8) Hermagoras. Quintilian bemerkt Inst. III 5, 14 sunt tamen inscripti nomine Hermagorae libri, qui confirmant illam opinionem (scil. inutiles oratori esse universales quaestiones, s. III 5, 12, d. h. die theseis) sive falsus est titulus sive alius hic Hermagoras fuit; nam eiusdem esse quomodo possunt, qui de hac arte mirabiliter multa composuit, cum, sicut ex Ciceronis quoque rhetorico (de inv. 16, 8) primo manifestum est, materiam rhetorices in thesis et causas diviserit? Die Annahme einer Fälschung gilt als die wahrscheinlichste (Literatur bei Susemihl Alex. Literaturgesch. II 479, 93b), wenn man auch nicht versteht, wie solch ein Mann, der zwischen H. Nr. 1 und Quintilian gelebt haben müßte, dazu kam, gerade die Grundlage des ganzen Systems auf den Kopf zu stellen; ein Fälscher pflegt sich doch nicht in den offenbarsten Gegensatz zu einem bekannten Original zu stellen. Allerdings ist Identifizierung mit H. Nr. 6 und 7 ausgeschlossen, dagegen ist wohl erlaubt, an den Stoiker H., den Schüler des Persaios, zu denken. Man beachte, daß Quintilian durchaus nicht von einer rhetorischen Schrift, sondern einfach von libri redet; nun wissen wir, daß die Philosophen den Rhetoren die Behandlung der universales quaestiones, der theseis, energisch bestritten und daß die Frage im Streit der Rhetoren und Philosophen eine große Rolle gespielt hat. Da wir aber von dem Stoiker H. eine Schrift περὶ σοφιστείας aus dem Verzeichnis des Suidas kennen, so ist anzunehmen, daß er sich dort mit der Frage der Thesen beschäftigt habe.