RE:Kasios 2
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Epiklesis d. Zeus | |||
| Band X,2 (1919) S. 2265–2267 | |||
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2) Κάοιοςθ Epiklesis des Zeus in einigen orientalischen Kulten. Die handschriftliche Über* lieferung der meisten Verfasserstellen schwankt zwischen K und Κάσοιος; die Herausgeber ziehen mit Recht die Form mit einem o vor, denn diese wird durch das Metrum in Anth. Pal. VI 332 gestützt und herrscht auf den Inschriften und 1 Münzen. Doch finden sich beide Formen auf den kerkyräischen Münzen der ersten Kaiserzeit (Cat. Brit. Mus. Thessaly to Aetolia S. 154 und 159 mit σσ, die Form mit -o- ist auch hier in der Majorität), so daß die Nebenform auch antik ist. Eine solche Schwankung ist bei einem Namen orientalischer Herkunft nicht auffallend.
Am bekanntesten (vgl. Lactant. inst. I 22) sind die zwei orientalischen Kulte auf dem Ka~ οἷον ὄρος an der Mündung des Orontes und auf 2 dem gleichnamigen Berge nahe Pelusion (Bau-dissin Stud. z. semit. Religionsgesch. 238ff.):
1. Κάσων am Orontes. Seleukos opferte auf dem Berge dem Zeus K. und befragte ihn, wo er eine Stadt gründen sollte; ein Adler gab das Zeichen, und Seleukeia Pieria wurde gegründet, MalaL VIII p. 199. Traian weihte dem Zeus Beutestücke, Suid. s. Κάσιον ὄρος (vielleicht aus Arrians Parthica, Roos Studia Arrianea 33). Anth. Pal. VI 332. Das Heiligtum wurde be- ί sucht von Hadrian, Hist. aug. Hadr; 14, und Iulian. Ammian. Marc. XX 14, 4. Iulian Misopog. 361. Auf dem Berge feierten die Antiochener ein Fest zur Ehre des Triptolemos, Strab. XII 750. Das wichtigste Zeugnis vom Kulte findet sich auf den Münzen Seleukeias, alle aus der Kaiserzeit. Den einen Haupttypus zeigt ein Stein in einem Tempel, meistens mit Beischrift Ζευς Κθοιος. Cat. Brit Mus. Galatia-Syria (Wroth) p. LXXI 272. 274f. PI. XXXII 9. XXXIII 3f. 7f. Der Stein hat zwei Spitzen und wird daher von Wroth und von Baudissin (S. 242) als ein Bild des hl. Berges erklärt, von Lenormant (z. B. in Daremberg-Saglio Diction, s. Casius) als Aerolith. Jedenfalls hat dieser Stein nichts zu tun mit dem Donnerkeil, der den anderen Haupttypus der Münzen Seleukeias bildet mit der Beischrift Ζευς Κεραύνιος (s. Ker au n io s); dieser Kult war sicherlich in der Stadt Seleukeia angesiedelt. Auch das Medaillon des L. Verus (Fröhner Médaillons de l’emp. rom. p. 90) mit einem Zeus, der den Donnerkeil hält, darf nicht auf K. bezogen werden (so Drexler in Roschers Myth. Lex. II 971f.). Euhemeristische Sagen suchten den Kult des Zeus K. aus Griechenland herzuleiten, Serv. Aen. III 680. Steph. Byz. s. Κάσος. MalaL II p. 28. VIII p. 201, vgl. Kasion und Kasos.
2. Das Heiligtum des Zeus K auf dem Berge Kasion bei Pelusion wird kurz erwähnt Strab.
J°s®ph. bell. lud. IV 661. Luc. Phars, VIII 858. Plin. n. h. V 12. Die Lage w?d bestimmt von Clédat C. R. Ac. Inscr. 1905, 603ff.; seine Ausgrabungen haben einen Tempel mit Dedikation an Zeus K. zutage gefördert (Arch. Anz. 1914, 294 nach Annales du service des Antiquit de l'Egypte, mir unzugänglich). Nach Sext Emp. Ἤνρ. III 244 waren Zwiebel bei dem Opfermahl verpönt. Achilles [2266] UMIVB
AAUV
Tatiog III 6 beschreibt das Tempelbild; der Gott war als Jüngling dem Apollon ähnlich, in der Hand einen Granatapfel, worum sich ein λόγος μυστικός drehte, dargestellt; er war Orakelgott. Diese Beschreibung paßt auf eine Münze von Pelusion, Dattari Numi Augg. Alesandrini I p. 418 nr. 6345 Taf. XXXIV (Traian): Harpo-krates als Jüngling, stehend, mit Zepter in der linken, Granatapfel in der rechten Hand, wo-0 gegen ein kleiner Pan die Hände ausstreckt (die
Granate als Münzzeichen ebd. nr. 6348 Taf. XXXV Hadrian, vgl. Cat. Brit. Mus. Alexandria p. 851; Kopf des Harpokrates Dattari nr. 6346 Taf. XXXV; mit beigesetztem kleinem Granatapfel Brit Mus. pl. XVII nr. 764). Entweder hat Achilles Tatios, ein sehr bedenklicher Gewährsmann, den K. und den Harpokrates zusammengeworfen, oder ein Synkretismus hatte tatsächlich stattgefunden; für die ältere Zeit hat Achilles’ !0 Bericht schwerlich Gültigkeit Epiphanios’ (ancor.
