RE:Karneios 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Epiklesis d. Apollon
Band X,2 (1919) S. 19891992
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Karneios. 1) [...] [1990] [1991] [1992]

RE:Karneion

Karneioe (Κάρ*«ος). 1) Epiklesis des Apollon (8 tu dem und Aneed. I 267, s. auch Nonn. XVI 104; o. Bd. II S. 54L), ursprünglich selbständiger Gott Grundlegend W i d e Lakon. Kulte 73ff. und in Roschers Myth. Lex. II 961ff.; hiernach Vürtheim Mnemoe. XXXI (1903) 284ff. (ohne selbständigen Wert). Eitrem Der vordorische Widdergott, Christiania Vid. Selsk. Forhandl. 1910, 4 (viel Ungehöriges miteinbezogen). Die Münzen behandelt Imhoof-Blu-mer'ApolIon K., Revue Suisse de Numiem. XXI (1917) 5ff. (leider ohne Bezugnahme auf die Untersuchungen vonWide und Eitrem). Der Name wird nach Lobecks Vorgang jetzt einstimmig aus κάρνος [1990] û.arneios


Feste 141). Die Festgebräuehe gestatten, ihn zu den von Mannhardt geschilderten Erntedämonen zu stellen, ursprünglich hatte er sicher Widdergestalt (Wide nach Mannhardt Wald -und Feldk. II 254L, dem Usener Kl. Schrift. IV 287f. Frazer zu Paus. V 332. Nilsson Gr. Feste 120 folgen). Ursprünglich wurde der verfolgte Tierdämon getötet, wovon wahrscheinlich die Tötung des Karnos (s. d.) in der ätio-10 logischen Sage eine Widerspiegelung ist. Das

Wesen des Gottes, eines Ernte- und Fruchtbarkeitsgottes, scheint aufgeklärt; die Diskussion über die Geschichte des Kultes dagegen ist nicht zum Abschluß gebracht. Für die Ausbreitung ist die Beurteilung der Münzbilder ausschlaggebend; Imhoof-Blnmer hat nach älterem Vorgang gezeigt, daß der unbärtige Jünglingskopf mit Widderhörnern Apollon K. darstellt; die ältere Deutung als Zeus Ammon (Dionysos 20 bedarf keiner Widerlegung) ist unzulässig, denn gleichzeitige Münzen derselben Städte bilden den Zeus Ammon mit Vollbart ab. Über die lokalen Kulte wissen wir nur wenig, abgesehen von Sparta-, was hier sich findet, darf aber nicht alles für andere· Orte in Anspruch genommen werden. Zum folgenden sind hinzuzunehmen die Belege vom Monat Karneios und Fest Karneia; theophore Namen bei Sittig De graec. nomin. theoph. 41.

30 A. Lakonien. 1. Sparta. Tempel nahe dem Dromos, Paus. III 14, 6; diesen hat Kapsalis Ann. Brit. School Athens XV 81ff. in dem sog. Leouidasgrabe wiedererkannt, weil in der Nähe eine alte Votivinschrift (IG V 1, 222) für K. (ohne Apollon) gefunden wurde, über der Inschrift ein Paar Widderhörner. Paus. 26, 5 Xoanon in Sparta; aus der Hauptstelle III 13, 3–5 kann nicht ersehen werden, ob noch ein Tempel oder nur ein Bild gemeint sei (Kobert Pausan.

40 4). Hier gibt Pausanias die Ätiologie des Kultes (s. Karnos) und sagt, daß K. den Beinamen Oiketas trug und vor dem Heraklidenzug in dem Hause des Sehers Krios von den Achäern verehrt wurde. Der Beinamen findet sich auch auf Inschriften der Kaiserzeit, die den Priester und die Priesterin erwähnen. Καρνείου Βοικέτα καὶ Καρύου Δρομαίου. IG V 1, 497. 589. 608. Es sind wohl zwei Kulte zu unterscheiden: K. Oiketas Paus. III 13, 3 und K. Dromaios 14, 6, vgl.

