezirk Areal in Bevölkerung
1880
QKilom. QMeilen
Salzburg, Stadt 9 0,16 24952
Salzburg, Bezirk 1731 31,44 65769
St. Johann 1765 32,06 28956
Tamsweg 1020 18,52 12868
Zell am See 2630 47,77 31025

Vgl. „Abriß der Landeskunde des Herzogtums S.“ (Salzb. 1877); „Spezial-Ortsrepertorium des Herzogtums S.“ (hrsg. von der statist. Zentralkommission, Wien 1883); „Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde“ (hrsg. von Richter, Salzb. 1876 ff.) und die Litteratur des folgenden Artikels.

Salzburg, ehemaliges deutsches Erzbistum, zerfiel in den Salzburger Gau, Pinzgau, Pongau und Lungau u. hatte ein Areal von 9900 qkm (180 QM.) mit etwa 250,000 Einw. Der Erzbischof war zugleich Legat des apostolischen Stuhls und seit 1750 Primas von Deutschland. Seine Suffraganbischöfe waren die zu Freising, Regensburg, Brixen, Gurk, Chiemsee, Seckau und Lavant, von denen er die vier letzten selbst ernannte. Er war neben den Erzbischöfen, welche zugleich Kurfürsten waren, der einzige Erzbischof in Deutschland mit Sitz und Stimme auf dem Reichstag; im Reichsfürstenrat wechselte er auf der geistlichen Bank mit Österreich in der ersten Stelle und im Direktorium und war mit ausschreibender Fürst und Direktor des bayrischen Kreises. Das Wappen war ein längsgeteilter Schild, in dessen rechter Hälfte ein schwarzer Löwe in goldenem Felde; die linke Hälfte war damasziert; hinter dem Schild ragte in der Mitte das Legatenkreuz mit dem Kardinalshut, zur Rechten ein Schwert und zur Linken ein Bischofstab hervor. Der Apostel des Salzburger Landes war Rupert, vormaliger Bischof von Worms, gegen das Ende des 7. Jahrh.; doch ist erst von Bonifacius 739 ein Bistum gegründet und an Johann verliehen worden. Dessen zweiter Nachfolger, Arno, ward 798 von Papst Leo III. zum Erzbischof und zum Legaten des apostolischen Stuhls erhoben. Unter Kaiser Friedrich I. weigerte sich der Erzbischof Konrad II., den Gegenpapst Paschalis III. anzuerkennen, ward deshalb 1165 geächtet und sein Land verwüstet. Das dann eintretende Schisma ward erst 1177 durch die Abdankung Adalberts III., eines Anhängers Alexanders III., beseitigt. Neue Unruhen brachen unter dem kriegerischen Erzbischof Philipp von Kärnten 1250 aus. Das Domkapitel setzte 1257 seine Absetzung beim Papste durch und erwählte den Bischof Ulrich von Seckau zu seinem Nachfolger. Dieser fand bei dem ungarischen König Bela Unterstützung, Philipp bei Ottokar von Böhmen. Ulrich ward von den Böhmen gefangen, 1260 vom Papst exkommuniziert, 1264 aber vom Herzog Heinrich von Bayern wieder eingesetzt. Erst als Ulrich abdankte und Wladislaw, Herzog von Breslau, 1265 vom Papst zum Erzbischof ernannt wurde, trat Friede im Erzstift ein. Inzwischen war der Umfang der Diözese schon durch Erzbischof Eberhard II. (1200–1246) vermindert worden, der in Chiemsee, Lavant