Meisterwerke der Holzschneidekunst
Vorwort im ersten Band
Zweimal im langen Laufe der Jahrhunderte hatte die Kunst und mit ihr die Pflege der Schönheit überhaupt ihre Festzeiten erlebt: das erste mal war es in jenen goldnen Tagen des Perikles, als das gesamte atheniensische Volk in und mit seinen Meistern wob und eine Luft der Anmut und der Harmonie um die geringsten Wohnstätten wehte; das andre mal erstieg mit der Wiedergeburt jener klassischen Gebilde auf italischer Erde auch der attische Geist von neuem, einte das sonst gesellschaftlich Geschiedne mit sanften Banden, weckte freundliche Herablassung in den Oberen und adelte die bis dahin in Bildung und Gewohnheiten Zurückgebliebenen. Italienischer Würde, südlichen Reizen gesellte sich dann die kraftvolle und bei all ihrer Kraft so treuherzige deutsche Kunst der Holbein und Dürer. Und in beiden Fällen war eben dieses das Kennzeichen gesunder Kunstblüte: daß sie, die zu andren Zeiten so vornehmthuende, so ganz nur den mit Glücksgütern gesegneten Menschenkindern vergönnte oder sich mit geistigem Dünkel absondernde Verklärerin des ohne sie so weihelosen - Erdendaseins, allen Kreisen gleichmäßig sich erschloß, auf offnem Markte wie daheim bei Ampelschein und Herdfeuer das Leben verschönte, und in jeglichem Hausrat und beim tagtäglichen Gebrauchstum ihre Spuren aufwies. Es waren Heil uns, den klassische, vorbildliche Zeiten der Kunst wie der gesamten Geistespflege Bürgern einer mit grausamem Unrecht als materialistisch verschrieenen Periode, daß wir jene nicht zu beneiden brauchen.
Denn ist es das untrügliche Kennzeichen höchsten Kunstgedeihens, wenn ihre Gebilde vom Palaste bis zur Hütte Allen und Jedem vertraut geworden; wenn ihre besten Meister es nicht verschmähen, mit Griffel und Stift unsterbliche Plane auch dem geringsten Bürger zugänglich zu machen; wenn in Tausenden von Originalschöpfungen und Nachbildungen die Saat des Schönen durch alle Lande geſtreut wird und alles Dies dürfen wir unſren Tagen nachrühmen, und hierzu noch den Vorzug vollkommnerer Vervielfältigungsweiſen als frühere Jahrhunderte sie kannten - so durchleben wir eben jetzt eine ganz eigentliche segensvolle Zeit für Kunst und für Pflege der Schönheit.
Möchten daran dennoch unsre eignen Abonnenten noch zweifeln, nun: sie selber erbringen durch ihre über alles Erwarten rege Theilnahme an dieſer Sammlung von „Meisterwerken der Holzschneidekunst“ schlagenden Beweis für die Richtigkeit unsrer lebensfrohen Anschauung. Daß aber gerade der Holzschnitt für unsre heutige vervielfältigende Kunst den Generaldolmetscher abgiebt, was anders kann auch damit erwiesen sein, als wiederum die gesunde, unverſetzte Volksthümlichkeit der Kunst der Gegenwart. Möchte das noch lange so währen und möchte auch uns, die wir mit fröhlichem Dank für die bisherigen Erfolge den ersten
Jahrgang schließen, eine gleiche Beeiferung der lieben Kunstgemeinde kommende Zeiten hindurch treu bleiben! Wir wollen es an Mannigfaltigkeit und technisch vorzüglicher Ausführung der Bildertafeln wie an gleichzeitig ästhetisch belehrendem und wieder doch auch der leichtgefälligen Unterhaltung sich zuneigendem Terte nicht fehlen lassen.
Leipzig, im October 1879.
Die Verlagshandlung.
