RE:Hippomanes

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Pferdegeil
Band VIII,2 (1913) S. 18791882
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Hippomanes [...] [1880] [1881] [1882] iö/y}}


Hippomanes

sehen Königs Antiochos II. Theos gehandelt. H. scheint wie so mancher Milesier vor und nach ihm an dem Seleukidenhofe eine angesehene Stellung errungen und sie dazu benützt zu haben, für seine Vaterstadt und deren Befreiung von dem Tyrannen zu wirken (s. z. B. das Eintreten des Milesiers Demodamas für seine Vaterstadt bei Seleukos I., gr. Inschr. publ. von Wiegand Sechster vorläuf. Bericht über d. Ausgrab. i. Milet und Didyma Abh. Akad. Berl. 1908, 43). Da die 1 seleukidische Politik bei dem damaligen Konflikte mit den Ptolemäern ihr Ziel u. a. auch darauf richten mußte, die kleinasiatischen Ionier, die zumeist dem Reiche verloren gegangen waren, wieder fest an sich zu ketten, und da dies bei Milet unter der Herrschaft des Timarchos kaum gelungen wäre, so hat sich denn Antiochos II. zur gewaltsamen Beseitigung des Timarchos entschlossen; die große Politik ist den persönlichen Wünschen des H. zu Hilfe gekommen. (Man darf eben nicht allein mit 2* den Bitten des H. operieren, wie dies Haussoullier a. a. O. und Dittenberger a. a. O. tun). Bei der großen Aktion des Antiochos an der ionischen Küste, die auch zur Wiedergewinnung von Ephesos geführt hat, hat der König auch Truppen, und zwar offenbar unter der Führung des H. (deshalb erscheint dieser als der Befreier), gegen Milet gesandt, und H. ist es gelungen, die Stadt zu nehmen und Timarchos zu beseitigen (Appian. Syr. 65). Der Versuch Dittenbergers, dem H. einen Helfer in 3( der Person eines Oheims Hippomachos zu konstruieren, beruht auf zu hypothetischen Ergänzungen, als daß man ihn für die Geschichtsdarstellung und für die Prosopographie verwerten dürfte. Die Tat des H. wird man in die erste Hälfte der 50ger Jahre zu setzen haben. Für die politische Situation, vgl. Beloch Griech. Gesch.

ΤΙΣ 1, 616ff. [Walter Otto.]

RE:Hippomanes

Hippomanes, ἰππομανές, τό, Pferdegeil. Unter diesem Namen werden drei- oder viererlei ver- 4( schiedene Dinge begriffen, die daher einzeln zu behandeln sind. Hauptstelle ist Aristoteles Ζιζ 18 p. 572 a, 9ff. ,Was die Weibchen anbelangt, so zeigen die Stute und die Kuh besonders heftigen Paarungstrieb: die Stuten werden nämlich ,roß-toll* (ἴππομανονοιν). Daher hat man denn auch vorzugsweise diesen von den Pferden gebräuchlichen Ausdruck als Schimpfwort auf zügelloser Geschlechtslust hingegebene Menschen (Frauen, Aelian. hist. anim. IV 11) übertragen. Man sagt 50 auch von den Stuten, daß sie um diese Zeit aufgebläht werden (ἐξανεμοῦοθαι) ... Wenn ihnen dies zustößt, so laufen sie von den übrigen Pferden weg. Es ist dies derselbe Zustand, welcher bei den Schweinen ,Ebertollheit* (τὸ καπρίζειν) genannt wird.... Ist dieser Zustand eingetreten, so lassen sie sich niemand nahe kommen, bis ihnen von der Anstrengung die Kräfte ausgehen, oder sie ans Meer gelangen (d. h. nicht mehr weiter laufen können): dann geben sie etwas 60 (1) von sich, was man ebenso wie (den) bei dem neugeborenen (Füllen befindlichen Körper) (3) ,Pferdegeil· nennt (rdw 3’ ἐκβάλλουσί w. xaXovot θ ftai τοῦτο, ὤσπερ (τό) ἐπὶ τὸν τικτομενον (πώλον adcLSchneider) A). Es gleicht dem Ebergeil (?) (χαχθΖά) und wird von den Quaksalberin-nen eifrig gesucht.* Dieses erste Λ (1) nun deuten Aubert-Wimmer Aristoteles Tierkunde (Leipzig [1880] Hippomanes 1880

