MKL1888:Spittler
[168] Spittler, Ludwig Timotheus, Freiherr von, berühmter Geschichtschreiber und Publizist, geb. 11. Nov. 1752 zu Stuttgart, widmete sich in Tübingen und Göttingen theologischen und historischen Studien, ward 1778 Repetent am theologischen Seminar zu Tübingen und 1779 Professor der Philosophie zu Göttingen, wo er sich als Lehrer der Geschichte großen Ruf erwarb, kehrte aber 1797 als Präsident der Oberstudiendirektion und Wirklicher Geheimer Rat in sein Vaterland zurück; 1806 ward er auch zum Kurator der Universität Tübingen und Minister ernannt und zugleich in den Freiherrenstand erhoben. Er starb 14. März 1810. Von seinen Schriften sind zu bemerken: „Geschichte des kanonischen Rechts bis auf die Zeiten des falschen Isidor“ (Halle 1778); „Grundriß der Geschichte der christlichen Kirche“ (Götting. 1782; 5. Aufl. von Planck, 1813); „Geschichte Württembergs unter den Grafen und Herzögen“ (das. 1783); „Geschichte des Fürstentums Hannover“ (das. 1786); „Entwurf der Geschichte der europäischen Staaten“ (Berl. 1793, 2 Bde.; 3. Aufl. von Sartorius, 1823); „Geschichte der dänischen Revolution 1660“ (das. 1796). Seine geistreich skizzierten „Vorlesungen über die Geschichte des Papsttums“ wurden mit Anmerkungen von Gurlitt (Hamb. 1828), seine „Geschichte der Kreuzzüge“ (das. 1827) und die „Geschichte der Hierarchen von Gregor VII. bis auf die Zeit der Reformation“ [169] von K. Müller (das. 1828) herausgegeben. Seine sämtlichen Werke gab sein Schwiegersohn K. v. Wächter (Stuttg. 1827–37, 15 Bde.) heraus. S. verband mit ernster Quellenforschung philosophischen Geist und lichtvolle Darstellung bei sinnreicher Kürze, hellen politischen Blick und Sicherheit des Urteils. Vgl. Planck, Über S. als Historiker (Götting. 1811).