Meißner Künstler:Otto König
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[50] Otto König[1] wurde am 28. Januar 1838 in Hintermauer [51] bei Meißen geboren. Sein Vater, der 1850 starb, war Mehlhändler. Nachdem er die afranische Volksschule besucht hatte, kam er 1852 zum Lithograph Steinmetz in die Lehre. 1854 trat er in die Zeichenschule der Manufaktur über, an der er unter der Leitung Müllers d. ä. und Leuteritzens sich ausbildete. Zwei Jahre darnach fand er Aufnahme in der Gestaltungsbranche. Seine ungewöhnliche Begabung und seine persönliche Neigung führten ihn nach und nach der Plastik zu, und durch die thatkräftige Unterstützung eines Freundes seines verstorbenen Vaters, des Aktuars Liesche, wurde es ihm möglich, 1860 die Akademie in Dresden zu besuchen, wo er gleich in dem Aktsaale Aufnahme fand. Nach Beendigung der akademischen Studien empfahl ihn Rietschel, der ihn in sein Atelier wegen seiner Kränklichkeit nicht mehr aufnehmen konnte, persönlich an Professor Hähnel. Bevor er noch in dessen Atelier eintrat, hatte er bei seinem Freunde, dem Bildhauer Schwenk, zwei Reliefs aus dem Leben der Genofeva komponiert und modelliert. Die drückende Lage, in welcher sich König bei seiner Mittellosigkeit befand, wurde ihm durch freundliche Unterstützungen einiger Gönner wesentlich erleichtert. Medicinalrat Dr. Lehmann, Cafetier Torniamenti, Maler Georgi und der Ökonom Braune, dessen Tochter König später heiratete, nahmen sich seiner besonders an. Eine Anzahl akademischer Preise waren bald der Lohn seiner Begabung und seines eisernen Fleißes in Hähnels Atelier. Es entstanden eine Genofevagruppe, die Evangelisten Johannes und Matthäus für die Kirche in Rochlitz und die Sophienkirche in Dresden, ein Relief „Der Fischer“, die Porträts des Professors Adolf Peters in Meißen, seiner Mutter daselbst, des Malers Georgi, des Medicinalrates Dr. Lehmann, des Cafetiers Torniamenti und des Kastellans Löhnert, ferner das Reliefporträt der Gemahlin des Generaldirektors Tschirschky und die Porträtstatue von dessen Tochter. Bei Fertigung eines für Wien erworbenen Tafelaufsatzes wurde der Künstler mit Cornelius bekannt, der sich sehr für seine Arbeiten interessierte. 1865, nach einer sehr schweren Krankheit, modellierte er die „lehrenden Musen“, sieben kleine Gruppen, und 1866 im kleinen Stübchen seiner Mutter in Meißen die „Poesie, dem Amor das Leierspiel lehrend“. Durch diese Arbeiten errang er sich den Preis der Tiedgestiftung und einen Studienbeitrag der Akademie, wodurch ihm die Reise nach Rom ermöglicht wurde. Im Frühjahr 1867 kam er daselbst an und richtete sich bei der Piazza Barbarini ein bescheidenes Atelier ein; es entstanden daselbst u. a. zwei Gruppen, „Ma chè“, „Venus mit Amor schmollend“ und „Euterpe Flötenspiel lehrend“. Während des Aufenthaltes [52] in Rom hatte der Maler Josef Franke ohne Wissen Königs dessen sämtliche Gruppen an das Pester Museum in Wien zur Ausstellung geschickt. Dadurch war der Hofrat Ritter von Eitelberger auf den Künstler aufmerksam geworden und hatte diesen für eine Professur an der neu zu gründenden Wiener Kunstgewerbeschule vorgeschlagen. Der Kaiser genehmigte die Berufung Königs und so verließ dieser Italien und kam nach einer Studienreise durch Frankreich, Belgien, Holland und Deutschland 1868 in Wien an. Arbeiten seiner ersten Zeit daselbst sind ein Schmuckkasten, Bronzeleuchter und Tafelaufsatz für den Kaiser, „der ideale und reale Genuß“, ein Tafelaufsatz für Baron Erlanger, ein kerzentragender Engel für eine Kirche in Buenos Ayres, 36 verschiedene Reliefmedaillons: Architekten, Maler und Bildhauer für Majolika an die Fassade des K. K. österreichischen Museums, zwei Gruppen, „Wasser und Wein“ darstellend, welche Meister Schwinds besonderen Beifall errangen, eine lebensgroße Victoria in Bronze und das überlebensgroße Reliefporträt des Kaisers Max von Mexico für das Denkmal in Pola, ein Springbrunnen in Bronze für eine Wiener Firma u. a. Für seine 1869 auf der Münchener Ausstellung befindlichen Arbeiten erhielt er vom König Ludwig die große goldne Medaille und in Paris später die große silberne; auch in Österreich erkannte man seine Verdienste 1873 durch Verleihung der großen Kunstmedaille und des Franz-Josefsordens an. Im genannten Jahre unternahm er im Auftrage des Ministeriums eine Reise nach Tirol