Meißner Künstler:Ernst Sigismund Kirchbach

Hermann Karl Kersting Lebensläufe Meißner Künstler (1888) von Wilhelm Loose
Ernst Sigismund Kirchbach
Gottlieb Kirchner
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[48] Ernst Sigismund Kirchbach,[1] Historienmaler und Direktor del Academia de las pinturas in Santiago, wurde am 23. April 1831 zu Meißen geboren. Sein Vater bekleidete die Stelle eines Briefträgers in Meißen. Sein Oheim, der Porträtmaler Köhler (s. w. u.) erteilte ihm den ersten Zeichenunterricht und setzte es durch, daß er nach Dresden auf die Akademie geschickt wurde. Später trat er in das Meisteratelier Schnorrs von Carolsfeld ein. Hier wurde er als junger Mann von 20 Jahren schon mit der Ausschmückung des Rubenssaales der damals im Bau begriffenen Gemäldegalerie betraut. Ende 1856 verließ Kirchbach Dresden und ging nach England. In London stand er mit Kinkel, Freiligrath, Ronge u. a. in regem Verkehre, der auf ihn mächtig fördernd wirkte. Er malte damals u. a. eine „Flucht nach Ägypten“, welche in der Royal Academy allgemeinen Beifall fand, einen „Othello“ und den ersten Entwurf zur „Lady Macbeth“. 1860 nach Dresden zurückgekehrt, malte er eine [49] „Ophelia“, später eine Kreuzigung von vorzüglicher Wirkung, für eine Kirche in Rußland bestimmt. Außerdem entstand eine Anzahl prächtiger Vignetten zu deutschen Volksliedern und viele Illustrationen. 1864 lieferte er zur Ausschmückung der Dresdner Sängerhalle eine Anzahl gewaltig großer Transparente: das Volkslied u. s. w., welche durch ihre mächtige Kompositionsweise allgemein ansprachen. Dieselben erschienen später als Sammelwerk von Professor Bürkner in Holz geschnitten. Hierauf folgte eine figurenreiche Komposition in größten Dimensionen, „Moses am Brunnen“, für die Kapelle eines reichen amerikanischen Fabrikbesitzers. Ein bilderreicher Cyklus zur Aeneide füllte die nächsten Jahre aus, ebenso vier große Sgrafittofriese aus der griechischen Göttersage an einer Villa in Dresden. Die Kartons dazu sind im Besitze des Herrn Architekt Beirus. Im Februar 1869 starb die Gattin des Künstlers – ein schwerer Schlag, der auf sein weiteres Leben von großem Einflusse war, indem er sich von seinen Freunden bereden ließ, eine Stellung in Santiago als Akademiedirektor anzunehmen. Die daselbst gänzlich vernachlässigte Akademie brachte er rasch wieder empor. Er ließ in Italien von den tüchtigsten Kräften Kopien nach den besten Werken der alten Meister anfertigen und schuf, unterstützt durch die Regierung, eine große Sammlung von schönen Originalabgüssen antiker Bildwerke; auch erreichte er es, daß seinen bessern Schülern hohe Stipendien zu Studienreisen nach Paris und Italien verliehen wurden. In siebenjähriger segensreicher Thätigkeit als Lehrer ließ er es doch nicht an eigenem Schaffen fehlen. Es entstanden „Prinzessin Lamballe vom Pöbel geschleift“, die endliche, große Ausführung der „Lady Macbeth“, eine zweite Komposition zu Othello, eine zweite Ophelia, eine reizende Komposition aus: Was Ihr wollt: „Viola von Olyphia zurückgehalten“, eine große Arbeit „Irrlichter streuen Gold aus“ nach Goethe, ein „Richard III. und Königin Anna“. Ferner eine große Anzahl Heiligenbilder für Kirchen und Klöster; besonders gerühmt wurde eine „Madonna unter Rosen“. Für die Stadt Santiago malte er das neue große Theater, sowie ein städtisches Bad aus. Den Abschluß seiner Thätigkeit in Chile bildete ein Cyklus von Porträts der Präsidenten der Republik und eine figurenreiche Komposition „Frankfurt a/O. wird von der Pest entsetzt“. Im Jahre 1876 ging Kirchbach nach Deutschland zurück, um seine Kinder wiederzusehen. Er ließ sich in Striesen nieder, starb aber plötzlich daselbst schon nach einem Vierteljahre, am 16. August 1876. Mit der Palette in der Hand wurde er tot vor seinem Bilde gefunden.


  1. Nach Mitteilungen seines Sohnes, des Herrn Historienmaler Kirchbach in München.