RE:Komyros

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Beiname des Zeus in Halikarnassos
Band XI,2 (1922) S. 13041307
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Komyros (Κώμυρος), Beiname des Zeus in Halikarnassos. Lykophr. 459 und Schol. z. d. St. Nilsson Griech. Feste 28, 1 setzt ihn dem aus Bargylia bezeugten Κυμώριος gleich. Ursprüng-60 lieh war K. ein karischer Lokalgott, der in einem Dorfe namens Κώμνρα verehrt wurde; später sind solche Götter dem Zeus gleichgesetzt worden und sind dann nur Einzelerscheinungen des Zeus Kariοs, dessen viele Beinamen sich auf diese Weise erklären; vgl. Deschamps-Cousin Bull. hell. XI (1887) 381. XV 174. Schreiber Bemerk. z. Gauverf. Kariens (Kl. Beitr. z. Gesch. von Dozenten der Leipziger Hochsch. [1894]) 48. [1305] Höfer in Roschers Myth. Lex. III 1, 1492. Preller-Robert Gr. Myth. I* 141. Gruppe Gr. Myth. 263. Nilsson 31. Schäfer De Jove apud Cares culto (Dias. phü. Hat XX) 347ff. Als Fest dieses Gottes werden die Κομύρια (seltener Κομύριον genannt, z. B. Bull. hell. XI 380 Z. 4 und 16. XV 186 Z. 12.188 Z. 4. XXVIII 254 nr. 73 Z. 4) gefeiert, und zwar in dem Gebirgsdorfe Panamara, unweit der von Antiochos I. Soter von Syrien gegründeten Stadt Stratoni-10 heia. In Panamara wurde dann das Heiligtum des Zeus Panamaros, d. h. des hier verehrten kari-schen Zeus gebaut, dessen Ruinen auf den Baiaca-bergen bei Eski-Hissar wiedergefunden worden sind; vgl. Bull. hell. XII 82. Dieser Tempel bildete fortan den religiösen Mittelpunkt für verschiedene Gemeinden, die im Anschluß daran sich auch politisch zu einem κοινόν einigten, das öfters in den Inschriften genannt wird. Vgl. Schreiber a. a. O. 37ff. 49. Von dem Zeus 20 Panamaros sind allmählich die Lokalgottheiten verdrängt worden. So erklärt es sich ganz einfach, daß K. nicht erwähnt wird, woran Schäfer 424 Anstoß nimmt. Die zahlreichen dort gefundenen Inschriften aus der Kaiserzeit lehren uns, daß es neben dem Hauptheiligtum auch ein Κομύριον gab, und berichten manche Einzelheiten über das Fest der Κομνριά. Die Inschriften sind in mehreren Bänden des Bull. hell, zum Teil veröffentlicht; ich zitiere diese ohne30 Angabe des Titels. Vgl. die Zusammenstellung bei Schäfer 422f. Die jüngste Inschrift auch bei Dittenberger Syll. II³ 900. Die Komyria wurden jährlich gefeiert, wie auch das Hauptfest der Panamareia. Daneben fanden zu Ehren der Hera Teleia die Heraia statt; vgl. hierüber D e -schamps-Cousin XI 831f. XII 249ff XV 174ff. Höfer a. a. O. 1494f. Nilsson 28f. Schäfer 421 ff. Die für die Komyria in der Sylloge II³ S. 617, 2 angenommene Ausnahme trifft 40 nicht zu; s. u. Z. 50ff. Die Komyria dauerten zwei Tage, die Panamareia dagegen zehn. Jene sind aber wohl das ältere Fest und haben an Bedeutung kaum etwas eingebüßt; denn trotz ihrer Kürze werden reichlich Spenden verteilt. Vor allem aber war die Feier von Mysterien damit verbunden; s.u. Priester und Priesterin (Ἰερείς ἐν ΚομνρΙοις, manchmal ἐν ΚομυρΙφ, so XV 188 nr. 131 Z. 2) waren für beide Feste gemeinsam und wechselten jährlich. Nur wenn die Heraia gefeiert wurden, 50 konnte, wie es scheint, eine Trennung eintreten, indem entweder Heraia und Komyria (XI 145 Z. 6. XV 202 Z. 9. 204 Z. 7) oder Heraia und Panamareia (XI 375 Z. 1. 376 Z. 25. XV 191 nr. 136 Z. 2. 6) in einer Hand waren. Demnach werden gelegentlich die Panamareia und die Komyria allein erwähnt (XI 389 nr. 5. 6. XV 196 Z. 34). Alle drei Ämter zusammen scheinen nicht von einem Priesterpaare verwaltet worden zu sein, und das ist wegen der mit dem Amte 60 verbundenen großen Ausgaben sehr begreiflich. Die Inschriften nennen eine ganze Reihe von Männern und Frauen, die das Priesteramt bekleidet haben. Oft blieb es in derselben Familie; die Priester heißen dann Ἰερείς ἐξ Ἰερέων) vgl. XV 169ff. Da die Verwaltung des Amtes sehr kostspielig war, werden öfters συμφιλοτιμούμενοι erwähnt, z. B. XI 381 Z. 32, d. h. [1306] solche, die es sich zur Ehre anrechneten, das Priesterpaar zu unterstützen; vgl. XI 378. Es ist also kein Wunder, daß sien Priester und Priesterin In den genannten Inschriften ein Denkmal ihrer Freigebigkeit setzen und alles aufzählen, was sie während ihrer Amtszeit gespendet haben. Gelegentlich tut dies auch die Gemeinde. Infolge der hohen Kosten, welche die Spenden verursachten, kam es vor, daß niemand das Amt übernehmen wollte. Dann rief man die Entscheidung des Gottes an, und es wurde einer als Priester berufen, ohne darauf gerüstet zu sein, z. B. XV 189 nr. 132 Z. 4ff.: κατὰ τὴν τοῦ θεου βούληοιν ἐπανγιλάμενοι ὑπόγυον, wofür auch ἐξ ὑπογύου gebraucht wird; vgl. zur Bedeutung XV 171. Für die Ablehnung waren oft triftige sachliche Gründe vorhanden; so amtieren XV 186 Z. 7ff. Priester und Priesterin ὑπόγυον κληΦεντες διὰ τδ μηδένα θελησαὶ ὑπομεῖναι τὴν ἰερεωσύνην διὰ τὴν γενομένην ἀπροσδόκητον τῶν ἐλαείνων κανόιν. Daß aber Öl sehr wichtig war füi' die Feier, wird gleich zu sagen sein. Zur Zeit Marc Aurels rühmt sich der Priester Flavius Theophanes, sein Amt würdig verwaltet zu haben καίτοι τοῦ καιρου κερὶ τοὺς καρποὺς παντας καὶ περὶ τὰ ἄλλα τειμωρίαν ἔχοντος (XI 381 Z. 30ff.).

