Mimi


[181]
XIV.
Mimi.


     Bin kein sittsam Bürgerkätzchen,
Nicht im frommen Stübchen spinn’ ich.
Auf dem Dach, in freier Luft,
Eine freie Katze bin ich.

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     Wenn ich sommernächtlich schwärme,

Auf dem Dache, in der Kühle,
Schnurrt und knurrt in mir Musik,
Und ich singe, was ich fühle.

     Also spricht sie. Aus dem Busen

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Wilde Brautgesänge quellen,

Und der Wohllaut lockt herbei
Alle Katerjunggesellen.

[182]

     Alle Katerjunggesellen,
Schnurrend, knurrend, alle kommen,

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Mit Mimi zu musiciren,

Liebelechzend, lustentglommen.

     Das sind keine Virtuosen,
Die entweiht jemals für Lohngunst
Die Musik, sie blieben stets

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Die Apostel heil’ger Tonkunst.


     Brauchen keine Instrumente,
Sie sind selber Bratsch und Flöte;
Eine Pauke ist ihr Bauch,
Ihre Nasen sind Trompeten.

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     Sie erheben ihre Stimmen

Zum Konzert gemeinsam jetzo;
Das sind Fugen, wie von Bach
Oder Guido von Arezzo.

     Das sind tolle Symphonien,

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Wie Capricen von Beethoven

Oder Berlioz, der wird
Schnurrend, knurrend übertroffen.

[183]

     Wunderbare Macht der Töne!
Zauberklänge sonder Gleichen!

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Sie erschüttern selbst den Himmel

Und die Sterne dort erbleichen.

     Wenn sie hört die Zauberklänge,
Wenn sie hört die Wundertöne,
So verhüllt ihr Angesicht

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Mit dem Wolkenflor Selene.


     Nur das Lästermaul, die alte
Prima-Donna Philomele
Rümpft die Nase, schnupft und schmäht
Mimi’s Singen – kalte Seele!

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     Doch gleichviel! Das musiciret,

Trotz dem Neide der Signora,
Bis am Horizont erscheint
Rosig lächelnd Fee Aurora.