Die Bände in digitaler Form
- 1.1879 MDZ München, MDZ München
- 2.1880 MDZ München, MDZ München, ÖNB-ABO
- 3.1881 MDZ München, ÖNB-ABO
- 4.1882 MDZ München, ÖNB-ABO
- 5.1883 MDZ München, MDZ München, ÖNB-ABO
- 6.1884 MDZ München, MDZ München, ÖNB-ABO
- 7.1885 MDZ München, MDZ München
- 8.1886 MDZ München, MDZ München
- 9.1887 MDZ München, MDZ München
- 10.1888 MDZ München, MDZ München
- 11.1889 MDZ München, MDZ München
- 12.1890 MDZ München, MDZ München, ÖNB-ABO
- 13.1891 MDZ München, ÖNB-ABO
- 14.1892 MDZ München, ÖNB-ABO
- 15.1893 MDZ München, ÖNB-ABO
- 16.1894 MDZ München
- 17.1895 in BSB vorhanden, folgt
- 18.1895/96 in BSB vorhanden, folgt
- auch von den Bänden 13 bis 16 ist ein zweites Exemplar im Katalog der BSB vermerkt. Warum diese zweiten Exemplare, anders als bei den ausgewiesenen Bönden, nicht auch digitalisiert wurden,ist nicht herauszufinden.
- ÖNB hat nur 1.1880; 1.1881; 2.1880 - 6.1884; 12.1890 - 16.1894 (davon sind 1.1880=2. Auflage; 1.1881=3. Auflage)
Neue Folge (nur Beschreibung)
1. Jahrgang 1896/97 (4 Vierteljahreshefte)
- 1. Vierteljahrsheft : Aus der Internationalen Kunstausstellung Berlin 1896 (Einzelpreis 4 Mark)
- Es enthält 28 ganzseitige und 4 doppelseitige Bilder auf Kupferdruckpapier, deren Eindruck diesmal in stimmungsvollster Weise dadurch erhöht wird, dass der Druck abwechselnd in verschiedenen Farbentönen ausgeführt ist.
- 2. Vierteljahrsheft : Weihnachtsmappe 1896 (Einzelpreis 8 Mark)
- 8 Blatt auf Imperial-Kunstdruckkarton ungebrochen in Mappe im Format 56×70 cm.
- Brütt : Weihnachtsmorgen
- Grützner : Falstaff
- Holbein : Madonna
- von Lenbach : Fürst Bismarck
- Max : Nachtigall
- Munthe : Winterlandschaft
- Salinas : Taufe
- Schmutzler : Zwei Glückliche
- 8 Blatt auf Imperial-Kunstdruckkarton ungebrochen in Mappe im Format 56×70 cm.
- 3. Vierteljahrsheft : Sascha Schneider (Einzelpreis 4 Mark)
- 12 Zeichnungen auf Japanpapier der Kaiserlichen Manufaktur in Tokio gedruckt.
- Porträt des Künstlers
- Um eine Seele
- Der Herr der Erde
- Ein Wiedersehen
- Der Gram
- Der Anarchist
- Sein Schicksal
- Das Gefühl der Abhängigkeit
- Der Gedanke an die Unendlichkeit
- Christus in der Hölle
- Der Mammon und sein Sklave
- Judas Ischariot
- Eins thut not
- sic! 13 aufgeführte Blätter, das Porträt des Künstlers zählt wohl nicht zu den Zeichnungen - oder aber Sein Schicksal, das auch im Supplement aufgeführt ist, ist in der obigen Auflistung fälschlich dabei
- Hierzu ein Supplement (Preis 2 Mark 50 Pf.), enthaltend:
- Plakatentwurf (als Titelblatt)
- Die Genien der Geschichte
- Der Männergesang
- Sein Schicksal
- Der Triumph der Finsternis
- Es ist vollbracht
- 12 Zeichnungen auf Japanpapier der Kaiserlichen Manufaktur in Tokio gedruckt.
- Das Schlussheft des ersten Jahrgangs (Einzelpreis 4 Mark) enthält : Moderne Meister
- 10 Grossfoliobilder auf Kunstdruckpapier auf Karton aufgezogen.
- Der Abonnementspreis für alle 4 Hefte der Serie beträgt 15 Mark