Meißner Künstler:Bernhard Mannfeld
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[58] Bernhard Mannfeld[1] ist in Dresden den 6. März 1848 geboren; seine Kinderjahre verlebte er im Hause seines Großvaters, des Zeichenlehrers und Malervorstehers Scheinert (s. w. u.) in Meißen. Unsere Stadt hat er immer als seinen eigentlichen Heimatsort betrachtet, an dessen krummen und winkligen Gassen, an dessen mächtigem Schlosse und tiefernstem Dome, wie er selbst bekennt, sein liebstes Erinnern haftet, der Zauber sorgloser Jugendzeit. Der Orientmaler Georgi, welcher längere Zeit in Meißen lebte, hielt ihn zuerst an nach der Natur zu zeichnen. Seiner Neigung zur Kunst konnte er infolge mancherlei Mißgeschicke nicht sogleich folgen; er mußte als Zimmerling lernen und in Dresden des Tags auf dem Bau arbeiten oder sich auf der Baugewerkenschule für den aufgezwungenen Beruf heranbilden. Die Kriegsunruhen 1866 unterbrachen diese Thätigkeit und führten ihn in das großväterliche Haus nach Meißen zurück. Elend und hoffnungslos, an seiner Zukunft verzweifelnd, wanderte er ohne ernste Thätigkeit in den Gassen der Stadt umher, suchte seine altvertrauten Lieblingsplätze wieder [59] auf, oder schaute träumerisch von den Hügeln ringsum auf die Türme und Giebel. Mehr und mehr erschloß sich ihm dabei der reiche malerische Reiz von Stadt und Land; er griff zum Stift und zur Zeichenfeder und es entstanden die 24 Meißner Skizzen in Federzeichnungen (Dresden, Verlag von Gilbers). Mit noch wenig geübter Hand und doch bereits mit nicht geringer Sicherheit des Strichs treu hingezeichnet, verraten sie deutlich den hochbegabten Autodidakten, der ohne regelrechten künstlerischen Unterricht sein scharfes Auge fast ausschließlich durch fleißiges Betrachten von Kupferstichen und Holzschnitten gebildet und vor allem die Kompositionen Ludwig Richters seinem Gedächtnisse fest eingeprägt hat. Diese erste Arbeit half ihm nicht blos über seine Sorgen hinweg, sondern führte ihn auch in das Seilersche Institut für Glasmalerei in Breslau, wo er neben der Arbeit in der Werkstatt seine Zeichenstudien fortsetzte. In dem Grafen von Hoverden fand er einen Gönner. Fünf Jahre lang bereiste er in dessen Auftrag die Provinz Schlesien, um für die gräfliche Sammlung hunderte von alten Grabsteinen zu zeichnen. Diese Arbeit hatte für ihn das Gute, daß sich sein Talent für eine blos durch den Strich und durch den Gegensatz von Licht und Schatten wirkende Darstellungsweise entwickelte. Um diese Zeit machte Mannfeld auch die ersten Versuche mit der Radiernadel. Sie gelangen, und schon in wenig Jahren hatte er der neu aufblühenden Technik eine allgemeine Teilnahme erworben. Grundlegend dafür wurde sein Prachtwerk: Durchs deutsche Land. Malerische Stätten aus Deutschland und Österreich in Originalradierungen. 2 Bände. 1877 und 1878. Es ist ein Werk des eingehendsten Fleißes und des sichtbaren Fortschrittes. Daneben zeichnete er für die Illustrierte Zeitung, für Gartenlaube, Daheim, Über Land und Meer die verschiedensten Dinge auf Holz. Die Illustrierte Zeitung entsendete ihn 1873 auf die Weltausstellung nach Wien. Zurückgekehrt nahm er seinen festen Wohnsitz in Berlin, wo er seitdem sein künstlerisches Schaffen entfaltet hat. Die nachfolgenden Radierungen Mannfelds Moritzburg, Bingen, Bacharach, das 1880 entstandene vorzügliche Blatt des vollendeten Kölner Doms mit seiner Fülle architektonischer Details und die in großen Zügen komponierte Landschaft des Rheingrafensteins bei Kreuznach (1881) erwarben ihm wie im Fluge Gunst und Anerkennung in den weitesten Kreisen. Daran schlossen sich 1882 Köln und Heidelberg mit ornamentaler Umrahmung. Als Gegenstück zu Rheingrafenstein folgte „Die Loreley“, ein Blatt, in welchem infolge des ernsten Studiums