MKL1888:Saturnalĭen

[340] Saturnalĭen (Saturnalia), Fest der alten Latiner, welches der Sage nach zum Andenken an den glücklichen Naturzustand der Menschen in Freiheit und Gleichheit zur Zeit der Regierung des Saturnus (s. d.) eingesetzt wurde. Ohne Zweifel waren die S. ursprünglich ein Fest der Sonnenwende und zugleich eine Art von Neujahrsfest. Regelmäßig gefeiert wurden sie erst seit 497 v. Chr.; der eigentliche Festtag war ursprünglich der 17. Dezember, doch scheint die Feier sieben Tage gedauert zu haben. Augustus setzte drei Tage (17.–19. Dez.) dafür an, unter Tiberius kam noch ein vierter und unter Caligula ein fünfter hinzu. Während der ganzen Festdauer waren alle öffentlichen und Privatgeschäfte eingestellt, die Arbeit ruhte, und ungezügelte Freiheit herrschte überall. Den Gefangenen wurden die Ketten abgenommen, die Sklaven durften mit ihren Herrschaften zu Tische sitzen und wurden sogar von diesen bedient. Die Wohlhabenden hielten offene Tafel, und die Schmausenden bekränzten sich mit Myrtenlaub und beschenkten einander mit Rosen und andern Gaben; auch im häuslichen Kreis fanden gegenseitige Bescherungen statt (daher wohl unsre Weihnachtsgeschenke). Auch Spiele, namentlich Wettrennen im Zirkus, Gladiatorengefechte und Mummenschanz (der dem spätern römischen Karneval seine Entstehung gab), waren mit diesem Fest verbunden.