RE:Helloi
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Volksstamm (?) um die Kultstätte Dodona | |||
| Band VIII,1 (1912) S. 194–196 | |||
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Helloi (Sellai). Hom. Il. XVI 234 Ἄωδωνης 10 μεδέων δνοχειμέρον · ἄμφι δὲ ΣΕΛΛΟ1 | ool ναίοιο ὕποφηται war die Deutung des in Majuskeln gegebenen Komplexes im Altertum strittig (ἡ γραφὴ ἀμφίβολος ovoa Str ab. VII 328, vgl. Aristonikos im Schol. A z. d. St.), wie sie es noch heute ist. Die antiken Zeugnisse behandelt im wesentlichen erschöpfend Ed. Meyer Forschungen z. alten Gesch. I 41f. Σελλοί las Sophokles Trach. 1167, χαμαικοιτῶν sichert die Beziehung auf die Homerstelle; ebenso Aristot. 20 met. I 14 p. 352 b 1, dann die Aristarchische Schule, Aristonikos (s. o.) und Apollodoros (Strab. VII 328); vgl. Herodianos Schol. A = II 101, 8 Lentz. Diese Lesung ist in der grammatischen Literatur die herrschende geworden. In folgerichtiger Deutung entnahm man der Stelle, die Selloi hätten um Dodona herum gewohnt und seien ein Volksstamm gewesen («ivof Schol. V. II. XVI 234. Schol. A II. II 659. Hes. s. Σελλήεις)) so schon Aristoteles (s. o.) und An-30 dron FHG II 350, 5 = Schol. A II. XVI 235; vgl. Schwartz o. Bd. I S. 2159f. So konnte man die Selloi in geographischen und etymologischen Zusammenhang bringen mit dem Flusse Selleeis (πάροικοι u. ä. Aristonikos Schol. Il. II 659. XV 531, XVI 234; vgl. ApoUod. bei Strab. VII 328). Daß es einen Fluß dieses Namens in Thesprotien gäbe, ward aus Hom. Il. II 659. XV 531 (ἐξ’Σφύρης ποταμου ἀπὸ Σελληεντος) erschlossen, da die Schule Aristarchs diese Verse auf das thesprotische 40 Ephyra bezog (Aristonikos in Schol. A zu den SteUen, Apollodoros Strab. VII 328. VIII 339). Der Beweis bewegt sich in einem Zirkel. Die geographischen Schwierigkeiten scheint man nicht bemerkt zu haben. Ephyra liegt von Dodona weit entfernt an der Küste (Thuk. I 46, 3f., daraus Strab. VII 324), und die in seiner Nähe mündenden Gewässer reichen nicht an die Hochebene von Dodona heran (Frazer Paus. II 1605.). Geographische Angaben über diesen 50 Seileeis werden nirgends gemacht. Demetrios von Skepsis leugnete die Existenz eines thespro-tischen Selleeis und bezog die Homerstellen auf ein elisches Ephyra (Strab. VII 328. VIII 338. Gaede Demetrii Scepsii quae supersunt., Diss. Greifsw. 1880, 46. u. frg. 55). Um diesem Einwand zu begegnen, scheint man zu der Auskunft gegriffen zu haben, zu der die Deutung der Ortsnamen bei Homer so oft nötigte, der Fluß sei umgenannt worden: Schol. T II. XVI 234 ὃς vvv 60 f ὡς καλώς καλείται~*Αωος(Maass) ist unmöglich, es muß einer der bei Ephyra mündenden Flüsse sein. Der Versuch also, durch diese »Verbindung mit dem Selleeis eine äußere Stütze für die Lesung Selloi zu gewinnen, ist verfehlt; über die inneren Schwierigkeiten s. u.