und Seckau neue Bistümer errichtete. Erzbischof Leonhard II. (1495–1519) vertrieb 1498 sämtliche Juden ihres Wuchers wegen aus dem Hochstift. Unter seinem Nachfolger Matthäus Lang brach 1525 ein Aufruhr der Bauern aus, der nur mit Hilfe des Schwäbischen Bundes gedämpft werden konnte. Um diese Zeit hatte die Reformation im Erzstift viele Anhänger gefunden. Matthäus und seine Nachfolger suchten sie mit Gewalt zu unterdrücken, erst Johann Jakob (1560–86) gestattete den Evangelischen den Aufenthalt. Dennoch blieb ihre Lage unter den folgenden Erzbischöfen eine gedrückte, und wiederholt wurden sie aus dem Land getrieben. Der Erzbischof Leopold Anton, Graf von Firmian, versuchte sie 1729 durch jesuitische Missionäre zu bekehren und schritt, als sie sich weigerten, zu Gewaltmaßregeln, zu welchem Zweck er 6000 Österreicher ins Land berief. Als das Corpus evangelicorum für die Protestanten eintrat und verlangte, daß ihnen, dem Westfälischen Frieden gemäß, die Auswanderung gestattet werde, wies sie der Erzbischof Mitte November 1731 aus und gewährte ihnen nur drei Monate Frist. Erst auf den Einspruch der protestantischen Fürsten, besonders des Königs von Preußen, der am 2. Febr. 1732 sein berühmtes Patent erließ, wurde die Frist verlängert und den Auswandernden ermöglicht, ihre Habe mitzunehmen. Über 30,000 Personen verließen das Land, die meist (17,000) eine neue Heimat in Preußen fanden. Unter Erzbischof Hieronymus, Fürsten von Colloredo, ward das geistliche Hochstift, das reichste in Süddeutschland, 1803 säkularisiert, in ein weltliches Kurfürstentum verwandelt und nebst Eichstätt, Berchtesgaden und einem Teil von Passau dem Erzherzog von Österreich und Großherzog von Toscana, Ferdinand, als Entschädigung für das von ihm abgetretene Toscana gegeben. S. kam im Frieden zu Preßburg 1805 an Österreich, während der Kurfürst dafür durch Würzburg entschädigt ward und Eichstätt und Passau an Bayern fielen. Durch den Wiener Frieden von 1809 ward S. zu Napoleons I. Verfügung gestellt, der es 1810 an Bayern gab. Nach dem Pariser Frieden von 1814 kam es an Österreich zurück, mit Ausnahme eines Teils vom linken Salzachufer, welcher nebst Berchtesgaden bei Bayern blieb; 1824 ward das Erzbistum restituiert, worauf S. unter dem Titel [243] eines Herzogtums (mit Ausnahme einiger zu Tirol geschlagener Bezirke) den Salzachkreis des Landes ob der Enns bildete, bis es 1849 zu einem selbständigen Kronland erhoben ward. Vgl. Dümmler, Beiträge zur Geschichte des Erzbistums von S. im 9.–12. Jahrh. (Wien 1859); Pichler, Salzburgs Landesgeschichte (Salzb. 1865); Meiller, Regesta archiepiscoporum Salisburgensium (Wien 1866).

Salzburg, Hauptstadt des gleichnamigen Herzogtums, liegt ungemein malerisch (420 m ü. M.) an beiden Ufern der reißenden Salzach, die hier zwischen

Wappen von Salz­burg.

