Nebenbahnen

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VI. NEBENBAHNEN.
Von O. Kökert[WS 1].

Unter den Privatbahnen, welche den Bewohnern und Besuchern Freiburgs die Schönheiten der Umgebung erschliessen, kommen die folgenden vorzugsweise in Betracht:

1. Die Nebenbahn Krozingen–Staufen–Sulzburg, 1894 von der Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Vering & Wächter hergestellt. Sie zweigt bei der Station Krozingen von der Staatsbahnlinie Freiburg–Basel ab und erreicht zunächst das am Ausgange des Münsterthales gelegene Staufen. Dann steigt sie über Grunern und Ballrechten aufwärts nach dem idyllisch gelegenen Bade Sulzburg.

Die 11,07 km lange Bahn ist normalspurig und hat eine höchste Steigung von 1:50. Stationen befinden sich in Staufen und Sulzburg; an den Haltestellen sind nur Wellblech-Wärterbuden für den Beamten und Wellblech-Schutzhütten für das Publikum errichtet. Auf der Endstation ist mit dem Locomotivschuppen eine Werkstatt verbunden, in welcher auch grössere Reparaturen vorgenommen werden können.

An Betriebsmitteln sind vorhanden 2 Lokomotiven von 20,000 kg Dienstgewicht, 6 Personenwagen, 2 Post- und Gepäckwagen und 5 Güterwagen. Die Wagen sind mit Körtings selbstthätiger Luftsaugebremse und mit Dampfheizung verschen.

Die Bahn war einschliesslich des Grunderwerbes zu 785,000, ausschliesslich desselben zu 703,000 Mark, d. i. 63,500 Mark pro Kilometer veranschlagt. Zu den Baukosten hat der Staat einen Zuschuss von [142] 20,000 Mark für den Kilometer gewährt. Die Gemeinden und Interessenten haben ausser unentgeltlicher Stellung des Geländes einen Beitrag von 10,000 Mark für den Kilometer geleistet, während der Rest des Baukapitals von dem Concessionär aufgebracht ist.

2. Die Localbahn Müllheim–Badenweiler, als Actien-Unternehmen 1895–96 ausgeführt, geht von Station Müllheim der Hauptbahn Freiburg–Basel östlich durch Müllheim hindurch und dann im Weilerthal nach dem im Sommer viel besuchten Badenweiler. Sie ist 7,57 km lang mit 1,00 m Spurweite, stärkster Steigung von 1:22 und Kurven von 40 m Radius hergestellt. In den Ortschaften liegt das Gleis auf den Hauptstrassen. Ausserhalb der Orte ist die Bahn auf eigenem Planum ausgeführt.

Die Strecken auf eigenem Planum haben Vignolesschienen auf eisernen Querschwellen, die Strassenstrecken theilweise beiderseits Phoenixrillschienen, theilweise auf einer Seite Rillschienen auf der anderen Vignolesschienen mit eisernen Sattelstücken und Spurstangen. Besondere Stationen befinden sich nur am Rathhaus Müllheim und in Badenweiler; auf den übrigen Haltepunkten stehen einfache Haltestellen-Tafeln zur Orientirung der Reisenden.

An Betriebsmitteln sind vorhanden 3 Tenderlocomotiven – 2 mit 16,7 und 1 mit 25,0 Tonnen Dienstgewicht – 8 Personenwagen, darunter 3 offene Sommerwagen, 1 Post- und 4 Güterwagen, welche mit Körting’scher Luftsaugebremse und Dampfheizung ausgestattet wurden.

Die betheiligten Gemeinden haben den Grund und Boden unentgeltlich hergegeben, während der Staat einen Zuschuss von 17,000 Mark für den Kilometer, also im Ganzen 128,690 Mark geleistet hat. Der Rest des Baukapitals ist durch Ausgabe von 303,000 Mark Vorzugsactien und 80,000 Mark Stammactien beschafft worden. Erstere verzinsen sich mit 4, letztere mit 3 Procent. Bau und Betrieb ist von der Eisenbahn-Gesellschaft Vering & Wächter in Freiburg übernommen.

3. Die Kaiserstuhlbahn, 1894–95 von der Firma H. Bachstein gebaut, jetzt in das Eigenthum der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft übergegangen, führt von Station Riegel der badischen Staatsbahn nach Riegel (Ort), von wo sie einerseits am nördlichen und westlichen Kaiserstuhl nach Breisach, andererseits längs des östlichen Kaiserstuhls nach Gottenheim sich verzweigt.

Die Strecke Riegel–Breisach ist 26,37 km, die Riegel–Gottenheim 13,73 km lang. Die Bahn ist normalspurig, mit einer höchsten Steigung von 1:100 und kleinsten Radien von 250 m hergestellt. Wegen der strategischen Bedeutung der Linie Riegel–Breisach mussten Oberbau [143] und Brücken zum Befahren mit Hauptbahn-Locomotiven eingerichtet, auch die Stationsanlagen zum Kreuzen von halben Militärzügen eingerichtet werden. Ausser den Anschlussbahnhöfen der Staatsbahn in Riegel, Breisach und Gottenheim sind auf der Kaiserstuhlbahn selbst 12 Stationen, sämmtlich für vollen Personen- und Güterverkehr eingerichtet.

An Betriebsmitteln sind vorhanden 5 Tenderlocomotiven von 30 Tonnen Dienstgewicht, 15 Personenwagen, 3 Gepäckwagen und 10 Güterwagen. Die Betriebsmittel sind mit durchgehender Schmidt’scher Bremse versehen, die Personenwagen für Dampfheizung eingerichtet. Der Betriebsdienst geht von Endingen, als der bedeutendsten Station dieser Bahn aus. Daselbst befindet sich auch der Sitz der localen Bahnverwaltung und die Reparatur-Werkstätte.

Die Baukosten, einschliesslich des auf 420,000 Mark geschätzten Grunderwerbes, betragen 2,900,000 oder 72,5000 Mark für den Kilometer. Hierzu hat der Staat einen Zuschuss von 20,000 Mark, die betheiligten Gemeinden einen solchen von 5000 Mark für den Kilometer geleistet und ausserdem den Geländeerwerb für eigene Rechnung durchgeführt.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Gemäß Inhaltsverzeichnis ist der Text von Karl Kökert verfasst worden.