MKL1888:Zend

[867] Zend (Zendsprache), die Sprache, in welcher die heiligen Schriften der alten Iranier, der Zendavesta, abgefaßt sind. Eigentlich bedeutet Z. „Kommentar“ (s. Zendavesta); es wird auch „Avestasprache“ genannt oder „Altbaktrisch“, weil es wahrscheinlich in Baktrien gesprochen wurde. Am nächsten ist das Z. mit dem Sanskrit einerseits, mit dem Altpersischen, der aus den Keilinschriften bekannten Sprache der Achämenidenkönige, anderseits verwandt. Es hörte wahrscheinlich schon mehrere Jahrhunderte v. Chr. auf, eine lebende Sprache zu sein, und wurde durch das Pehlewi verdrängt. Einen direkten Nachkommen des Z. glaubte Fr. Müller in dem Puschtu, der Sprache der modernen Afghanen, zu erblicken; wahrscheinlicher hat man aber im Z. nur die älteste Schwester, nicht die Mutter der modernen iranischen Sprachen (s. d.) zu sehen. Von dem gewöhnlichen Z., wie es in dem größten Teil des Zendavesta vorliegt, finden sich einige Abweichungen in der Sprache der ältesten Teile desselben, der sogen. Gâthâs, wonach man in der letztern einen ältern Dialekt vermuten muß. Wie für die vergleichende Grammatik und Etymologie der übrigen iranischen Sprachen, so ist das Z. auch für das weitere Gebiet der indogermanischen Sprachen von großer Bedeutung als die nächst dem Sanskrit altertümlichste Sprache dieses Sprachstammes; in manchen Punkten überragt es sogar das Sanskrit an Altertümlichkeit, z. B. in betreff der Ablativformen, die im Z. noch von den meisten Substantiven gebildet werden können. Vgl. Justi, Handbuch der Zendsprache (Leipz. 1864); Spiegel, Grammatik der altbaktrischen Sprache (das. 1867); Jolly, Ein Kapitel vergleichender Syntax (Münch. 1872); Bartholomä, Das altiranische Verbum (das. 1878); Harlez, Manuel de la langue de l’Avesta (2. Aufl., Par. 1881); Geiger, Handbuch der Avestasprache (Erlang. 1879).