zwei isolierten Hügeln von Kalkbreccie, dem Mönchs- und Kapuzinerberg, eingeengt dahinströmt, und an der westlichen Staatsbahn Wien-S., an welche sich hier die Staatsbahnlinie S.-Wörgl und die bayrische Linie S.-München anschließen. Das Klima ist sehr angenehm, die Luft gesund; die mittlere Sommertemperatur beträgt 17,4° C. Die Stadt zerfällt in zwei durch die Salzach, über welche eine 1877 erbaute eiserne, eine Holzbrücke und ein Steg führen, getrennte Stadtteile, die am linken Ufer gelegene ältere und die Neustadt am rechten Ufer, ist teilweise noch mit Mauern und Wällen umgeben, hat eine Citadelle (Hohensalzburg, s. unten) und drei Vorstädte: Nonnthal und Mülln auf dem linken und Stein auf dem rechten Ufer der Salzach. Unter den von den ehemaligen Befestigungswerken noch erhaltenen Thoren ist am merkwürdigsten das durch den Felsen des Mönchsbergs gebrochene Neuthor, welches 134 m lang, 7 m breit und 12 m hoch ist und vom Erzbischof Sigismund von Schrattenbach 1767 hergestellt wurde. Die Stadt ist nicht regelmäßig gebaut, viele (namentlich die ältern) Straßen sind eng, krumm und finster; aber die schönen massiven Häuser mit ihren platten Dächern, der häufig verwendete Marmor des nahen Untersbergs, die zahlreichen Brunnen und Denkmäler geben der Stadt ein stattliches, zugleich italienisches Aussehen. In neuester Zeit hat übrigens S. eine Erweiterung erfahren, da auf den durch Auflassung der Festungswerke frei gewordenen Plätzen zahlreiche Neubauten erstanden. Auch wurden zu beiden Seiten der Salzach Kais aufgeführt, welche mit anmutigen Promenaden und Neubauten versehen sind. Unter den öffentlichen Plätzen ragen hervor der Residenzplatz mit großem Brunnen (aus weißem Marmor von Ant. Dario 1668 gefertigt) und der Domplatz mit einer Mariensäule. An den erstern schließt sich der Mozartplatz mit Mozarts (1756 hier geboren) ehernem Standbild von Schwanthaler (seit 1842), an den letztern der Kapitelplatz mit der Residenz des Fürsterzbischofs u. einer marmornen Pferdeschwemme (Kapitelschwemme). Eine schöne öffentliche Anlage hat S. in dem neuen Stadtpark mit gut eingerichteter Badeanstalt und Kursaal erhalten. Die meisten öffentlichen Gebäude stammen aus der Renaissance- und Barockzeit. Unter den 24 Kirchen der Stadt ist zunächst zu erwähnen der Dom, 1614–34 von Santino Solari nach dem Muster der Peterskirche in Rom erbaut, mit zwei 80 m hohen Türmen, einer Zentralkuppel, schöner Fassade aus weißem Marmor und im Innern mit einem in Erz gegossenen Taufbecken (1321). Unweit des Doms steht die Klosterkirche zu St. Peter, in romanischem Stil 1127 erbaut, mit schönem Portal, zahlreichen Grabmälern, darunter dem des heil. Rupert, im Innern. Hinter der Kirche, an der Nagelfluhwand des Mönchbergs, liegt der alte malerische St. Petersfriedhof mit interessanten Grabmälern (darunter das der Gräfin Lanckoronska von Schwanthaler). In der Mitte desselben steht die schöne, 1485 erbaute, 1864 restaurierte Margaretenkapelle, in der Felswand des Mönchsbergs selbst die in Stein gemeißelten Zellen des heil. Rupert und die Einsiedelei des heil. Maximus mit der alten Kreuzkapelle und die Katharinenkapelle mit dem Grab des heil. Vitalis. Die alte Franziskanerkirche (Stadtpfarrkirche) aus dem 13. Jahrh. mit ihrem großartigen Chor ist in verschiedenen Baustilen ergänzt worden. Auf dem Nonnberg steht die Kirche des adligen Benediktiner-Frauenstifts, ein gotischer Bau mit romanischem Portal, schönem Flügelaltar, alten Glasmalereien und Waldgemälden und einer Krypte. Erwähnenswert sind noch: die Johannesspitalkirche, die Augustinerkirche in der Vorstadt Mülln, die seit dem großen Brand von 1818 neuhergestellte Sebastianskirche mit dem Grabmal des Theophrastus Paracelsus von Hohenheim und berühmtem Friedhof (mit der Gabrielkapelle), die am Kai gelegene protestantische Kirche, 1865 im byzantinischen Stil erbaut, endlich der neue Zentralfriedhof. Bemerkenswerte weltliche Gebäude sind: die Residenz am Residenzplatz (1592–1724 erbaut), ein weitläufiger Bau im italienischen Stil, mit Gemäldegalerie; der ihr gegenüberliegende Neubau (mit Glockenspiel), jetzt Regierungsgebäude; das Schloß Mirabell, früher Sitz des Erzbischofs, mit öffentlichem Garten; der Marstall (jetzt Kavalleriekaserne) für 130 Pferde (1607 erbaut), mit weißmarmornen Barrieren, einer prachtvollen Schwemme mit Marmoreinfassung und plastischer Gruppe und zwei Reitschulen, von denen die Sommerreitschule ein in den Felsen des Mönchbergs gehauenes Amphitheater mit drei übereinander befindlichen Galerien ist. Andre schöne Gebäude sind noch: das Rathaus, das vereinigte Schulgebäude, der Kursalon, das Museum etc. Außerdem enthält S. acht Klöster, darunter das Benediktinerstift St. Peter (580 gegründet) mit ansehnlicher Bibliothek, Naturalienkabinett, Schatzkammer und reichem Archiv, ein Franziskanerkloster, ein Kapuzinerkloster auf dem Kapuzinerberg etc.

