Herakleion. 1) Ἡράκλειον (Strab. X 476. 484 Anon. stad. m. m. 348f. Ptolem. III 17, 6. III 15, 5 M.), sonst auch Ἡράκλεια (Plin. n. h. IV 59 Steph. Byz. Hs. O des Ptolemaios zum Unterschied von andern H. τὸ Κνώσσιον genannt, Strab. X 484) Hafenstadt von Knosos an der Nordküste von Kreta, s. Strab. X 476. Stadiasm. 341, in der Nähe des heutigen Iraklion (auch Megalókastron oder Kandia, das mittelalterlich von Χάνδαξ oder Χάνδακον [J. 1185 n. Chr.] Befestigungsgraben genannt ist, 9. oder 10. Jhdt. n. Chr. unter den Sarazenen). Strabon berichtet (X 476), daß zur Zeit des Minos die Hafenstadt von Knosos Amnisos (o. Bd. I S. 1871), nordöstlich von diesem gelegen, war. H. lag etwas westlicher, wie die
Hafenbautenreste beweisen, und 5 km von den Ruinen von Knosos. Pashley Travels I 189f. (vgl. Hoeck Kreta I 403f.) und H. Kiepert (Atlas von Hellas usw.) setzten nach Plinius (s. o.) Mation an die Stelle von Kandia, H. aber weiter östlich an der Mündung des Amnisos (jetzt Ποτάμι τοῦ Καρτεροῦ) an. Spratt Travels and Researches in Crete I 66f. und Bursian Geogr. von Griechenl. II 560, 3 nehmen das nicht an; denn in diesem Fall wäre Amnisos gleich mit H., was nach Strabon und andern nicht angenommen werden darf. H. und Mation sind nach Pitton de Tournefort Relation d'un voyage 74 und Sworónos Numism. de Crete 150 gleich Mation. Æ Münzen bei Sworónos Av. Schiffsvorderteil, ℞ Stern mit acht Radien, Granatbaum. Durch die mannigfaltigen Befestigungsbauten (χάνδακες u. a.) hat das Terrain vielfache Einwirkung erfahren, so daß das heutige Iráklion (Megalokastron) Sitz eines Metropoliten, der den Titel eines ἔξαρχος τῆς Εὐρώπης hat, nicht an der Stelle des antiken H. liegt; s. die Art. Herakleia Nr. 1 und Knosos.