MKL1888:Schmalkalden

[546] Schmalkalden, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, in einer Exklave am Südwestabhang des Thüringer Waldes, an der Schmalkalde, Knotenpunkt der Linien Wernshausen-S. und Zelle-Kleinschmalkalden der Werrabahn, 296 m ü. M., hat doppelte Ringmauern, 3 Vorstädte, 2 Kirchen (darunter die 1413-1509 erbaute gotische Stadtkirche), das Schloß Wilhelmsburg mit sehenswerter Kapelle, ein Rathaus, in dessen Saal die sogen. Schmalkaldischen Artikel von Luther und 42 Theologen unterschrieben wurden, und (1885) 6729 meist evang. Einwohner. Die Industrie ist bedeutend. Es finden sich dort sehr zahlreiche Fabriken für Herstellung von Kleineisenwaren, Eisengießerei, Maschinen-, Spielwaren-, Gewehr-, Leder-, Blasbalg-, Seifen-, Lichte- und Faßfabrikation, bedeutende Bierbrauereien etc. S. ist Sitz eines Amtsgerichts, einer Oberförsterei, einer herzoglich koburgischen Forstverwaltung, eines Bergamtes etc. und hat ein Realprogymnasium und ein Solbad mit Inhalationshalle. In der Nähe wichtige Eisenerzgruben und Hüttenwerke. Die ansehnlichen Staatswaldungen des (bis 1866 kurhessischen) Kreises gingen 1866 durch Schenkung in den Besitz des Herzogs von Sachsen-Koburg-Gotha über. S. findet sich zuerst 874 erwähnt, kam in der Mitte des 13. Jahrh. an die Grafen von Henneberg, 1291 an Brandenburg, um 1320 an Henneberg zurück und fiel, nachdem es 1335 Stadtrecht erhalten, 1360 zur Hälfte an Hessen. Am 31. Dez. 1530 wurde hier der Schmalkaldische Bund (s. d.) geschlossen, und im Februar 1537 fand hier die Unterzeichnung der Schmalkaldischen Artikel (s. d.) statt. 1583 wurde die Stadt ganz hessisch; 1627 kam sie pfandweise an Hessen-Darmstadt und wurde erst 9. Aug. 1646 von den Niederhessen wiedererobert. Seit 1866 fiel S. mit Kurhessen an Preußen. S. ist Geburts- und Sterbeort K. Wilhelms, des Komponisten der »Wacht am Rhein«, welchem auf dem Marktplatz ein Denkmal (Germania) errichtet ward. Vgl. Geisthirt, Historia Schmalcaldica, 1075-1734 (in der »Zeitschrift des Vereins für Hennebergische Geschichte«, Schmalk. 1881–86); Wagner, Geschichte der Stadt und Herrschaft S. (Marb. 1849); Wilisch, S. und Umgebungen (Schmalkald. 1884); Frankenstein, Bevölkerung und Hausindustrie im Kreise S. (Tübingen 1887).