Die Zahl der Einwohner beträgt (1880) mit Einschluß von 1453 Mann Militär 24,952. Die Industrie ist in S. durch Fabriken für musikalische Instrumente (besonders Orgeln), Marmorgalanterie- und Zementwaren, Zündhölzchen, Feigenkaffee und Schokolade, Bier, Mehl, Leder, Kunstwolle und Shoddygarn, Sonnen- und Regenschirme, Handschuhe, Papier und Holzstoff, Papiertapeten und Bretter vertreten. Außerdem bestehen in der Stadt mehrere Buch- und Steindruckereien und in der Umgebung Torfwerke. Der Handel, welcher ehemals einen bedeutenden Warenverkehr zwischen Deutschland und Italien vermittelte, hat seine frühere Bedeutung verloren und beschränkt sich gegenwärtig auf die Versorgung des lokalen und provinziellen Konsums. Förderungsmittel sind die Eisenbahnen, die Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank und eine städtische Sparkasse. An Lehr- und Bildungsanstalten besitzt S.: eine theologische Fakultät (als Rest der 1623 gestifteten, 1810 aufgehobenen Universität), ein staatliches und ein erzbischöfliches Obergymnasium (Collegium Borromeum), eine Oberrealschule, eine Lehrerbildungsanstalt, eine Staatsgewerbeschule, eine Gremial- und eine Privathandelsschule, ein erzbischöfliches Priesterseminar, ein Collegium Mariano-Rupertinum für Gymnasialschüler, 2 Musikschulen, 3 Klostererziehungsinstitute; [244] außerdem eine öffentliche Studienbibliothek (mit 62,400 Bänden, 4626 Inkunabeln und 1270 Manuskripten) und die Bibliothek des Stifts St. Peter (40,000 Bände, 600 Inkunabeln und 224 Pergamentmanuskripte); das Museum Carolino-Augusteum mit vielen keltischen und römischen Antiquitäten, römischen Mosaikböden, Sammlung musikalischer Instrumente (auf 300 Jahre zurückreichend), Zimmereinrichtungen in kulturgeschichtlicher Reihenfolge, naturhistorischer Sammlung und einer Bibliothek von 10,000 Bänden; Vereine für Kunst, Landeskunde, Musik (Mozarteum), Landwirtschaft etc. Unter den zahlreichen Wohlthätigkeitsinstituten sind hervorzuheben: 4 Spitäler, eine Irrenanstalt, ein Gebärhaus, ein Waisenhaus etc. S. bildet eine Stadt mit eignem Gemeindestatut und autonomer Verwaltung. An Behörden besitzt S. außer der Landesregierung und dem Landesausschuß: ein Landesgericht, eine Bezirkshauptmannschaft, Finanzdirektion, Forst- und Domänendirektion, eine Handels- und Gewerbekammer; an kirchlichen Instituten: das Fürsterzbistum, ein Metropolitan-Domkapitel und ein Konsistorium. Die Stadt hat ferner eine treffliche Wasserleitung, welche Trinkwasser aus der Fürstenbrunnquelle des Untersbergs (9,5 km weit) nach S. führt, eine Gasanstalt und gestaltet sich immer mehr zur Saisonstadt und zum Kurort. Es fehlt daher auch nicht an Hotels und andern dem großen Fremdenverkehr entsprechenden Einrichtungen. Seit 1886 führt ein Dampftramway zur bayrischen Grenze (gegen Berchtesgaden).