50 o. Bd. V 8. 1712. Außerdem Paus. III 20, 9: außerhalb Sparta auf dem Weg nach Arkadien ein Temenos des Kranios Stemmatios; dieser wird von Wide (79, dem Nilsson Gr. Feste 121 folgt) überzeugend mit K. identifiziert, dessen Name von Paus. III 13, 5 von χρόνια = Kornel abgeleitet wird. 2. Gythion, Bild des Apollon K., Paus. III 21, 8; Tempel des Apollon in Inschriften des 1. Jhdts. v. Chr., IG V 1, 1144 1. 3. 1146, 54; Priester 1144 1. 24. Auf den 60 Münzen der Kaiserzeit eine Apollonstatue, hinter der eine Panstatue, Gardner und Head Numis-mat. comm. on Paus. 61 Taf. N 23 (24 ohne Pan). Hiermit vergleicht Imhoof-Blumer (p. 8) ein apulisches Vasenbild (C. R. Ac. imp., Petersb. 1862 pl. V 3 p. 79f.), worauf ein junger Gott mit Widderhörnern in ähnlicher Stellung, hinten Pan, vorn sitzendes Weib. 3. Apollon Hyper-teleates' Tempel bei Epidauros Limera, Tänie [1991] 1991

Karnewe

mit Ἰγῖον, IG V 1 8, 1090. 4. Berg Knakadion bei Lae. Paus. III 24, 8, vgl. Polyb. V 19: Kθ· woc. In Las ist ein hennenartiger Pfeiler mit Widderkopf gefunden worden, auf K. bezogen von B. Schröder Athen. Mitt. XXIX (1904) 21; vgl. Eitrem a. O. 20f. 5. Oitylos, Paus. III 25, 10 Bild. 6. Leuktra, Paus. III 26, 5, Xoanon wie in Sparta. 7. Kardamyle, Paus. III 26, 7.

B. Andere dorische Staaten. 1. Messenien. a) Pharai. Hain mit Quelle, Paus. IV 31, 1. b) Karnanion. Hain bei Andania, Paus. IV 33, 4, wo auch ein Bild des Hermes, einen Widder tragend, stand. In dem Haine wurden die Mysterien von Andania gefeiert (nach der Tradition früher in Andania selbst, Paus. IV 1, 9), so auch die Mysterieninschrift IG V 1, 1390 1. 7, Opfer für Apollon K. 1. 34 und 69, Priester 1. 97; vgl. Nilsson Gr. Feste 339ff. 2. Sekyon. Pausanias sah zwei Tempel, II 11, 2 eine Ruine, 10, 2 einen Teil des Asklepiostempels, nur den Priestern zugänglich. Große Rolle der Priester nach der Königszeit, Euseb. chron. I 176. II 56. 3. Argos (Karneia Thuk. V 54. IG IV 620). Nach Theo-pomp. bei Schol. Theocr. V 83 nannten die Argeier Apollon K. Zeus und Hegetor; hiermit kombiniert Usener (Kl. Schrift. IV 287; vgl. Nilsson Gr. Feste 123) die auf die Kameen bezüglichen Wörter}} ἀγητῆς und Ἀγητόρια. In Argos wurde also K. nicht dem Apollon, sondern dem Zeus angegliedert, vgl. o. Bd. I S. 807. 4. Thera. Priester IG XII 3, 513. 508. 519 und wahrscheinlich 512 stammen aus dem Apol-lontempeh 3 Suppl. 1294 (vgl. Nilsson Gr. Feste 125 über 452 und Suppl. 1324). Pind. Pyth. V 73. 5. Kreta, a) Gortyn, GDI 5009b: Zehnten für Καν(ν)ή·ω Καρνιῖῳ. b) Münze von Kno-soe, Imhoof-Blumer n. 10; s. Monat Kameios. 6. Rhodos, Priester in Kameiros IG XII 1, 705 L 20. 697 und Lindos 842 Σαρπίου [του χατά 2] Λώρυμα, also vielleicht in Loryma; außerdem Ἐφημ. θρχ. 1907, 218, vielleicht 1913, 6. 7. Kos SIG² 446, in Patmos gefunden. 8. Knidos, GDI 3527, wo theophore Namen von Knidos verzeichnet werden. Bull. hell. XXXIV (1910) 425.

