RE:Μαρδοκέμπαδος 2

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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II. Zeitgenosse des assyrischen Königs Tiglatpilesar III
Band XIV,2 (1930) S. 16511654
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2) M. II., Zeitgenosse der assyrischen Könige Tiglatpileser III. (745–727), Salmanassar V. (726–722), Sargon (722–705) und Sanherib (705–681). Seinen Vater nennt die Bibel Bal’ädän; das könnte ein babylonisches Apla-iddin widerspiegeln, und dieses Hypokoristikon einer Vollform Nabu-apla-iddin o. ä. sein. Die Angabe ist jedoch ganz ungewiß und beruht aller Wahrscheinlichkeit nach auf einem Irrtum. Tiglatpileser III. und Sargon bezeichnen ihn als Sohn des Jakin. Indessen ist diese Angabe nach der auch sonst üblichen Ausdrucksweise wahrscheinlich als .Angehöriger des Stammes Bit (= Haus) Jakin' zu deuten, dessen Ahnherr Jakin Zeitgenosse Salmanassars III. (859–824) war. M. selbst nennt seinen Vater nicht, bezeichnet sich aber als Nachkommen des Königs Eriba-Marduk. Da dieser um 762 gestorben sein muß, könnte er der Groß- oder Urgroßvater M.s gewesen sein.

Zu Tiglatpilesers Zeit war M. König des Meerlandes, des südlichsten Chaldäa, und sandte dem assyrischen König Tribut. Das geschah 730/29, als Tiglatpileser den Chaldäer Pulu (s. den Art. Πώρος), den Fürsten von Bit Amukkani, der sich den Thron von Babylon angemaßt und drei Jahre besessen hatte, beseitigte und in Sapia, der eroberten Hauptstadt von Bit Amukkani, weilte. Im Frühjahr 721, zwei Monate nachdem Sargon in Assyrien den Thron bestiegen hatte, [1652] nahm M., den Sargon jetzt König des Landes Kaldi nennt, Babylon ein und wurde König von ganz Babylonien (Kardunias). Seine Bundesge-nossen waren die ihm benachbarten Stämme Ru’a, gindaru, Jadburu, Pundu, der Wüstenstamm der Suti und vor allem der König von Klam. Dieser, gumbaniga (742–717), zog sogar gegen Sargon zu Felde. Bei Deri (jetzt Teil asmar an der Diala, etwa 25 km östlich von Bagdad) kam) es 720 zur Schlacht. Gemäß der babylonischen Chronik hätte der Elamit noch vor dem Eintreffen des zur Hilfe heranziehenden M. gesiegt. Sargon schrieb vielmehr sich den Sieg zu. Obwohl er M. in den nächsten zehn Jaen nichts anhaben konnte, hatte er doch soweit Erfolg, daß er Deri und damit die Dialalinie fest in der Hand behielt. M. blieb unangefochten in Babylon und konnte sogar eine Gesandtschaft an Hiz-kia von Juda schicken. Diese wird im Alten Testament zweimal (II. Kön. 20, 12. Jes. 39; vgl. auch II. Chron. 32, 31) erwähnt. Das Ereignis hat 714 stattgefunden (s. Bd. I A S. 2275), in dem Jahre, da Sargon auf seinem armenischen Feldzug Monate lang im fernen Norden weilte. Im J. 712 unternahm M. einen erfolgreichen Zug gegen einen ihm feindlichen Stamm, dessen Name in der babylonischen Chronik genannt war, aber nicht mehr mit Sicherheit ergänzt werden kann (Bit Dakurri? s. u.). 710 endlich war Sargon soweit gerüstet, um gegen M. vorzugehen. Die babylonische Chronik berichtet kurz, daß M. an der Spitze seiner Großen nach Elam floh, daß er 12 Jahre in Babylon geherrscht hatte, daß Sargon in Babylon den Thron bestieg und im folgenden Jahre Dur-Jakin eroberte. Sehr ausführlich schildert dagegen Sargon selbst das ganze Unternehmen, dessen Verlauf freilich aus den verschiedenen Redaktionen des Berichtes, zumal bei dem zum Teil beschädigten Zustand der An-nalenteite, sich nicht völlig eindeutig heraus-stellen läßt. Bei der Wiedergabe im Art. Sargon (s. Bd. I A S. 2508f.) war angenommen, daß der assyrische König den Feldzug nur zum Teil persönlich leitete und erst eingriff, als seine Feldherrn bereite die Unterwerfung der mit M. verbündeten Stämme am unteren Tigris und Kercha vollendet hatten (so in der Hauptsache mit Winckler D. Keilschriftt. Sargons I S. XXXIII ff.). Hätte Sargon von Anfang an die persönliche Führung gehabt, so müßte man annehmen, daß er den Tigris in seinem mittleren oder unteren Lauf überschritten, diesen wichtigen Flußübergang aber nirgends erwähnt hätte. Er berichtet nur einen Übergang über den Euphrat, den man sich etwas oberhalb Sippars vorstellen kann, da diese Stadt selbst von dem feindlichen Stamme der Jamaianai besetzt war. In Dür Ladinna, das demnach westlich vom Euphrat (vielleicht in der Gegend des heutigen Kerbela) zu suchen wäre, das Sargon zerstört fand und auf bauen ließ, erreichte ihn die Abordnung der Bürger Babylons, die ihn nach ihrer Stadt einlud. Dür Ladinna lag im Gebiet Bit Dakkurri, des nördlichsten Chaldäerstammes, der in ziemlicher Nähe Babylons wohnte. M. war angeblich zuerst nach Jadburu, einer Landschaft an der Grenze Islams, entflohen und hatte den elamischen König Sutur-nabundi durch wertvolle Geschenke für sich zu [1653] gewinnen gesucht. Dieser hatte zwar die Geschenke anzunehmen geruht, ließ aber M. nicht in sein Land hinein und verweigerte ihm jede Hilfeleistung. M. zog sich darauf in die Stadt Itbi-Bel, und als diese von den Assyrern bedroht wurde, weiter nach Dür Jakin, der Hauptstadt seines Stammlandes, am unteren Euphrat, zurück, befestigte sie stark und sicherte sie noch durch einen 200 Ellen breiten und 18 Ellen tiefen Wassergürtel, der in einer Entfernung von 1 120 Ellen die große Stadtmauer umschloß. Trotzdem setzten die Assyrer über die Wasserfläche, und es kam zu einer mörderischen Schlacht vor den Toren der Stadt. M. wurde durch einen Speeratich am Finger verwundet und nach der einen Inschrift mit seiner ganzen Familie gefangen; nach der anderen gelang es ihm zu entkommen, ,und sein Ort wurde nicht gesehen*. Dür-Jakin wurde vollständig zerstört, die Bevölkerung des ganzen Landes weggeschleppt; an ihre Stelle kamen Kriegsgefangene vom Lande Kummuh am oberen Euphrat, Wohin M. sich gewandt und wo er in der Zeit von 709–703 geweilt hat, ist unbekannt. Aber 703 erschien er wieder in Babylon, beseitigte Marduk-zakir-ium II., der sich einen Monat früher die Königsherrschaft angemaßt hatte, und wurde selbst noch einmal auf 6 oder 9 Monate (s. Bd. I A S. 2272f.) König. Als Sargons Sohn Sanherib heranzog, stellte sich M. ihm bei Kis, 15 km östlich von ί Babylon, entgegen, wurde aber mit seinen elami-schen Hilfstruppen, die ihm diesmal Suturna-hundi nicht versagt hatte, völlig geschlagen. Die Assyrer waren wieder Herren Babylons, und Sanherib bewohnte eine kurze Zeit M.s Palast, bis er den Babylonier Bel-ibni als König einsetzte. M.s Ausgang ist unbekannt. Fünf seiner Söhne kennen wir mit Namen: von Upsa-Mar-duk und Nabu-sum-iskun nur diesen. Nabu-usallim floh vor Sanherib nach Elam und ver- -sachte von dort aus die väterliche Herrschaft zu erlangen. Nabu-zir-kitti-lisir war, vermutlich von Sanherib eingesetzt, König des Meerlandes und Assyrien tributpflichtig, empörte sich aber gegen Asarhaddon nach dessen Thronbesteigung. Von den Assyrern bedroht, floh er 679 nach Elam, wo ibn gummahaldas II. umbringen ließ. Sein Bruder Na’id-Marduk, der mit ihm nach Elam gekommen war, entwich von dort rechtzeitig und unterwarf sich Asarhaddon, der ihn als tributpflichtigen König des Meerlands bestätigte. Wahrscheinlich war sein Sohn jener Enkel M.s, Nabu-bel-smnate, der unter Asurba-nipal König des Meerlands war, sich an dem Aufstand des Saosduchinos (s. d.) beteiligte und um 640 in Elam, wohin er geflohen war, der ihm drohenden Auslieferung durch Selbstmord zuvorkam. Einen anderen Enkel M.s, Sohn des Nabu-usallim, namens Aplä, von dessen Schuld wir nichts wissen, ließ sich Aäurbanipal von Elam ausliefern; er fand in Assyrien den Tod durch Henkershand.