Die Umgebung von S. (vgl. den Abschnitt auf der Karte „Herzogtum Salzburg“) ist von hohem Reiz. Über der Stadt erhebt sich auf einem nach drei Seiten jäh abfallenden, 130 m über der Salzach liegenden Felsen, welcher die Südostspitze des Mönchsbergs bildet, die ehemalige Festung Hohensalzburg, die 1088 aus den Trümmern eines römischen Kastells entstand, zu verschiedenen Zeiten ausgebaut wurde und gegenwärtig als Kaserne dient. Sie enthält eine Schloßkapelle mit Apostelstatuen und Reliefbildern aus rotem Marmor, dann die schön eingerichteten Fürstenzimmer und bietet eine herrliche Rundsicht. Der Mönchsberg selbst ist 523 m hoch, begrenzt die Stadt südlich und westlich und ist mit Waldpartien und Anlagen bedeckt. Sein östlicher Ausläufer unterhalb der Festung ist der Nonnberg mit dem oben erwähnten Frauenkloster. Gegenüber erhebt sich über dem am rechten Ufer der Salzach gelegenen Stadtteil der 650 m hohe Kapuzinerberg, welcher gleichfalls mit Wald bedeckt ist, an der Ostseite das sogen. Franciscischlössel (eine ehemalige Bastei) sowie das „Mozarthäuschen“ trägt und mehrere schöne Aussichtspunkte enthält. In etwas größerer Entfernung befinden sich noch mehrere schöne Schlösser: das kaiserliche Lustschloß Hellbrunn (vom Erzbischof Markus Sittich 1614 im Renaissancestil erbaut) mit Park, Gartenanlagen, Wasserkünsten und einem in den Felsen gehauenen Theater; das dem Fürsten Schwarzenberg gehörige Schloß Aigen am Fuß des Gaisbergs, mit großem Park; die Schlösser Anif (inmitten eines großen Teichs) und Leopoldskron (mit Schwimmschule). Westlich von der Stadt liegen auf dem Moosgrund die Moorbäder Ludwigs- und Marienbad. Die lohnendsten Aussichtspunkte in der Umgebung von S. sind die nördlich gelegene, 1674 erbaute Wallfahrtskirche Maria Plain, dann der 1286 m hohe, seit 1887 durch eine Zahnradbahn zugänglich gemachte Gaisberg. – Die Stadt nimmt die Stelle des alten Juvavum (Juvavia) der Römer ein, das schon im 1. Jahrh. n. Chr. als ein mächtiges römisches Munizipium bestand, nach und nach aber, zuerst von den Herulern, zerstört wurde. Den Aufbau der gegenwärtigen Stadt S. veranlaßte wahrscheinlich St. Rupert, der an dem Ufer der Salzach (keltisch Igonta), in der Nähe der antiken Trümmerstadt, zwei Klöster anlegte (s. oben). Schon im 7. Jahrh. erscheint S. als Sitz eines Bistums, das 798 zum Erzbistum erhoben wurde. Am 16. Juli 1669 stürzte auf die Johannisvorstadt die locker gewordene Wand des Mönchsbergs herab, zertrümmerte ihre Häuser und erschlug 500 Bewohner. Vgl. Hübner, Beschreibung der erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt S. (Salzb. 1792, 2 Bde.); Zauner, Chronik von S. (das. 1797–1810, Bd. 1–6; fortgesetzt von Gärtner, Bd. 7–11, das. 1813–27); Zillner, Salzburgische Kulturgeschichte (das. 1871); Derselbe, Geschichte der Stadt S. (das. 1885 ff.); Bühler, S., seine Monumente und seine Fürsten (das. 1873); Dieter, Führer durch S. (9. Aufl., das. 1886).

Salzburg, ungar. Stadt, s. Vizakna.