9. Kyrene. Kallim. Ap. 77ff.: Stieropfer, Waffentanz, Altäre immer mit Blumen geschmückt, ewiges Opferfeuer. Pind. Pyth. V 73f.; K sei ans Sparta über Thera nach Kyrene gekommen. Auf den Münzen des 4. und 3. Jhdts. Imhoof-Blumer S. 5f. n. 2–6, 8.}}

0. Nichtdorische Staaten. 1. Tenos, Münze, Imhoof-Blumer n. 12. 2. Mitylene, Münze, Imhoof-Blumer n. 17. 3. Apbytis in Makedonien, Münze, Imhoof-Blumer n. 15. 4. Insel Lepsine bei Patmos}}, Ἐφημ. ἀρχ. 1863, 262 n. 231, Text der Inschrift unsicher. 5. Metapont, Münze, Imhoof n. 22–24; vgl. Head HN¹ 77. 6. Vielleicht Thurioi, Theocr. V 83 ist nicht absolut beweisend, wird aber durch die Münzen von Metapont gestützt. 7. Theben wird oft erschlossen aus Pind. Pyth. V 73ff., was ganz unzulässig ist.

D. Nichtgriechen. 1. Die Münzen von Nuceria Alfaterna zeigen den jungen Gott mit Widderhörnern, Imhoof-Blumer n. 26–27; der Typus ist wohl aus Metapont herübergenommen, um eine einheimische Gottheit zu personifizieren. 2. CIL II 125:[1] ...}} Cameo... aus Lusitanien mit unsicherem Text, ist fernzuhalten. [1992] ΛΛΓηβΙΟΒ}}

Die Ausbreitung, wozu die Belege vom Fest und Monat hinzutreten, zeigt, daß der Gott namentlich bei den Dorern Verehrung genoß, wie die antike Auffassung ausspricht, Thùk. V 54. Paus. III 13, 3 und 26, 7. Den kyreuäischen und theräischen Kult leitet Pindar von Sparta ab. Hiergegen steht Pausanias' Nachricht, daß K. Oiketas in Sparta vordorisch ist. W i d e Lak. Kulte 85, dem die meisten modernen Forscher 10 folgen, sieht daher in K. einen vordorischen Gott; die Beziehung zu den Minyern wird man jetzt nicht mehr ernstlich in Betracht ziehen; ein* leuchtende Gründe werden nicht gegeben, v. Wi-lamowitz Henn. XXXVIII 58 (s. auch Aly-Kretischer Apollokult 8f) erklärte dagegen}} K für einen dorischen Gott, indem er auf die akar-nanische Herkunft des Karnos großes Gewicht legte. Mehr überzeugend war das Argument, daß die Ausbreitung nicht von Sparta aus vor 20 sich gegangen ist, was der Fall sein mußte, wenn Pausanias’ Nachricht den Beweis für nichtdorische Herkunft lieferte. Nach den Untersuchungen Imhoof-Blumers kann die dorische Herkunft nicht mehr behauptet werden; ein Gott, den wir K. nennen müssen, zeigt sich ebenso häufig auf nichtdorischen wie auf dorischen Münzen; namentlich das achäische Metapont stimmt gut zu Pausanias achäischem Gott Ein Widdergott im allgemeinen, bald mit Hennes, 30bald mit Apollon sich vereinigend, wie Eitrem annimmt, scheint mir keine befriedigende Lösung; K. ist vor allem der Gott der Kameen. Die Schwierigkeit liegt darin, daß die Spuren des Kultes nicht mit den literarischen Zeugnissen stimmen. Pindars Herleitung des kyrenäischen Kultes von Sparta paßt zu keiner der vorgebrachten Hypothesen und ist überhaupt nicht zu halten. Pausanias’ Nachricht vom vordorischen Oiketas ist eigentlich kein Beweis gegen die Auf-40fassungvon v. Wilamowitz; denn Oiketas findet sich sonst nicht, und man konnte annehmen, daß der K. der Spartaner mit einem achäischen Oiketas zusammengeschmolzen war, und die eigen* tümlichen spartanischen Festgebräuche dem älteren Kult vindizieren. Jedenfalls liegt die Aue-breitungsgeschichte des Kultes nach dem Erscheinen des neuen Materials mehr im Dunkel als vorher.

[Adler. ]
  1. Corpus Inscriptionum Latinarum II, 125.