MKL1888:Weddell

[469] Weddell, Hugh Algernon, Botaniker, geb. 22. Juni 1819 zu Dorchester in Südengland, von wo seine Eltern nach Boulogne sur Mer übersiedelten, studierte Medizin in Paris, wandte sich dann aber der Botanik zu und ging 1843 als Arzt und Botaniker mit der französischen Expedition des Grafen Castelnau nach Brasilien, trennte sich jedoch nach einiger Zeit von derselben, durchreiste dann allein die westlichen Gegenden Brasiliens und widmete in der Umgebung des Titicacasees den Chinarindenbäumen eine besonders eingehende Untersuchung. Nachdem er 1847 Arequipa am Stillen Ozean erreicht hatte, ging er nochmals über die Kordilleren ins Innere nach La Paz zurück. Eine Frucht dieser Reisen war die Entdeckung der Cinchona Calisaya, welche die bis auf die neueste Zeit am höchsten geschätzte Fieberrinde liefert. Nach seiner Heimkehr schrieb W. „Histoire naturelle des Quinquinas“ (Par. 1849; deutsch, Wien 1865), das erste eigentlich wissenschaftliche Werk über die Cinchonen und ihre Rinden. Einige Pflänzchen der Calisaya, in Paris aus Samen gezogen, welchen W. mitgebracht hatte, wurden 1851 nach Java gesandt. Mittlerweile hatte W. am Pariser Museum Stellung gefunden; er bearbeitete die Ausbeute seiner Reise in der „Chloris andina“ (Par. 1855–64, 2 Bde.) und einer Monographie der Urtikaceen (das. 1856). 1856 bereiste er die Pyrenäen, deren Flechtenflora er mit Nylander durchforschte, und 1861 siedelte er nach Poitiers über. Die inzwischen in Indien durchgeführte Kultur der Chinabäume veranlaßte W. 1870, eine Übersicht der darauf bezüglichen Resultate seiner Forschungen in den „Notes sur les Quinquinas“ (deutsch von Flückiger, Basel 1870; engl. von Markham) zusammenzustellen. Im deutsch-französischen Krieg nahm W. als Arzt und Soldat teil an der Landesverteidigung und legte dadurch den Keim zu der Herzkrankheit, welcher er 1877 erlegen ist.