Inschriften M.s.: Backstein vom Tempel Eanna in Uruk (Brit. Mus., I. Rawl. 5, XVII); Kudurru (Landschenkungsurkunde) aus schwarzem Stein, mit den Bildern des Königs und dos Beschenkten, Göttersymbolen und 264 Schriftzeilen (Berlin: Vorderes. Schriftdenkm. I 37; transkr. und übers. [1654] von Delitzsch Beitr. z. Assyr. II 258ff. Peiser und Winckler Keilinschr. Bibl. 1, 18; abgeb. Helmolts Weltgesch.² II Tat zu S. 25). 17 durchbohrte Tonmarken in Olivenform, die veröffentlichten mit je vierzeiliger Inschrift enthalten die Namen des Inhabers (Sklave oder Sklavin) und dessen Besitzers und das Datum (alle Sabatu, 9. bis 12. Jahr M.s, fand in diesem Monat jährlich Sklavenmarkt in Babylon statt?), Oppert Dour Sarkayan 27f. Peiser Keilinschr. Bibl. IV 166f. II. Tontafel mit Verzeichnis der Gewächse im Garten des Königs M. (Brit. Mus., veröffentl. von Meissner Ztschr. f. Assyr. VI 289ff., 1891). Die drei Mondfinsternisse aus der Zeit M.s, die im Almagest beschrieben sind, hat zuletzt Ginzel (Spezieller Kanon der Finsternisse 229ff.) behandelt.