RE:Kallimedon 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Κάραβος, Sohn des Kallikrates, attischer Redner und Politiker, 4. Jhdt. v. Chr.
Band X,2 (1919) S. 16471648
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Kallimedon. 1) Sohn des Kallikrates (IG II¹ 2, 780 Z. 11), aus dem Demos Kollytos (das Demotikon außer in der angeführten Inschrift noch bei der Anführung seines Sohnes Aphobos als Antragsteller, IG II² 653 Z. 7ff.), attischer Redner und Politiker. Seine persönlichen Eigenschaften haben in reichem Maße den Spott der Komiker herausgefordert: er schielte (Timokles frg. 27, II 463 K.) und war ein gefräßiger Feinschmecker (Athen. III 104 c, dazu Alexis frg. 168, II 359 K. Timokles frg. 247, II 388 K.), der besondere Vorliebe für die μήτοα (Alexis frg. 193, II 368 K. Euphron FCG IV 492 M.), Fische (Athen. VIII 339 e.f. Alexis frg. 53, II 316 K.) und Krabben (Antiphanes frg. 26, II 20 K. und Alexis a. O.) hatte; er führte daher den Spitznamen Κάραβος (Alexis frg. 168. 193. Timokles frg. 27. Euphron a. O., dazu Telephanes FHG IV 507. Plut. Demosth. 27; Phoc. 27, Athen. III 100 c). Auch mit Lebedamen scheint er im Verkehr gestanden zu haben (Antiphanes frg. 26 mit Kocks Anm.); dann war er Mitglied eines Klubs von Spaßmachern (Telephanes a. O., wozu Hegesandros FHG IV 413, vgl. Schäfer Demosth. III² 32, 1). Über sein früheres Leben wissen wir nichts; zuerst tritt er IG II 2, 780 als Bergwerkspächter (ὠνητὴς ρετάλλων) auf, was einen Schluß auf seine günstigen Vermögensverhältnisse zuläßt. [1648] Eist in der kurzen Zeitspanne von 324 bis 316 kommt er in den Vordergrund, obwohl er gewiß schon früher im Sinne der makedonenfreundlichen Partei als Gegner des Demosthenes tätig war (Athen. III 100 c. Luc. Demosth. encom. 46. 48); sein Verhalten entsprach dabei der Überlieferten Charakterisierung als frech zufahrend und oligarchisch gesinnt (Plut. Phoc. 27, ebenda 35 als μαστιγίας bezeichnet). Er mußte infolgedessen Athen verlassen und befand sich 324 in Megara, wo er unter anderen attischen Flüchtlingen eine Verschwörung zum Umsturz der attischen Staatsordnung angezettelt haben soll; Demosthenes brachte deswegen gegen ihn eine Eisangelie ein, die er später zurückzog (Dein. I 94). Von da aus begab er sich zu Antipater und wirkte 323 während des lamischen Krieges im Verein mit Pytheas und makedonischen Gesandten gegen einen Anschluß der peloponnesischen Staaten an den Aufstand (Plut. Demosth. 27). Bei den Verhandlungen der attischen Gesandten mit Antipater nach der Schlacht von Krannon (322) war er in dessen Gefolge und fuhr in unverschämter Weise auf Phokion los (Plut. Phoc. 27, dazu Droysen Gesch. d. Hcllenism. II² 1, 78. 3. Schäfer a. O. III² 390). Infolge der oligarchischen Umgestaltung kehrte er nach Athen zurück und hat von da ab jedesfalls eine leitende Stellung, ungewiß in welcher Beamtung, eingenommen (Beloch Gr. Gesch. III 1, 80). Bei dem demokratischen Umschwung im Frühjahr 318 (zum Zeitpunkt desselben Wilhelm Wien. Jahresh. XI 92ff. Ferguson Hellenistic Athens 32, 1), durch den er jedesfalls des Amtes entsetzt wurde (Diod. XVIII 65, 6), flüchtete er mit anderen zu Nikanor in den Piraeus (Plut. Phoc. 33) und wurde in der darauf folgenden Verhandlung gegen Phokion und dessen Genossen von der Volksversammlung zum Tode verurteilt (Plut. Phoc. 35). Nach einer verdächtigen Quelle soll K. in der Verbannung in Makedonien gelebt haben (Ps.-Aesch. Ep. XII 8). Sein Sohn war Agyrrhios (s. den Art. Agyrrhios Nr. 2). Vgl. auch De Sanctis in Studi di storia antica II 6. 11. Kirchner Pros. att. I 8032.