106) euhemeristische Angabe, daß ein ναύκληρος K. von den Pelusioten verehrt wurde, deutet Baudissin 243 treffend auf Kult seitens der Seefahrer. Daher darf wohl mit dem pelusischen Kulte ein Fund bei Palos in Spanien in Verbindung gesetzt werden; im Meere wurden antike Bleianker aufgefischt mit hebräischen, lateinischen und zwei griechischen Inschriften; die eine galt Aphrodite σώζουαα, die andere Zevs Κάσις 50 σωζζων) (die Ergänzung der zwei letzten Buchstaben unsicher), Boletin d. 1. Real Ac. d. Histo-ria 1906, XLVIII 157f. Drexler (in Roschers Myth. Lex. II 973) sieht mit Wahrscheinlichkeit ein Weihgeschenk in einem Bronzesiegel in Leiden mit ägyptischem Kopfputz und der Inschrift dwç Κασίον, Ἄθηνας ἼΑππιανον ί (Leemans Descript. rais. d. mon. ég. Leide 110 nr. 342 = ? CIG IV 7044 b, auf Korkyra bezogen von Gruppe Gr. Myth. 1104). Auch dieses Heilig-40tum wurde von Griechenland abgeleitet, Steph.
Byz. s. Κάβων.
Das Verhältnis zwischen den zwei orientalischen Kulten ist dunkel, beiden gemeinsam ist der Name, die Lage auf dem Berge und die Mantik. Baudissin 240 neigt dazu, den pelusiotischen Kult für eine Filiale des syrischen anzusehen, von phoinikischen Seeleuten gegründet; dies sei jedenfalls phoimkische Tradition nach Philon Byblius (FHG III 568): die Nachkommen der 50 Dioskuren, die phoinikischen Kabiren, hatten das Heiligtum am Berge Kassios gegründet. Ob diese Fabel auf Pelusion zu beziehen ist, scheint mir zweifelhaft. Besser ist die andere von Baudissin aufgeworfene Möglichkeit, daß beide Kulte auf gemeinsame, ursemitische Wurzel zurückzuführen sind. Die verschiedenen etymologischen Versuche bei Baudissin u. a. sind unsicher (nach der freundl. mir mitgeteilten Ansicht Fr. Buhls), De Vogüe Syrie centrale, Inscr. aémit. p. 96 und 60 103f. (hiernach Baethgen Beitr. z. somit Reli-gionsgesch. 103) veröffentlicht hauranische und nabatäische Inschriften mit einem Gotte Kasiu, der mit K. identifiziert wird, aber Nöldeke (so auch Buhl) ZDMG XLII 475 erklärt diesen Namen für Personennamen; s, auch Chabot Rev. sém. 1897, 81ff. De Vogüe, Baudissin u. a. identifizieren K. mit dem idumäischen Gotte Κοζέ (s. d.). Joseph. ant. Iud. XV 7, 9 (Κοζέ [2267] ««VI.
AAMVIAB
wird von Baethgen 11 mit dem arabischen Kusah zusammengestellt, nach Wellhausen Beste arab.Heidentums² 81f.f ein Berg- und Gewittergott; Mitteilung Fr. Buhls). Diese Fragen sind jedenfalls noch nicht gelöst.
Die griechischen Kulte scheinen ziemlich spät eingeführt (vgl. Sittig De nom. graec. theophoris 18). 1) In Athen stammt er aus dem ägyptischen Kasion; A. Wilhelm Sonderschr. öd arch. Inst. VII 136 erwähnt eine Priesterliste, drei der Gott-1( heiten sind ägyptisch, darunter Zeus K. 2) Eine Weihinschrift aus hadrianischer Zeit von Epi-dauros IG IV 1287 wird im Kommentar auf den syrischen Kult bezogen, kann aber auch aus Ägypten hergeleitet werden. 3) Bedeutender und alter ist der Kult in Kassiope auf Kerkyra. Tempel, Plin. n. h. IV 12. Suet Nero 22: Nero sang am Altar loin Cassii in Kassiope, wo Agone stattfanden. Zwei lateinische Votivinschriften aus Kerkyra, CIL JH 1, 576–577, die letzte datiert Dessau 2( Inscr. sei. nr. 4043 ins ausgehende 1. Jhdt. v. Chr. Auf den kerkyräischen Münzen herrschen bis Caesar andere Typen, in der Kaiserzeit wird der Haupttypus ein thronender Zeus, meistens mit Zepter, bisweilen auch mit Schale in der Hand; in der ersten Kaiserzeit findet sich die Aufschrift Ζευς Κάσιος, seltener Κάσσιος (s. o.). Cat. Brit Mus. Thessaly to Aetolia 153–159 PI. XXV 5 usw.; p. 158 nr. 630–631 sind Münzen aus Knidos und Lakedaimon mit Bevers: jioj Ka- 30 olov, die als Votivgaben erklärt werden Noch Prokop (VIII = bell. goth. IV 22, 25) erwähnt ein Weihgeschenk eines Kaufmanns, ein aus Steinen zusammengefügtes Schiff. Urgriechisch ist auch dieser Kult schwerlich. Baudissins Annahme (244), daß die Phoiniker ihn gebracht haben, bedarf jetzt keiner Widerlegung. Für ägyptische Herkunft ist eine Weihinschrift aus Korkyra für Sarapis und Isis, IG IX 1, 716, schwerlich beweisend. Als ganz Iose Vermutung nur fol-40 gendes: Pompeius’ Tod bei Kasion könnte so ausgelegt werden, daß der dortige Zeus K. der iulischen Sache günstig gestimmt wäre. Der Namensähnlichkeit wegen wäre in Kassiope sein Kult von Augustus eingeführt oder aber mit einem schon vorhandenen Zeuskult verschmolzen.
Auch im Okzident hat der Gott eine Spur hinterlassen; die Weihinschrift aus Heddernheim CIL XIII, 11, I 7330 möchte ich auf den syri-rischen Kult zurückführen, denn syrischer Ein- 50 fiuß macht sich im späteren Altertum im östlichen Gallien und westlichen Germanien fühlbar.