1868) II 67 als einen festen Körper und denken an den Pferdebezoar» ein Konkrement aus dem Magen und Darm der Tiere. Aber warum sollten diesen nur die Stuten und gerade zur Brunstzeit ausscheiden? Eher könnte man an den Ausstoß mumifizierter Föten denken, der ja bei der Brunst schon wiederholt vorkam (vgl. Albrecht Geburtshilfe beim Pferde, in Bayer-Fröhners Handbuch der tierärztl. Chirurgie und Geburtshilfe, 0 Wien-Leipzig 1909 VII 2, 136). Aber Aristoteles scheint doch eine häufigere Erscheinung zu meinen und dann paßt hiezu nicht das folgende: fort δ' oTov καπρία. Also dürften doch nur schleimigblutige Ausscheidungen aus den Geschlechtsteilen gemeint sein. ,Das unaufhaltsame Laufen aber erinnert zunächst an den rasenden Koller oder Springkoller, doch ist von einer bestimmten Richtung nach Norden oder Süden dabei keine Rede⁴ (Aubert-Wimmer a. O. 66). Ganz deutlich sind 0 solche Ausscheidungen von Aristoteles anscheinend nach einer zweiten Quelle bezeichnet im weiteren Verlaufe: ,Um die Zeit der Begattung stecken die Stuten die Köpfe mehr als früher zusammen und bewegen den Schwanz lebhaft und stoßen eigentümliche von ihrem gewöhnlichen Wiehern abweichende Töne aus. Aus der Scham fließt ihnen ein dem Samen ähnlicher Stoff, der jedoch viel dünner ist als der männliche Same; manche nennen diesen 1. (2) und nicht den, der an den neuge-) borenen Füllen sich befindet. Es soll aber schwierig sein ihn aufzufangen, da er tropfenweise ausfließen soll. Wenn die Stuten roßtoll sind, so harnen sie oft und spielen miteinander⁴. Das stimmt genau mit den Angaben Albrechts a O. 137 (Allgemeine Erscheinungen der Brunst): die Tiere sind unruhig, zeigen sich bei der Berührung kitzelig, wenden ab und zu Kopf und Hals zu den Nachbarpferden... hochgradig rossende Stuten fressen bisweilen schlecht, sie ► kreischen (grillen) öfter eigentümlich, besonders bei Berührungen, stellen sich wie zum Harnen an, wobei sie den Rücken krümmen, die Hinterbeine auseinanderspreizen...., den Schweif heben ...., die leicht geschwellte Scham öffnen und wieder schließen. Hiebei beobachtet man eine starke Rötung der Scheiden- bezw. Vorhofsschleim-hau⁴ das Hervortreten des geschwellten Kitzlers und den Abgang eines gelblichen Schleimes, der in seltenen Fällen blutrot gefärbt ist. Man bezeichnet diese Erscheinung mit dem Namen Blinken oder Blitzen. S. 138: Befinden sich rossige Stuten mit anderen Pferden auf der Weide, so grasen sie an diese heran, beriechen und necken sie, quicken, grillen, heben bei Berührung... den Schweif und blitzen⁴. Auf dieses zweite i., das also sicher nur Brunstscbleim ist, bezieht sich auch Tibull. II 4, 58. Propert V 5, 18; vgl. Verg. georg. III 280 Aw demum h. vero quod nomine diount pastores, lenium destillai ab inguine virus, h. quod saepe malae legere novereae miscuerunique herbas et non innoxia verba Plin. n. h. XXVIII 181. Ovid. amor. I 8, 8. Ganz verschieden hievon ist das dritte I., das Aristoteles Ζιζ 22 p. 577 a, 3 folgendermaßen beschreibt »Wenn die Stute geworfen hat, so frißt me sofort das Chorion auf und frißt von dem Füllen die Masse ab, welche auf der Stirn aufritzt und Pferdegeil (L) genannt wird: sie ist von der Größe einer kleinen, ge- [1881] 1881 Hippomanes

trockneten Feige, platt, rund und dunkel. Wenn jemand diese Masse vorher wegnimmt und die Stute es wittert, so wird sie durch den Geruch wild und gerät in Wut. Daher trachten die Weiber, welche Zaubertränke bereiten, darnach und sammeln es.*