Die zweite Möglichkeit, jene Buchstabengruppe zu lesen, ist ἀμφὶ δὲ σ* Ἐλλοί. Als ältesten Zeugen für diese Lesung nimmt Niese Hermes [195] XIII 413, ähnlich Preller-Robert 123, 1, Hesiodos in Anspruch, der frg. 134 (156) R. aus Philochoros FHG I 415, 187 in den Ἠπειρωτικά (Christ-Schmid Gesch. d. griech. Lit. II 1, 82) bei Strab. VII 328. Steph. Byz. s. Ἐλλοπία. Schol. Soph. Trach. 1167 die Landschaft um Dodona Hellopia nennt, während der Name nach Euboia gehört. Niese nimmt also eine willkürliche Übertragung des Namens an, die durch den Anklang an H. veranlaßt sein soll. Der · Schluß enthält eine petitio principii. Daß die Landschaft um Dodona nie Hellopia geheißen habe, müßte erst bewiesen werden (Meyer 42, 3). Sicher bezeugt ist, daß Pindar die Form H. gebraucht hat (frg. 59. Apollodor bei Strab. VIII 328 [daraus Eustath. 1057, 56]. Schol. A II. XVI 234. Etym, M. 709, 36) in einem Paian auf den Dodonäischen Zeus (frg. 57L). Wieweit die Angaben im Schol. A (s. ὁ.) Πίνδαρος ἜλλοΙ χωρίς τοῦ σ. ἀπὸ Ἠλλου τὸν δρυτόμου, φ φασὶ τὴν περιστεράν πρώτην καταδεῖξαι τὸ μαντείαν auf Pindar zurückgehen (Meyer 41), bleibt unsicher; φασί spricht gegen die Herleitung. Das Schol. T z. d. St. hat ἀπὸ Ἐλλου τοῦ Θεσσαλου. Schol. Β ἀπὸ Σελλον τοῦ Θ. ist verderbt. Daß Pindar die Kenntnis der H. der Homerstelle verdankt, ist sehr wahrscheinlich. Die Verbindung des Namens mit dem Holzhauer Helios weist dagegen auf eine andere Quelle hin. In etymologischen Zusammenhang wurde der Name auch mit ἔλος gebracht (Apollod. bei Strab. VII 328); Etym. M. 709, 33 ἐκ γὰρ τοῦ κατακλυσμόν, τῆς γης ἔνθα φκουν ἐλώδους γενομένης, μετφκησαν ἐν Δωδώνη zeigt, daß diese Erklärung zugleich an die deukalionische Flut anknüpfte (s. Tümpel o. Bd. V S. 269, 60ff.). Wir wissen nicht, welcher griechische Grammatiker die Lesung ®. vertreten hat. Seine Interpretation der Iliasstelle im Schol. T ist durch Ausfall eines Satzes verstümmelt, aber dieser läßt sich dem Sinne nach sicher wiedergewinnen. Die Lesung ἀμφὶ δὲ Σελλοί, heißt es, ergibt den Sinn, die Seiler wohnen um Dodona, nicht um das Teme-nos des Gottes, Nun muß ergänzt werden: dagegen besagt ἄμωι δὲ σ Ἠλλοὶ ναίουσιν, daß die Η. in Dodona um das Temenos wohnen. Denn weiter heißt cs καὶ βέλτιον ἐν Δωδώνη γὰρ τὸ γένος ἐστὶ τῶν Ἰερέων τοῦ D ἰὸς κατὰ διαδοχήν (das sind eben die Η., σοὶ ὑποφήται), κοινον Ôè τοῖς πασιν Ἔλλησιν τὸ ἐνταύθα ἰερόν (d. h. um das Heiligtum wohnen die Hellenen nach der Flut, nicht die H.). Ein Rest dieser Deutung im Schol. Β τοῦτο τὸ γένος, δθεν κατὰ διαδοχὴν οἱ τὸν Λ ἰὸς ἰερείς ἔγινοντο. Die Η. als ἰερείς Hes. s. Ἐλλοί und Ἐλλά. Diese Interpretation ist im wesentlichen unzweifelhaft richtig (Meyer 41), das Here in ziehen der Hellenen hat natürlich keine Stütze im Homertext; die ὕποφηται des Zeus müssen i n Dodona um das Heiligtum wohnen, dieser Sinn läßt sich nur durch die Lesung ἄμφι δὲ σ* Ἐλλοί gewinnen. Die H. sind ein γένος, die erbliche Priesterschaft des Zeus in Dodona (Ed. Meyer Gesch. d. A. II 65f.). Alexander Aitolog wählte die Form H., hielt diese aber für ein ἔθνος; Schol. A II. XVI 235 (Meineke Anal. Alei. 250 IV) ἔθνος εἶναι τοὺς Ἐλλοῦς Ἀπόγονον Τνρρτ)νῶν καὶ διὰ πατρφον ἔθος ὄδτως τδν Δία ἀρησκεύειν; er wird die Pelasger mit den [196] Tyrrhenern identifiziert haben. Die neuere Forschung versucht, die Namen, etymologisch zu deuten und durch Verknüpfung mit ähnlichen Namen historische Zusammenhänge zu erschliessen. Die Vorstellung, als ob Selloi und H. eine ältere und eine jüngere Form desselben Wortes darstellten (Maass Griechen und Semiten auf d. Isthm. 7). ist falsch (Meyer 42); es sind verschiedene Lesungen, bezeugt ist nur die eine oder die andere Form. Curtius Griech. Etym.⁵ 548 vermutet Zusammenhang mit ἄλλομαι und denSalii, Schweizer Kuhns Ztschr. XII 308 mit σέλας, Fick Ztschr. für vergl. Sprachf. XLIV 341 ff. leitet Helios von Hella ab, das er nach Hesych als alten Namen von Dodona betrachtet und als Göttersitz deutet (aus ἔδλα = sella). Mit ἐλλός ,stumm‘ bringt v. Wilamowitz Eurip. Her.² I 1 Selloi, Hellenes u. a. zusammen als Bezeichnungen durch stammfremde Nachbarn (Thumb Handb. d. griech. Dial. 12), Gruppe Gr. Myth. I 335 Helloi als Kennzeichnung der Art der Orakelerteilung (ὅν διὰ λόγων, ἄλλα διὰ τινων συμβόλων Strab. VII frg. 1 a); vgl. Kern o. Bd. V S. 12591.
Anmerkungen (Wikisource)
Vergleiche zu diesem Artikel auch den ausführlichen kritischen Kommentar und neuen Artikel von Ludwig Ziehen: Selloi. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band S V (1931) S. 963–967