RE:Kasia 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Landschaft in Asien, bekannt durch d. Handelsverkehr mit China
Band X,2 (1919) S. 22612263
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Kasia. 1) [...] [2262] [2263]

Kasia. 1) Ptolemaios verwendet diesen Namen, um damit zwei geographische Begriffe in den entlegensten Teilen Asiens zu bezeichnen, die der griechischen Welt erst durch den direkten Handelsverkehr mit China, dem Lande der Seren, bekannt geworden sind. In Skythien jenseits des Imaon nennt er eine Κασία χώρα (VI 15, 3) und zwar südlich von einer Αὐζακιτις χώρα und nördlich von den Χαίται Σκνθαί und einer Ἀχάαα χώρα. Noch weiter im Osten verzeichnet er die Σάσια ὄρη, ein Gebirge, das nach seinen Angaben VI 15, 2. 16-, 2 Unter 152° Osten und 41° Norden beginnt und sich in nordöstlicher Richtung bis in das Seidenland hinein erstreckt, um hier unter 162° Osten und 44° Norden zu endigen.

RE:Kasia 1

Die Bedeutung von K. kann nur im Rahmen der ganzen Länder Skythien und Serike verstanden werden. Manche Autoren, wie Humboldt Central-Asien I 115. Ritter Erdk. VII 409, berufen sich auf den Namensanklang an Kascbgar, jene Stadt, welche im westlichen Winkel des Tarimbeckens einen wichtigen Kreuzungspunkt der innerasiatischen Handelsstraßen gebildet hat; und danach deuten sie die beiden Namen als Gegend bezw. Gebirge von Kaschgar; dem steht aber entgegen, daß Ptolemaios, wenn er das alte Kaschgar aufgeführt hätte, es doch jedenfalls als Ortschaft und nicht etwa als Distrikt bezeichnet hätte. Dazu kommt, daß für das Altertum von chinesischer Seite die entsprechende Form für Kaschgar noch nicht nachzuweisen ist, sondern nur die Bezeichnung Sä-lek, was wohl auf Sarak oder Särak zurückgeht (Marquart Wehröt und Arang 68). Erst Frh. v. Richthofen hat die Etymologie des Namens K. richtig erkannt (China I 485, indem er ihn auf Kasch zurückführt, womit man noch heute den im westlichen Kwen-lun-Gebirge vorkommenden Nephrit, das Yü der Chinesen, bezeichnet. Hierzu sei noch die Bemerkung Marquarts angeführt (Volkstum der Komanen 201), daß das osttürk.}} Nephrit auf eine alte Vrddhiform khaAa ,Stein aus dem Lande Khasa* zurückgehen muß.

RE:Kasia 1

Völlige Klarheit über die gesamte Frage gewinnen wir, wenn wir nicht bei der Ptolemaios-karte stehen bleiben, sondern auf die hier ganz wesentlich abweichende Marinoskarte und ihre Hauptquelle zurückgehen. Die Marinoskarte stellt die}} Κάσια δρή, da sie mehr nach Süden und 45° weiter nach Osten reicht, in viel größerer [2262] Ausdehnung und in mehr südlichen Gegenden dar, nämlich vom 36° Norden 168° Osten bis zum 38° Norden 191° Osten; danach scheint das Gebirge mit den Ἠμωδὰ δρή (Himälaya) in Verbindung zu stehen und sich nach Norden zu einer weiten Ebene herabzusenken, zum Fluß* gebiet des ὈΙχάρδης, der seine westliche Quelle in den Αὐζάκια δρή, seine südliche Quelle eben in unserem K.-Gebirge, unweit der Stadt Ἰσαηδῶν

10 Σηρική, hat (Näheres Herrmann Mitt. d. Geogr. Gesellschaft Wien 1915). Als Vorlage diente dem Marinos das bisher so rätselhafte Itinerar des Maës (um 100 n. Ohr.), das wir jetzt Satz für Satz wiederherstellen können« da es hinsichtlich Ostturkeetans aus demselben chinesischen Reiseführer übersetzt ist, welcher sich uns in den Annalen der früheren Han Dynastie darbietet (Näheres ün Art. Issedoi o. Bd. IX S. 2241, 8ff.). Wenn wir hiernach die chinesischen Annalen selbst

20reden lassen, so zeigt sich, daß in der Tat genau dieselben Worte von Marinos verwertet sind. Setzen wir neben den altchinesischen in Klammern gleich die marinischen Namen ein, so ist das K.-Gebirge in der allgemeinen Beschreibung Ostturkestans sofort wiederzuerkennen (s. Wylie Journ. of the Anthropological Institute of Great Britain and Ireland 1881, 20): ,1m Norden und Süden ziehen sich große Gebirge hin (Tien-schan = Ἀννίβα δρή. Kwenlun = Χάοια ὄρη). Durch

30 die Mitte fließt ein Fluß (Tarim = Οἰχάρδης). Der Fluß hat zwei Quellen, die eine kommt aus dem Ts*ung ling-Gebirge (Ἀνζάκια ὄρη), die andere kommt von Ho-ten (Chotan, eigentlich = Χαύρανα Ptolem. VI 15, 4, hier = Ἴσαηδων Σηρική am südlichen Quellfluß des ὈΙχάρδης). Ho-ten be-flndet sich am Fuße des Südgebirges (Κάσια ὄρη). Nordwärts fließend, verbindet sich dieser Quell-fluß (Chotan-darja = ὈΙχάρδης) mit dem vom Tse [2263] hochgeschätzten Nephrits am Tjerijen-darja, am Karakasch- und Jurunkasch-daija und am oberen JarkendfRaskem)-darja. Wenn wir nunmehr beachten, daß auf der Marinoskarte für Schan-schan Ἰσσηδῶν Σηρική, für Bo ten Ἴανρανα, für Sa-kü Σοίτα ein tritt, dann sehen wir auch die letzten Fragen hinsichtlich des Namens K. gelöst. Das Vorkommen von qäf = Nephrit bei Ἰσσηδῶν Σηρική suchte Marinos dadurch auszudrücken, daß er das benachbarte Södgebirge Κάσια ὄρη 10 benannte, während er das Vorkommen von qa § bei Χαύρανα durch die entstellte Form ὑχάσα χώρα und dasselbe Vorkommen bei Σοῖτα durch Kaala χώρα wiedergab. Damit ist zugleich die Übereinstimmung zwischen K.t qäst Yü und Nephrit vollkommen gesichert.