Hierauf bezieht sich das Theophrastfragment 175 Wimmer (Aelian. hist. an. III 17. Photii biblioth. 278, 8). Plin. n. h. VIII 165 erweitert dies: quod statim edito partu devorat feta aut partum ad ubera non admittit (Antigon. Caryst. 24), noch mehr Aelian. hist. an. XIV 18. Nach diesem sitzt das t. auch an den Lenden und Geschlechtsteilen. Die Stute beseitige es um der Erhaltung der Art willen, denn sonst würde das Junge an übermäßigem Geschlechtstrieb zugrunde gehen. Gleichfalls hieher gehören: Verg. Aen. IV 515. Solin. 45, 17. Lucan. Phars. VI 455. Iuvenal. VI 616. Die wahre Natur dieses i, hat zuerst festgestellt M. D’Aubenton Mémoire sur Γ h. in Histoire de l'académie Royale des Sciences, année 1751, Paris 1755 S. 293ff. doch hat schon Ruini von Bologna in seiner Anatomia et medicina equorum nova es für Absonderungsprodukte der Eihäute und des Fötus erklärt. Jenem folgt Buffon (Bd. I S. 60 der Berliner Übersetzung von 1771 seiner histoire naturelle), weitere Literatur bietet Thieke Die H. des Pferdes, Gießen 1911. Dieser gibt eine genaue Untersuchung der «.-Gebilde nebst Abbildungen; das Ergebnis ist S. 34 zusammengefaßt. Ich gebe es in der kürzeren Fassung bei Albrecht a. O. 185: ,in der Allantois findet man zuweilen platte olivengrüne oder bräunliche Körper, die mit der äußeren Eihülle, dem Chorion, und äußeren Blatte der Allantois in Verbindung stehen. Man bezeichnet sie als Fohlengift, Fohlenbrot oder i. S. 186*. Sie stellen abgeschnürte und verödete Teile der äußeren Fruchthülle dar, welche bei ihrem raschen Wachstum divertikal nach innen sich bildete. Schließlich veröden sie. reißen ab und schwimmen dann in der Allantoisflüssigkeit. Sie bestehen nach Bonnet (Grundriß der Entwicklungsgeschichte der Haussäugetiere, Berlin 1891, 245) aus strukturloser, sehr dichter Grund-substanz und nekrotischen Zellmassen, haben geschichteten Bau und sind mitunter von kugeligen Hohlräumen durchsetzt. Nach Thieke a. O. werden in die äußeren Schichten auch noch Kristalle von Tripelphosphat, Oxal- und Harnsäure aufgenommen.... Bei der Geburt scheinen nun solche Gebilde gelegentlich verschiedenen Körperteilen des Fötus anzukleben, sodaß die Meinung entstehen konnte, sie wären diesem angewachsen*.

Der antike Aberglaube schrieb nun dem /. in jeder Form große Wirksamkeit zu, besonders zu Liebeszauber, wie schon oben angeführte Stellen beweisen, vgl. auch den Art. Aberglaube o. Bd. I S. 75, 51. Iuvenal VI 133. Hesych. s.}} I, (ταντφ χρώτται πρὸς τὰ φίλτρα al φαρμακίδες). Nach Aelian XIV 18. Pausan. V 27, 2. Plin. n. h. XXVm 181 war seine Wirksamkeit so stark, daß ein ehernes Stutenbild in der Altis von Olympia alle Hengste brünstig machte, weil der Künstler irgendwie darin I. angebracht hatte.

In übertragenem Sinn erscheint I. gebraucht bei Columella VI 27 ffuoniam id praeciput ar-mentum, μ prohibeat, libidinis exstimuiatur [1882] Hippomedon 1882

furiis., wüte etiam veneno inditum est nennen i., quod equinae cupidini similem wortalibus amorem aecendat. Bei den medizinischen Fachschriftstellern wird es nicht erwähnt.

