Meißner Künstler:Viktor Paul Mohn

August Johann Ernst Mehner Lebensläufe Meißner Künstler (1888) von Wilhelm Loose
Viktor Paul Mohn
Karl Leonidas Müller
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[66] Viktor Paul Mohn,[1] geb. zu Meißen den 17. November 1842, ein Sohn des Ratsmaurermeisters Johann August Mohn, berichtet über seinen Lebensgang: „Im Jahre 1847 übernahm mein Vater das unserm Hause gegenüber gelegene Mühlbergsche (jetzt Bahrmannsche) Brauhaus, ein Giebelhaus aus der niedergehenden Renaissance. Dieses Haus mit seinen Wendeltreppen, Kreuzgewölben, eisernen Thüren, Winkeln und vergitterten Fenstern hat auf mich einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen. Diesen Räumen verdanke ich so manche Anregung, die ins Kinderherz hineingelegt, in späteren Jahren manches von „Angeheimnissen“ gezeitigt haben. Schon früh regte sich die Lust zum Zeichnen; der Vater ließ mir Zeichenunterricht bei dem an der städtischen Schule angestellten Schreib- und Zeichenlehrer Kohl geben, später bei einem Vetter des Vaters, dem an der Porzellanfabrik angestellten Maler Eduard Naumann, und dann bei einem ehemaligen Schüler Ludwig Richters aus dessen Meißner Zeit, Wilhelm Schlechte, ebenfalls Porzellanmaler. Dieser betonte das Zeichnen nach der Natur, und so zog ich des Sonntags mit ihm hinaus ins Freie manchmal stundenweit, um, mit einem Riesenskizzenbuch bewaffnet, nach der Natur zu zeichnen. Er lehrte mich auch das Ölmalen, und ich fing ein [67] großes Ölbild an (jetzt als Depositum in der Sammlung des Meißner Geschichtsvereins), eine Häuserpartie an der Triebisch mit dem malerischen Grünertschen Hause. Während des Malens dieses Bildes entschloß ich mich, Maler zu werden. Mein Vater war über diesen Entschluß anfangs sehr betroffen, willigte aber doch schließlich ein. Nun galt es einen andern Zuschnitt. Auf Schlechtes Anraten ging ich zu Ludwig Richter nach Dresden, der mich an die Akademie wies und versprach, sich meiner thunlichst anzunehmen. Ostern 1858 begann ich mein Studium. Nach drei Jahren trat ich ins Atelier von Ludwig Richter, wo ich bis Ostern 1866 verblieb, um im Juni desselben Jahres nach dem Tode meines Vaters nach Italien zu wandern. Daselbst blieb ich über ein Jahr. Dann kehrte ich nach Dresden zurück. Für ein daselbst 1868 gemaltes Bild erhielt ich nebst meinem Freunde und Studiengenossen Albert Venus das große Staatsstipendium zu einer zweiten Reise nach Italien. So reiste ich denn im Oktober 1868 nach Rom. Hier im Verkehr mit Berliner, Düsseldorfer und Münchner Künstlern empfing ich viele Anregungen; ich nenne vor allen Friedrich Gesellschap, A. v. Werner, Lutteroth, Kanold u. a. In Rom entstanden die Bilder „Ostermorgen in der Campagna“ und „Torre del Quinto bei Rom“. Als ich im November 1869 zurückgekommen war, mußte ich meinen an den Augen leidenden Meister Ludwig Richter in dem Klassenunterricht an der Akademie vertreten. Von dieser Zeit an trat ich erst recht eigentlich mit ihm in künstlerisch innigen Verkehr und habe tiefe Einblicke in seine Künstlerseele gethan und eine unendliche Fülle von Anregungen von ihm empfangen. Da kam das Jahr 1870. Ich hatte ein großes Bild „Apollo unter den Hirten“ (im Besitze meines Schwagers E. Piltz in Meißen) in italienischer Landschaft in Arbeit, als die großen Kriegsereignisse sich vollzogen; diese Zeit öffnete mir die Augen wieder für deutsche Natur und deutsches Leben. Ich malte ein kleines Bild „Frühlingssonntag“, ein einfaches Motiv aus der Dresden-Striesener Umgebung. Der Eindruck, den das Bildchen auf der Berliner Ausstellung machte, war für mich geradezu überraschend. Ich erhielt darauf eine Reihe von Aufträgen, die mich fast vier Jahre beschäftigten. 1875 führte ich Sgrafitti in Schönprießen bei Aussig aus, darstellend die vier Jahreszeiten zu der Bibelstelle: So lange die Erde stehet, soll nicht aufhören u. s. w., und wiederum daselbst 1879 solche aus der Schweizergeschichte, ebenso 1875 die vier Jahreszeiten in einer Villa in Dresden und 1876 die Malereien im Hoftheater in Dresden. Im Jahre 1879 trat der bekannte Kunstfreund Cichorius in [68] Leipzig mit dem Auftrage an mich heran, eine Anzahl Aquarellen nach Motiven aus der sächsischen Schweiz und der Dresdner Umgebung für ihn zu malen. Diese Arbeiten haben mir viele Freunde erworben. 1881 illustrierte ich für den Verlagsbuchhändler Stilke in Berlin „Kinderlieder und Reime“ und im folgenden Jahre den „Märchenstrauß für Kind und Haus“. Damit eröffnete sich mir ein neues Feld, das zu den alten Freunden viele neue brachte. Inzwischen hatte ich 1883 meine Stellung als Professor an der Dresdner Akademie aufgegeben und war nach Berlin übergesiedelt. Der Abschied wurde mir nicht leicht, vor allem die Trennung von meinem Meister Richter, zu dem ich im Jahre 1873 auch in ein verwandtschaftliches Verhältnis getreten war durch meine Verheiratung mit Richters Enkelin Margarethe Gaber. Richter sah ich lebend nicht wieder. Ihm sei Dank für all seine Liebe und Hingebung und das rührende Interesse für meine Kunst und meine Person. Meine Thätigkeit in Berlin, wo ich nun fast vier Jahre bin, ist ziemlich mannigfaltig: dekorative Arbeiten für Luxusbauten, Kartons für Glasmalereien, u. a. für die Sakristeifenster der Berliner Dreifaltigkeitskirche reihen sich an illustrierte Werke wie: Rübezahl und Christkind (1883), Abenteuer und Schwänke von Baumbach (1884), Kindesengel (1885), Sommermärchen von Baumbach (1885), Fröhliche Jugend (1886), Nesthäkchens Zeitvertreib (1887), in Vorbereitung: Weihnachtsmärchen (1888). Dazwischen male ich Aquarellen, besonders aus der sächsischen Schweiz, deren Natur mir viel Anregung gegeben hat.“

