MKL1888:Spitzer

[171] Spitzer, Daniel, Wiener Feuilletonist, geb. 3. Juli 1835 zu Wien, studierte daselbst die Rechte, war kurze Zeit als Konzipist bei der Wiener Handelskammer beschäftigt und begann seine litterarische Laufbahn mit volkswirtschaftlichen Artikeln und einzelnen Beiträgen für die Witzblätter Wiens. Seine satirischen Aufsätze, welche er von 1865 an als „Wiener Spaziergänge“ in der „Neuen Freien Presse“ zu veröffentlichen begann, fanden außergewöhnliche Teilnahme und begründeten seinen Ruf. Ein Teil dieser an die politisch-sozialen oder litterarischen Hauptereignisse des Tags anknüpfenden Feuilletons wurde unter dem Titel: „Wiener Spaziergänge“ (6 Bde., mehrfach aufgelegt) gesammelt herausgegeben. Die Novellen: „Das Herrenrecht“ (Wien 1877) und „Verliebte Wagnerianer“ (das. 1878), die ebenso zahlreiche Auflagen erlebten, sind gleichfalls nur als Satiren, nicht als wirkliche Erzählungen aufzufassen; an ihrem Erfolg hatten die pikant-lüsternen Elemente jedenfalls so viel Anteil wie die humoristischen.


[770]  Spitzer, 2) Emanuel, ungar. Maler, geb. 3. Okt. 1844 zu Papa in Ungarn, bildete sich zu Paris und München, meist ohne Lehrer, aus und machte sich zuerst, nachdem er mit kleinern Genrebildern aufgetreten, im J. 1883 mit einem figurenreichen Gemälde: der avisierte Bahnunfall, bekannt, welches jedoch mehr durch die glückliche Wahl des sensationell wirkenden Motivs als durch künstlerische Vorzüge fesselte. In seinen spätern Werken: Mama hat das Tanzen erlaubt, und die Lehrerin kommt! gesellte sich zu der originellen Erfindung noch ein feiner Humor, welcher auch in dem Genrebild: ein Vertrauensposten (1889) zum Ausdruck kam. S. lebt in München.