und Italien. Während er fern war, wurde ihm seine Familie, Frau und drei Kinder, durch die damals in Wien herrschende Cholera entrissen; sein tragisches Geschick rief allgemeine Teilnahme hervor. In der Kunst suchte und fand er Trost in jener schweren Zeit. Für die Seinen fertigte er ein Denkmal, als Charitas gedacht, auf dem evangelischen Friedhofe in Wien. – In Wien hatte sich König in zwölf Jahren vollständig in die Kunstindustrie eingelebt und war für sie eifrig eingetreten. Als manche seiner Erwartungen sich nicht erfüllten, insbesondere die gehofften Aufträge ausblieben, bestellte in unwiderstehlichem Schaffensdrang der Künstler, wie er sagte, bei sich selbst. Eine Menge Entwürfe, größere und kleinere Arbeiten entstanden und in rastloser Thätigkeit fand er die Heiterkeit wieder, die der Grundzug seines Wesens und seines Schaffens ist. Zehn lebensgroße Reliefs für die kaiserlichen Hofmuseen und vier dergleichen für das Hofburgtheater entstanden; vor allem ist aber aus der Zeit nach 1880 die schöne Gruppe aus carrarischem Marmor „Venus und Amor“ (Liebesgeheimnis) zu nennen, die Frucht [53] fünfjährigen Fleißes. Für dieses Werk ersten Ranges erhielt er 1884 den Reichelpreis auf der Jahresausstellung im Künstlerhause; für diesen konnte er zwei Studienreisen nach Italien unternehmen, wohin die Sehnsucht ihn lange wieder gezogen hatte. Unter dem Eindrucke der erschütternden Katastrophe des Ringtheaterbrandes 1881 entstand seine Skizze für ein Denkmal „Die drei Menschenalter im Tode vereinigt durch den Engel des Friedens“ – eine Komposition von ergreifender Wirkung. Dieser reihten sich andere ernste kirchliche Arbeiten an, wie das Denkmal seiner Mutter auf dem St. Wolfgangskirchhof in Meißen, eine Madonna aus Marmor für Nazareth im Auftrage des Kaisers, für eine adlige Dame in Russisch-Polen vier überlebensgroße Figuren in ein Mausoleum ihrer Familie, der herrliche, an die schönsten Schöpfungen italienischer Renaissance erinnernde, aber doch echt deutsch aufgefaßte Weihebrunnkessel für das österreichische Museum, außerdem noch eine große Zahl Votivtafeln und Reliefporträts, darunter das seiner zweiten Gattin und seines Sohnes, sowie seines Schwiegervaters Sanitätsrat Dr. Lorinser. Aus der großen Zahl von Skizzen und Entwürfen verdient noch die Gruppe einer Liebessymphonie in vier Teilen Erwähnung (s. die Abbildung in der Kunst für Alle 1. Jahrgang 17. Heft), in welcher der Humor der Künstlers sich reizvoll darstellt. Die heitere Seite seiner Kunst wendet sich vielfach auch Brunnenmotiven zu, – zahlreiche, von einer unversiegbaren Phantasie Zeugnis gebende Entwürfe wurden vor einigen Jahren in Wien und München ausgestellt. Eine der Skizzen hatte das besondere Wohlgefallen der Königin von Württemberg gefunden und wurde von ihr zur Ausführung bestellt. Der Brunnen – aus Bronzeguß – soll in Stuttgart auf dem Königsplatze Aufstellung finden (Abbildung in der allgemeinen Kunstchronik von Lauser 11. Bd. nr. 24).
„Professor König nimmt unter den zahlreichen und bedeutenden Bildhauern Wiens unstreitig eine erste Stelle ein. Mit einer echten, lebhaften Künstlernatur, mit einer reichen, unermüdlichen Phantasie und rüstigster Arbeitskraft, mit feinem Formensinn und warmem Gefühle ausgestattet schafft er seine herzerfreuenden Gebilde. Fast alle zeichnen sich durch poetische, oft ganz eigenartige Auffassung, glückliche Anordnung, schöne Bewegung, feine Durchbildung, Anmut und Innigkeit vorteilhaft aus. – Der eigentümlichen, neuromantischen Richtung, welcher Professor König hingegeben ist, kommt die mehr malerische Behandlung der gewählten Vorwürfe eher zu statten, als daß sie ihr schadet.“ Ebenso erfolgreich als seine Künstlerlaufbahn ist seine Thätigkeit als Lehrer an der Kunstgewerbeschule; viele [54] seiner Schüler sind nunmehr selbst Lehrer an Fachschulen und Leiter kunstgewerblicher Anstalten des In- und Auslandes.
- ↑ Nach Mitteilungen des Herrn Buchhändler Manz in Wien. Vgl. ferner Lauser, allgem. Kunstchronik 11. Bd. nr. 24, ebenda 8. Bd. S. 256 u. f. Die Kunst für Alle 1. Bd. Heft 17 (mit dem Bildnis Königs). 2. Bd. S. 34, 70, 140, 299. Österreichisches Künstlerjahrbuch 1881. Lützows Zeitschrift 4, 143. 245. 17, 250. 19, 55. Desselben Beiblatt 3, 59. 6, 20. 168. 184. 7, 121. 390. 18, 307. 19, 512. Müller, biogr. Künstlerlexikon 1882. S. 307.