Schließlich ist L auch noch der Name einer Pflanze (4). natürlich gleicher oder doch ähnlicher Wirkung halber gegeben. Nach Theokrit. II 48 ist es ein Kraut bei den Arkadern, das alle Fohlen und Stuten toll macht, vgt Serv. georg. III 280. 10 Bei Dioskurides II 173 W. ist 1. ein Synonym der κάππαθις, im Ps.-Dioskurides IV 80 W. (Text der Wiener Handschriften) ein solches des ἀπόκννον. Vielleicht gehört hieher auch Sophokl. Aias 142 ἄε τὸν Ἴππο μανὴ λειμῶν ἐπιβάντα.

RE:Hippomedon 1

Hippomedon θππομέδωνθ ὄντος ,der der Rosse Waltende*Fick-Bechtel Griech. Personen-nam.² 199. 399. Boisacq Dict. étym. d. 1. lang. Grecque p. 618 s. μέδω, z. B. Aeschyl. Sept. 471. Eurip. Phoen. 126. Diod. IV 65, 7. CIA ΓΠ 20 3610. IG IV 614, ὁ *Ιπομέδων. Ἰππομέδοντες Anth. Pal. app. 147 Jacobs = Kaibel Ep. Gr. 573, 1. Hippomedon Stat. Theb. I 44. Hyg. fab. 70 p. 73, 10 B. u. s.). 1) Der Sohn des Talaos (Soph. Oed. Kol. 1317. Schot Eurip. Phoen. 126 auf Aristarch frg. 5 zurückgehend. Apollod. III 63) oder des Aristomachos, des Talaossohnes (Apollod. III 63, vgl, I 103), oder des Nesimacbus und der Mythidice, der Tochter des Talaos und Schwester des Adrast (Hyg. fab. 70 p. 73, 10 B.), oder 30 des Nesimachus und der Nasica (Schol. Stat. Theb. I 44); vgl. Paus. X 10, 3, wo H. Sohn einer Schwester des Adrast und somit Enkel des Talaos genannt ist. Er stammte aus Argos (Paus. X 10, 3. Apollod. a. a. O. Hyg. a. a. O.; aus Mykene = Argos nach Eurip. Phoen. 125 und Schol. z. St. Stat. Theb. IX 514; vgl. über sein Wappenschild Eurip. Phoen. 1114ff.) und zeichnete sich durch gewaltige Körperkräfte aus (Aeschyl. Sept. 470ff. und Schol. z. St. Eurip. Phoen. UM; Suppt 40 881; vgl. seine Taten bei Statius Theb. VI 728ff. u. s. und die ihm dort beigelegten, seine Furchtbarkeit bezeichnenden Epitheta wie ferus, furens usw., s. Carter Epith. deor. 44 s. H.). Seinen Wohnsitz hatte er in Lerna (4«ρναῖα νάματ οἰκεί Eurip. Phoen. 126), wo auf dem Berge Pontinos noch zu Pausanias Zeit die Grundmauern seiner Burg zu sehen waren (Paus. II 36, 8 und Hitzig-Blümner z. St.; nach Gruppe Griech. Myth. 528, 3 war H. ursprünglich Kultname des 50in Lerna verehrten Poseidon, vgl. u. Nr. 12). Er nahm teil am Zuge der Sieben gegen Theben (Aeschyl. Sept. 469 u. s. Diod. IV 65, 7. Apollod. III 63. Paus. X 10, 3 u. s.; über die Liste der Sieben in der Literatur vgl. Pomtow Klio Vin 324ff.); nach Aeschyl. Sept. 470 und Apollod. III 68 war dem H. das Onkaische Tor, nach Eurip. Phoen. 1113 das Ogygische Tor zur Erstürmung zugewiesen worden; vgl. Hesych. s. *Όγκας Ἄθηνας * τὰς Ὠγυγίας πυλας λέγει und 60 dazu Tümpel Philol. Jahrb. Suppt XI 690).

Alle Führer fielen vor Theben mit einziger Ausnahme des Adrast (Diod. IV 65, 9); H. wurde getötet von Ismaros, des Astakos Sohn (Apollod. III 74; vgt über Ismaros Gruppe Griech. Myth. 534, 5), oder von Hyperbios (Aeschyt Sept 485ÆL vgt auch Philostr. MAL