Meißner Künstler:Johann Georg Wagner
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[90] Johann Georg Wagner,[1] beider Sohn, ist den 26. Oktober 1744 in Meißen geboren. Er kam frühzeitig nach Dresden, wo er bei seinem Oheim Dietrich Unterricht im Zeichnen hatte. Als Joseph Roos Professor an der Dresdner Akademie geworden war, beabsichtigte Wagner bei diesem sich weiter auszubilden; allein Roos, erstaunt über dessen Fertigkeit und Begabung, erklärte, er wisse ihn nichts mehr zu lehren. Seitdem arbeitete der junge Künstler vielfach bei Roos, der ihm seine Landschaften in Gouache höher als andere bezahlte. Die Bilder Wagners gehörten seiner Zeit zu den gesuchtesten; es war geradezu Modesache geworden, von ihm Zeichnungen, für deren eine bis zu elf Louisd’or bezahlt wurden, oder Bilder zu besitzen, besonders auch in Paris, wo Hutin sie bekannt gemacht hatte. Goethe erzählt, daß die Gebrüder Hackert seine Gouachelandschaften als einträglich nachahmten. Klengel war ein begeisterter Verehrer Wagners und pflegte ihn den Rafael der Landschaftsmalerei zu nennen, dessen zartes und jungfräuliches Gefühl durch den Pinsel auf die Landschaft übergegangen sei. Während seiner kurzen Lebenszeit hat Wagner in unermüdlichem [91] Fleiße außerordentlich viele Bilder gemalt. Eine größere Anzahl nahm Professor Roos mit nach Wien; sie gelangten später in den Besitz eines Nürnberger Kunsthändlers. Aus dem Nachlasse Hagedorns, des Bruders des Dichters und Generaldirektors der Kunstsammlungen in Dresden, kamen viele nach Dänemark. Auch Klengel und Zingg hatten gesammelt. Sehr viele Zeichnungen Wagners sind durch den Stich vervielfältigt worden. Eine Aufzählung dieser zahlreichen Stiche und Radierungen von Holzmann, Weisbrodt, Daudet, Guttenberg, Darnstedt, Thiele, Frey, Balzer, Prestel, Helmann, Großmann, Thornert, Aliamet, Matthieu, Piquenot, Laurin, Schwarz, Boetius, Richter, Schallhas, Thirschky, Zingg, Schumann u. a. kann hier nicht gegeben werden, ebensowenig wie eine Aufzählung der Bilder. Die große Zahl dieser deutschen und französischen Kupferstecher beweist wenigstens die Beliebtheit der Wagnerschen Bilder. Die Verzeichnisse der Stiche bei Füßli und Nagler sind keineswegs zuverlässig, und viele derselben sind jetzt so große Seltenheiten, daß eine Bestimmung nach den Originalen fast unmöglich ist. Ähnlich verhält es sich mit den eigenhändigen Radierungen Wagners, von denen Nagler neun anführt, Andresen vier. Für Meißen bemerkenswert sind: „I–IVme Vue des Environs de Meißen. Peint à Gouache par Jean George Wagner. Gravé à l’Eauforte par Weisbrodt et terminé au burin par R. Daudet. A Paris chez Wille Graveur du Roi.“ Und: „I–VIme Vue des Environs de Meißen en Saxe. J. G. Wagner pinx: J. A. Darnstädt sc. Se vend à Dresde chez Jean Gabriel Möller“. Sämtliche 10 Kupferstiche sind Ideale.
Im Jahre 1765 wurde Wagner Pensionär der Dresdner Akademie mit 200 Thaler Besoldung und zugleich Unterlehrer an derselben. Das Jahr darauf sollte er auf landesherrliche Kosten eine Studienreise unternehmen. Er begab sich nach Meißen, um sich von seinen Eltern zu verabschieden, und bei ihnen in der Lorenzgasse im jetzt Wittigschen Hause starb er plötzlich an den Folgen einer Erkältung am 14. Juni 1767, kaum 23 Jahre alt, allgemein tief betrauert. Auf St. Wolfgang wurde er bestattet. Hagedorn war untröstlich über seinen Verlust. Unter den aus Meißen gebürtigen Künstlern nimmt er eine hervorragende Stelle ein. Mit Recht sagt Huber von ihm: „Derselbe hat bei seinen Lebzeiten nicht alle des Ruhmes genossen, der ihm gebührte.“
- ↑ Taufregister von St. Afra z. g. J. Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften 1, 160. 4, 353 u. f. Meusel, Neue Miscellaneen artistischen Inhalts 1795. 1. St. S. 102 u. f. Daßdorf, Beschreibung Dresdens 1782. S. 658. Hasche, Beschreibung von Dresden 2. Bd. Füßli, Künstlerlexikon 2, 4070 u. f. Nagler 21, 61 u. f. Andresen, Handbuch für Kupferstichsammler 2, 697. Müller, die Künstler aller Zeiten und Völker 3, 825. v. Biedermann, Goethe und Dresden. S. 128. Totenbuch der Stadtkirche z. g. J. Racknitz, Skizze einer Geschichte der Künste in Sachsen 1811. S. 79 (ebenfalls falscher Geburtsort). Quandt, Verzeichnis von Gemälden etc. 1824. S. 23.