MKL1888:Zinnguß

[925] Zinnguß zur Herstellung von Kelchen, Pokalen, Töpfen, Tellern, Schüsseln etc. wurde seit dem 13. Jahrh. geübt, wo die Entdeckung von Zinnlagern im Erzgebirge das Material leichter zugänglich machte. Später wurden auch Kirchengeräte aus Zinn gegossen, und im 15. Jahrh. war der Z. Ersatz für die Arbeiten der Silberschmiede. Zinngeschirr aus dem Mittelalter hat sich nicht erhalten. Die wenigen Pokale und Krüge in gotischen Formen, die auf uns gekommen sind, gehören dem 16. Jahrh. an, in welchem der Z. besonders im westlichen Deutschland, in Schlesien und in der Schweiz betrieben worden ist. Am zahlreichsten haben sich Zunftpokale und Schleifkannen, welche mit eingravierten Darstellungen (meist Heiligenfiguren) und mit aufgesetzten plastischen Figuren, Ornamenten und Wappen verziert sind, Schüsseln und Teller, deren Ränder mit Medaillons (Apostel- und Kurfürstenbilder) und deren Mitte mit figürlichen Darstellungen oder Arabesken versehen sind, erhalten. Der Guß der Trinkgefäße scheint in Sand- oder Gipsformen, der von Tellern und Schüsseln in Formen von Metall oder Kelheimer Stein erfolgt zu sein. Der hervorragendste Zinngießer der Renaissancezeit war Caspar Endterlein aus Basel (gest. 1633 in Nürnberg), welcher zuerst Hängeleuchter aus Zinn verfertigt haben soll. Zinnerne Zunftkannen, Teller und Gebrauchsgeschirr wurden noch im 18. Jahrh. gefertigt, dann aber durch Glas-, Thon- und Porzellanwaren verdrängt. Am längsten hat sich das Zinngeschirr in England erhalten, wo noch heute Bier aus zinnernen Bechern getrunken wird. Auch in Belgien sind Zinnpokale zum Ausschank des englischen Biers (stout) gebräuchlich. In der orientalischen und asiatischen Kunstindustrie findet das Zinn noch heute eine umfangreiche Anwendung, einerseits zur Herstellung von Schüsseln, Becken, Kannen, Lampen, Leuchtern etc., anderseits zu einem dekorativen Zweck, indem kupferne Gefäße mit Zinn überzogen werden und der grauweiße Überzug mit ornamentalen Gravierungen versehen wird, so daß der rote Untergrund sichtbar wird und die Linien des Ornaments bildet. Vgl. Bapst, Études sur l’étain (Par. 1884); Bucher, Geschichte der technischen Künste, Bd. 3 (Stuttg. 1886).