Meißner Künstler:Georg Friedrich Kersting

Christian Heinrich Kändler Lebensläufe Meißner Künstler (1888) von Wilhelm Loose
Georg Friedrich Kersting
Hermann Karl Kersting
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[46] Georg Friedrich Kersting[1] wurde zu Güstrow in Mecklenburg am 22. Oktober 1783 geboren. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt. Talent und Neigung für die Kunst führten ihn auf die Akademie der bildenden Künste nach Kopenhagen. Nach einigen Jahren ging er zu weiterer Ausbildung nach Dresden. In den Künstlerkreisen daselbst lernte er 1811 oder 1812 auch die Malerin Louise Seidler kennen, welche in ihren Lebenserinnerungen von seinem wirtschaftlichen und künstlerischen Leben anmutig zu erzählen weiß. Er beschäftigte sich damals besonders mit Porträtieren und liebte es, [47] die Personen in ganzer Figur auf mäßig großen Holztafeln zugleich mit dem Innern ihrer Behausung abzubilden. So stellte er die beiden Maler Gerhard von Kügelgen und Friedrich in ihren Ateliers dar. Kersting befand sich damals in Dresden in sehr bedrängter Lage. Um ihm zu helfen, wendete sich Louise Seidler an den ihr befreundeten Goethe, schilderte diesem die bedrängte Lage des Künstlers und sendete dann auf dessen Wunsch einige Bilder Kerstings nach Weimar, u. a. „Der elegante Leser“ und „Die Stickerin“ (ein Porträt der Seidler). Goethe gedenkt auch Kerstings und dieser Bilder in den Tag- und Jahresheften (Hempel 27, 210), sowie im Anfange des 15. Buches von Dichtung und Wahrheit. Allein die Gemälde fanden keine Käufer mit Ausnahme der Stickerin, welche der Herzog Karl August erwarb. Um erfolgreich zu unterstützen, veranstaltete Goethe eine Lotterie, die auch unter seiner Leitung zu stande kam. Ausführliches darüber findet sich in den erwähnten Lebenserinnerungen. Während der Verhandlungen befand sich Kersting schon nicht mehr in Dresden. Die allgemeine Begeisterung hatte auch ihn als Freiwilligen in das Lützowsche Corps geführt, bei dem er mit Theodor Körner, mit Friesen und Friedrich Förster eng befreundet wurde. In dem siegreichen Treffen an der Görde im September 1813, in welchem Eleonore Prohaska den Heldentod starb, war Kersting der erste, der die feindliche Haubitze erreichte. Als Offizier und als Ritter des eisernen Kreuzes, sowie des russischen St. Georgenordens kehrte er zurück. Ein ehrenvoller Ruf einer[WS 1] fürstlichen Familie führte ihn darauf nach Warschau, wo er während eines mehrjährigen Aufenthaltes eine große Zahl historischer Bilder vollendete. 1818 wurde er als Malervorsteher an der Meißner Porzellanfabrik angestellt, und damit eröffnete sich ihm ein erweiterter Wirkungskreis, welcher freilich auch die Freiheit seines eigenen künstlerischen Schaffens beeinträchtigte. Ein erhöhter Kunstgeschmack hinsichtlich der Formen, der Zeichnung und der Zusammensetzung der Farbengebung ist Kerstings Verdienst an der Manufaktur; vor allem aber dankte dieselbe ihm die Lösung der bis dahin unausführbar gebliebenen Aufgabe, die Vergoldungen in gleicher Wohlfeilheit und ebenso dauerhaft wie andere Fabriken zu liefern. Er verwendete reines Dukatengold und stellte die Fabrikate um die Hälfte des früheren Preises her. Eine der besten Arbeiten, welche nach seiner Angabe vollendet wurde, war ein prachtvolles Tafelservice (120 Gedecke), ein Ehrengeschenk des Königs Friedrich August an den Herzog von Wellington. Die bildlichen Darstellungen darauf waren Schlachtenscenen aus den [48] ruhmvollen Feldzügen Wellingtons. Was seine eigene künstlerische Thätigkeit betrifft, so entstanden eine Reihe Genrebilder, welche in Privatbesitz übergingen. Kinderköpfe oder Scenen aus dem Kinderleben gelangen ihm vorzüglich und manche derselben haben durch Stich und Holzschnitt eine weite Verbreitung gefunden, wie jene lieblichen Bilder „Kinder aus einem Fenster nach dem Weinlaube sehend“ und „Kinder mit Seifenblasen“.

Seit 1818 war Kersting mit der Tochter des Hofpostmeisters Sergel aus Dresden verheiratet. Ludwig Richter verkehrte viel in der allgemein geachteten Familie, in welcher Einfachheit der Sitte und teilnehmendes, geistiges Leben in schönem Verein anzutreffen war. Ein erwachsener Sohn, der sich in Meißen als Arzt niedergelassen hatte, starb 1844 noch bei Lebzeiten des Vaters. Die Manufaktur ließ diesem ein Trauergedicht überreichen, welches den noch lebenden Professor Milberg zum Verfasser hatte. Kersting folgte ihm im Tode am 1. Juli 1847.


  1. Uhde, Erinnerungen und Leben der Malerin Louise Seidler 1875. S. 46, 47, 88—90, 121. Goethes Werke a. a. O. v. Biedermann, Goethe und Dresden 1875. S. 29, 118. Ad. S., Geschichte des Lützowschen Freikorps 1826. S. 105. Förster, Befreiungskriege 1, 857. Trauregister der Stadtkirche 1818. Ludwig Richter, Lebenserinnerungen. S. 303, 304. Cottasches Kunstblatt 1847. 8. 256 u. f. Meißner Wochenblatt 1847. nr. 58. Müller, die Künstler aller Zeiten und Völker 2, 478. Nagler, 6, 533 (ganz dürftig) nennt ihn fälschlich Karsting.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage iner. Fehlendes Zeichen, wurde sinngemäß durch "einer" ersetzt