Die Aquarellzeichnungen Mohns, vorwiegend Scenerien der sächsischen Schweiz, fanden 1880 auf der Dresdner Kunstausstellung die verdiente Anerkennung. Sie sind Kunstwerke von eigenartigem Zauber, zumal durch die Verbindung der Federzeichnung mit der Farbe. Besonderen Reiz haben aber seine Illustrationen zu Kinderschriften, voran sein Märchenstrauß, in dem etwas von dem Geiste Ludwig Richters und Moritz Schwinds waltet. „Reich und doch bescheiden“ – schreibt Dr. Jordan, der Direktor der Berliner Nationalgalerie –, „gleich dem Blütenbaum im Frühling, der von seiner Pracht nichts weiß, schütten diese anmutigen Schildereien zu den uralten Kindergeschichten eine Fülle von Poesie über uns aus. Es zieht wie Waldesrauschen und Glockenton durch die Blätter des Buches, und dieser heilige Wohllaut wird im Herzen des deutschen Volkes immerdar Wiederhall finden.“ Und einer, der es recht beurteilen konnte, Klaus Groth, nannte den Märchenstrauß das schönste aller Kinderbücher, das ihm je vor Augen gekommen sei.


  1. Eigene Mitteilungen des Herrn Professor Mohn. Vgl. außerdem Nationalzeitung 1878. nr. 469 (1. Beiblatt). Dresdner Zeitung 1880. nr. 28. Zolling in der Gegenwart 1882. Augsburger Allgemeine Zeitung 1882. S. 4996. Nationalzeitung 1882. nr. 572. Kieler Zeitung 1882. nr. 9136. St. Petersburger Zeitung 1882. nr. 330. Kunst für Alle. 2. Bd. S. 22. Müller, biographisches Künstlerlexikon. S. 373.