Mittag (Gryphius)

[29]


II. Mittag.

AUff Freunde! last vns zu der Taffel eylen /
     In dem die Sonn ins Himmels Mittel hält
     Vnd der von Hitz vnd Arbeit matten Welt
Sucht ihren Weg / vnd vnsern Tag zu theilen.

5
[30]
Der Blumen Zier wird von den flammen Pfeylen

     Zu hart versehrt / das außgedörtte Feld
     Wündscht nach dem Tau’ / der Schnitter nach dem Zelt;
Kein Vogel klagt von seinen Liebes Seilen.
     Das Licht regiert / der schwartze Schatten fleucht

10
     In eine Höl / in welche sich verkreucht /

Den Schand vnd Furcht sich zu verbergen zwinget.
     Man kan dem Glantz deß Tages ja entgehn!
     Doch nicht dem Licht / das / wo wir immer stehn /
Vns siht vnd richt / vnd Hell’ vnd Grufft durch dringet.


Download der Sprachversion dieses Artikels Dieser Quellentext existiert auch als Audiodatei, gesprochen von Christian Al-Kadi. (Mehr Informationen zum Projekt Gesprochene Wikisource)

Datei speichern | Lizenz | 1:14 min (0,6 MB)