Mondscheintrunkne Lindenblüthen

[40]
XXXI.

     „Mondscheintrunkne Lindenblüthen,
Sie ergießen ihre Düfte,
Und von Nachtigallenliedern
Sind erfüllet Laub und Lüfte.

5
     „Lieblich läßt es sich, Geliebter,

Unter dieser Linde sitzen,
Wenn die goldnen Mondeslichter
Durch des Baumes Blätter blitzen.

     „Sieh dies Lindenblatt! du wirst es

10
Wie ein Herz gestaltet finden;

Darum sitzen die Verliebten
Auch am liebsten unter Linden.

[41]
     „Doch du lächelst, wie verloren

In entfernten Sehnsuchtträumen –

15
Sprich, Geliebter, welche Wünsche

Dir im lieben Herzen keimen?“

     Ach, ich will es dir, Geliebte,
Gern bekennen, ach, ich möchte,
Daß ein kalter Nordwind plötzlich

20
Weißes Schneegestöber brächte;


     Und daß wir, mit Pelz bedecket
Und im buntgeschmückten Schlitten,
Schellenklingelnd, Peitschenknallend,
Ueber Fluß und Fluren glitten.