MKL1888:Tschirnhaus
[889] Tschirnhaus (Tschirnhausen), Ehrenfried Walter, Graf von, Naturforscher, geb. 10. April 1651 auf Kieslingswalde bei Görlitz, studierte zu Leiden Mathematik, war 1672 und 1673 Freiwilliger in holländischen Diensten, bereiste seit 1674 Frankreich, Italien, Sizilien und Malta und zog sich später auf sein Gut Kieslingswalde zurück; starb 11. Okt. 1708 in Dresden. Er errichtete in Sachsen drei Glashütten und eine Mühle zum Schleifen von Brennspiegeln von außerordentlicher Vollkommenheit. Er experimentierte mit einem Brennspiegel von 2 Ellen Brennweite und beschrieb die erhaltenen Resultate (1687 und 1688). Ein nicht geringes Verdienst gebührt ihm bei der Erfindung des Meißener Porzellans. Als Philosoph erwarb er sich eine gewisse Bedeutung durch seine „Medicina mentis“ (Amsterd. 1687, Leipz. 1695). Auch als Mathematiker hat er sich namhafte Verdienste erworben, und die „Acta Eruditorum“ aus den Jahren 1682–98 enthalten von ihm eine Reihe von Arbeiten über Brennlinien, das Tangentenproblem, Quadraturen, Reduktion von Gleichungen u. a. Vgl. Kunze, Lebensbeschreibung des E. W. v. T. („Neues Lausitzisches Magazin“, Bd. 43, Heft 1, Görl. 1866); Weißenborn, Lebensbeschreibung des E. W. v. T. (Eisenach 1866).