Puritanerpredigt


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Puritanerpredigt.

(Cheapside, London, 1645.)

     „… Landsleute, Volk von London, hört mich an:
Ihr denkt, der König[1] ist’s; der ist es nicht,
Der fühlt wie wir. Das Unglück kommt von drüben,
Von Frankreich kommt’s und nennt sich Kön’gin-Mutter.[2]

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Und dazu Medici. Ein schlimmer Name.

Papistisch alle, Gott dem Herrn ein Greul,
Am meisten aber sie, das blut’ge Buhlweib,
Das Frankreichs Thron befleckte: Katharina.[3]
Landsleute, tretet näher, hört mich an,

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Von diesem Buhlweib will ich Euch erzählen.


          Bluthochzeit feierte die Stadt Paris,[4]
     Der Glocke Zeichen war in Nacht verklungen
     Und durch die Straßen, wie gehetztes Wild,
     Wehschreiend, betend, floh der Hugenott.

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     Schon zog ein Blutstreif durch den Seine-Fluß,

     Schon lag verstümmelt, siebenfach durchbohrt,
     Auf offnem Platz der greise Coligny,[5]
     Und immer noch, den Mord zum Morde mahnend,
     „Laßt Ader!“ schrie der tückische Tavannes.[6]

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     Im Schlosse aber, das sie Louvre nennen,

     An jener hohem Bogenfenster einem,
     Stand König Karl, der neunte seines Namens,[7]
     Und zitterte. Der ungeheure Frevel
     Griff ihm in’s Herz. Trotz Licht und Fackelglanz

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     Nacht war’s um ihn. Er warf die Büchse fort;

     „Ich kann nicht schießen, Mutter!“ rief der König.

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     Da trat sie selber vor, schwarz war ihr Haar,

     Schwarz wie der Sammet ihres Schleppenkleides
     Und ihrem Aug’ entflammte tiefre Gluth,

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     Als dem Rubin, der ihr am Nacken blitzte.

     „Bist Du ein Mann?“ so raunte sie ihm zu,
     „Ein König und so feig? ich mag’s nicht glauben.“
     Das zündete. Der Fürst, – in falscher Scham
     Ergiff er neu das Rohr, sie aber rief:

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     „Schau dort das Weib, das Hugenottenweib,

     Sie flieht und birgt den Säugling an der Brust,
     Zertritt das Raupennest!“ Der König schoß;
     Ein Wehschrei klang herauf; sie aber klatschte
     Dem Schützen Beifall …

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 Katharina hieß sie.

Die unsre heißt Marie. Das ist das Ganze, –
Sonst Medici, die damals und die heute.“

Anmerkungen (Wikisource)