der Menzelschen Kunst in der Art der Behandlung eine vollständige Änderung [60] sich zeigte. Nach der Vollendung desselben wurde ihm von einer Kunsthandlung der Auftrag, ein Bild vom Staatssekretär Dr. Stephan in halber Lebensgröße zu radieren; die Züge sind in Form und Ausdruck treffend wiedergegeben. Sehr graziös und geistreich sind die „Berliner Briefe“, Radierungen, welche den Kopf und zum Teil den seitlichen Rand von zwölf Briefbogen schmücken. Eine seiner reifsten Arbeiten ist das prächtige Blatt „Der Meißner Dom“ in ruhevoll ernster Winterstimmung. Dasselbe wurde von der Berliner Akademie in verdienter Weise ausgezeichnet, wie es auch Anerkennung im Salon zu Paris fand. „In dem geschlossenen charaktervollen Ausdruck der eigenartigen Stimmung steht die Komposition dieses Blattes auf derselben Höhe, wie in der klaren und einfachen Gliederung und Zusammenfassung der Massen, in der Durchführung der grau verhangenen schweren Winterluft, die sich über die Landschaft breitet, und in der gediegenen, bei aller Breite des Vortrags im einzelnen sorgsam vollendeten Behandlung der gesamten Arbeit. Die Poesie, die das Bild atmet, wirkt nicht minder echt, als die romantisch angehauchte der ersten künstlerischen Anfänge, die ihre Motive demselben Boden entnahmen; aber es ist das abgeklärte, in sich gefestigte Empfinden des reifen Mannes, das uns hier entgegentritt und mit voller Kraft festhält.“ Dem Meißner Dom folgten das Breslauer Rathaus, die Marienburg, die Gräber der Mannsfelder, das Innere des Freiberger Domes, die Grabstätte Friedrichs des Großen, der lange Markt und der Artushof in Danzig, der Dom zu Limburg an der Lahn, ebenso wie der Meißner Dom ein Architekturbild ersten Ranges, eine Landschaft aus der Mark, die Kurfürstenbrücke in Berlin, Schloß und Dom von Merseburg, der Erfurter Dom. Dazwischen erschienen 15 Blätter Rheinlandschaften, Kabinetstücke der Radierung. Im schattigen Klostergarten zu Heisterbach hatte Mannfeld vor langer Zeit schon den Plan gefaßt, die Herrlichkeiten des Rheines zusammenzufassen und ihm ein Werk zu widmen. Neuerdings hat er die Aufbahrung Kaiser Wilhelms im Berliner Dom radiert. Das Blatt wurde vom Kaiser Friedrich, der immer ein Gönner des Künstlers gewesen war und ihn auch durch die goldne Medaille ausgezeichnet hat, dem Hohenzollernmuseum überwiesen, und die verw. Kaiserin Augusta ließ ihm ihren besonderen Dank noch kund thun. Neuerdings hat Mannfeld die Wartburg in Vorbereitung, welche ähnliche Darstellung finden soll, wie die Radierungen Heidelberg und Köln.
An diese selbständigen Arbeiten Mannfelds schließen sich noch eine große Zahl Radierungen nach Gemälden von [61] Watteau, Hertel, Scherres, Klever und vor allen von Adolf Menzel; unter ihnen sind die nordische Strandscene von Hertel, die welken Blätter von Klever und das Eisenwalzwerk von Menzel besonders hervorzuheben. Eine Anzahl von Radierungen erfolgte im Auftrage des preußischen Staates, der Zeitschrift für bildende Kunst u. s. w.
Mannfeld hat in reichem Maße die Gunst weiter Kreise sich erworben, wie er auch mehrfach fürstliche Auszeichnungen erhalten hat. Er steht jetzt in der Vollkraft seines Schaffens, und es ist zu erwarten, daß noch viele künstlerische Schöpfungen seinen früheren sich anreihen werden.
- ↑ Aus dem Aufsatze Fendlers: Bernhard Mannfeld. Ein deutscher Radierer, in der Frankfurter Zeitung 1884. nr. 356; vgl. auch Bonner Zeitung und den Sonderabdruck derselben 1885. Nationalzeitung 1888. nr. 260. 1. Beiblatt. Lützow, Zeitschrift 18, 405. 19, 64. 104; dazu Beiblatt 1875. S. 149. 1877. S. 789. 1879. S. 189. 1881. S. 341. 1883. S. 142. 1888. S. 266. Lützow und Pabst, Kunstchronik 22. Jahrg. nr. 9. Allgemeine Zeitung 1888. nr. 120. Außerdem eigene Mitteilungen des Künstlers.