RE:Koinos 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Taxiarch Alexanders d. Gr.
Band XI,1 (1921) S. 10551057
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Koinos. 1) [...] [1056] [1057] Koinos. 1) Sohn des Polemokrates, einer der sechs Taxiarchen (später auch Hipparch) Alexanders d. Gr. Er gehörte zu den treuesten 50 Gefährten des Königs (Arrian. anab. VI 2, 1). Mit seiner Phalanx, die aus den Kontingenten der Elimiotis bestand (Diodor. XVII 57, 2), nahm er bereits am Feldzuge gegen die Triballer teil (Arr. I 6, 10) und zog mit dem Könige nach Asien. Am Granikos stand er auf dem rechten Flügel (a. O. I 14, 2). Kurz vor dem Abmarsch hatte K. die eine Tochter Parmenions geheiratet und wurde als einer τῶν νεογάμων im Winter 334/3 damit beauftragt, Urlauber nach Make-60 donien zu führen (a. O. I 24, 1) und im Frühjahr mit möglichst vielen frischen Mannschaften in Gordion wieder einzutreffen (o. O. I 29, 4). Er nahm an der Schlacht bei Isaos teil (Curt. III 9, 7). Bei dem Sturme auf Tyros lag er mit seiner Phalanx in einem der beiden Schiffe, deren Bemannung in die erste Bresche der Mauern eindringen sollte (Arr. II 23, 2), und [1056] rückte nachher von der Hafenseite her in die Stadt ein (a. O. II 24, 3). Bei Gaugamela führte er die Reservetruppen des rechten Flügels (Curt. IV 13, 28. Arr. III 11, 9) und zog mit dem Könige dem Parmenion zu Hilfe; auch er wurde, wie viele Führer, schwer verwundet (Arr. III 15, 2. Curt. IV 16, 32. Diod. XVII 61, 3). Bei der Umgehung der Persischen Pylen, die Ario-barzanes besetzt hatte, nahm ihn Alexander mit 0 sich und trug ihm auf, von dem Gebirge in das jenseitige Tal hinabzuziehen, dort τὸν ποταμὸν ὅν ἔχρην περασαὶ ἰόντα ἐπὶ Πέρσας, d. h. den Araxes (j. Band-i-amir; s. A r a x e s Nr. 4, o. Bd. II S. 404) bei Persepolis, zu überbrücken und so den Persern den Rückzug abzuschneiden (Arr. III 18, 6. Curt. V 4, 20. 30). Im folgenden Jahre sandte ihn der König bei den Kaspischen Toren mit Reiterei und Fußvolk nach Fourage aus (Arr. III 20, 4. 21, 2); seine Taxis nahm auch 0 an der Expedition gegen die Marder teil (a. O.

III 24, 1). Bei dem Prozeß gegen seinen Schwager Phiiotas genoß K. das volle Vertrauen Alexanders (Curt. VI 8, 17), ergriff gegen den Angeklagten Partei und erhob sogar im Eifer einen Stein gegen ihn (a. O. VI 9, 30); am folgenden Tage aber riet er, ihn erst dann steinigen zu lassen, wenn er auf der Folter seine Schuld gestanden habe (a. O. VI 11, 10). Am Zuge gegen Satibarzanes nahm die Taxis des) K. teil (Arr. III 25, 6). Bei der zweiten Expedition nach Sogdiana wurde das Heer in drei Teile geteilt, deren einen K. zusammen mit dem greisen baktrischen Satrapen Artabazos gegen die Skythen führen sollte, zu denen Spitamenes geflohen war (Arr. IV 16, 3. Curt. VIII 1, 1). Als bald darauf Artabazos die Herrschaft über die baktrische Satrapie niederlegte und Amyntas sein Nachfolger wurde, erhielt K. für den Winter das militärische Oberkommando über die > sogdische Mark und zu ihrem Schutze eine beträchtliche Truppenmacht (Arr. IV 17, 3). Spitamenes versuchte mit seinen Baktrern, Sogdianern und skythischen Reitern noch einmal in Sogdiana einzudringen und belagerte die Grenzfestung Bagai (o. Bd. II S. 2765), wurde jedoch von K. völlig geschlagen, von allen Truppen außer den Massageten verlassen (Arr. IV 17, 4–6) und von diesen beim Anrücken Alexanders getötet. Darauf kehrten K. und die übrigen Feldherren nach Nautaka zurück (a. O. 18, 1). In Indien war K. bei der Überschreitung des Flusses Euaspla (Arr. IV 24, 1; o. Bd. III S. 2355. VI S. 849) und auf dem Zuge gegen die Assakener (a. O. 25, 6; o. Bd. I S. 1740f.) bei dem König und erhielt in Massaga den Auftrag, die Festung Bazira (Arr. IV 27, 5. Curt. VIII 10, 22: Beira. Itin. Alex. 107: Baθiphara; o. Bd. III S. 177f.) zu belagern. Er konnte sich aber kaum vor der Stadt halten, und als er auf Alexanders Befehl mit seinen Truppen, von denen er nur einen Teil zurückließ, abziehen wollte, machten die Bewohner einen Ausfall. Nach heißem Kampfe mußten sie weichen und verließen bald darauf ihre Stadt, als die Einnahme von Ora gemeldet wurde (Arr. IV 27, 9). Die Taxis des K. gehörte auch zu den Truppen, die für die Belagerung von Aornos (s. d. Nr. 2 o. Bd. I S. 2659) ausgewählt wurden (a. 0« 28, 8). [1057] 1057 Koinos Theos}}

Als der König gegen Ericas (oder Aphrikes, Broys en ἬβΠ. I 2, 120, 3) voraneilte, übergab erdem K. die Führung des Hauptheeres (Curt. VIII 12, 1). Vom Hydaspes, dessen Ostufer Poros besetzt hielt, sandte Alexander K. zum Indos zurück, mit dem Auftrage, die dortige Stromflotte zersägen zu lassen und an den Hydaspes nachzutransportieren (Arr. V 8, 4). In dem Reitergefecht gegen Poros, in dem ihm außer seiner Phalanx auch eine Schwadron unterstand, hatte K. die Aufgabe, dem rechten indischen Flügel in den Rücken zu fallen, sobald dieser dem von Alexander angegriffenen linken zu Hilfe käme (Arr. V 12, 2. 16, 3. 17, 1. Curt. VIII 14, 15. 17. Plut. Alex. 60. Veith Klio VIII 131–153). Beim Überschreiten des Akesines blieb er am rechten Ufer zurück, um den nachfolgenden Truppen den Übergang zu sichern und die Verpflegung der Armee zu überwachen (Arr. V 21, 1. 4). Am Hyphasis erklärte er dem Könige im Auftrage des gesamten Heeres, daß es den Wunsch hege, umzukehren (Arr. V 27, 2–9. Curt. IX 3, 3–15). Die Reden, die ihm von den Historikern in den Mund gelegt werden, beruhen wohl durchweg auf Erfindung (Niese Gesch. d. griech. und mak. Staaten I 138, 5). Wenige Tage später, noch vor dem Rückmarsch, starb er an einer Krankheit (Arr. VI 2, 1) und wurde ,nach den Umständen prächtig⁴ bestattet. Alexander soll ihm seinen Freimut nicht verziehen haben; sicher aber ist die hämische Bemerkung: propter paucos dies tongam orationem eum exorsum, tamquam solus Macedoniam visu-rus esset, die er nach Curtius (IX 13, 20) gemacht haben soll, ebenso erfunden wie jene lange Rede selbst.