Zur Festfeier gehörte zunächst eine Prozession, welche das Kultbild (ξόανον) des Gottes aus Stratonikeia (darüber s. u.) nach Panamara brachte (ἄνοδος oder ἀνάβαοις τοῦ θεου). Anders Nilsson 29 und Schäfer 426 wegen des sich zweimal findenden Ausdruckes ἡ ἄνοδος ἡ ἐν τῷ ἴερῳ. Ich glaube, die Konstruktion ist durch den Umstand beeinflußt, daß die Gaben nach der Ankunft im Heiligtum selbst verteilt wurden. Daraus, daß diese hier nur an Frauen gegeben werden, läßt sich meines Erachtens nicht mit Schäfer 425 schließen, daß die ἄνοδος nur von ihnen gefeiert worden ist. Der das Götterbild tragende Priester saß zu Pferde; XXVIII 247 Z. 11 lesen wir: ἀνέβηκαν καὶ τὸν Ἴππον τῷ θεφ τὸν ὑπηρετ[ικόν]. Bei diesem Zuge wurden vom Priesterpaare unter die Teilnehmer reiche Spenden verteilt, vor allem Salböl und Wein; vgl. die Stellen bei Höfer a. a. O. XV 186B Z. 5ff. ist die Rede von einer ἔπιδοσις οἰνου τε καὶ τῶν λοιπῶν τῶν συνήθων. Sogar Geld wurde ausgeteilt, XV 203 Z. 9ff.; vgl. S. 180. Ferner sorgte der Priester für die Unterbringung der Fremden durch Aufstellung von Zelten, XI 380 Z. 20f. Eine Verwendung derselben für sakrale Zwecke (Toepffer Athen. Mitt. XVI 414) ist aus den Inschriften nicht zu entnehmen. Nach der Ankunft in Panamara wurden gewöhnlich die Festteilnehmer bewirtet, auch die Sklaven, und zwar die Männer im Komyrion, die Frauen im Hieron. XI 385 Z. 28ff. Dies ist mit Deschamps Cousin XV 174 als der heilige Bezirk aufzufassen. Ein solcher wird auch beim Apollon-tempel in Didyma erwähnt in der von Wiegand Abh. Akad. Berl. 1911, 50 mitgeteilten Inschrift Z. 7f.: ol κατοικούντες ἐν τῷ ἴερῳ. Nilsson 29 versteht darunter den Tempel des Zeus Panamaros. XXVin 24 nr. 2 Z. 6ff. heißt es von einem Priester: ἐδείπνισεν δις ἔξης ἐν μὲν τῷ Κομυρίῳ τοὺς πολείτας πάντας καὶ Ῥωμαίους καὶ ξένους καὶ παρθικοὺς καὶ δούλους πλείστους, ἐν δὲ τῷ ἴερῳ τὰς πολειτίδας πάοας καὶ Ῥωμαίας καὶ ξένας καὶ παροἰκους [1307] καὶ δούλας πλείστας; vgl. die Stellen bei Höfer a. a. O. Hieraus geht wohl hervor daß den Frauen der Zutritt zum Komyrion nicht gestattet war. Ferner werden Opfer erwähnt, Koμύρια Φύματα XI 387 Z. 5 in metrischer Inschrift. Die XII 259 nr. 42 Z. 4 genannten βουΦνσίαι beziehen sich nicht auf die Komyria. Außerdem scheinen, wenn auch nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Festfeier, so doch zur Zeit des Festes szenische Aufführungen stattgefunden zu haben; denn XV 204 Z. 20ff. wird Wein gespendet ἐν τῷ Κομυρίου καιρφ τοῖς ἐπιδημήσασιν ξένοις καὶ Φεατρικοις. Vor allem aber war die Feier der Komyria mit Mysterien verbunden; s. die Stellen bei Höfer. Wir wissen darüber nichts Näheres; indessen haben am Ko-myrienfeste Haarweihungen stattgefunden, und schon Deschamps-Cousin XII 487 (vgl. Höfer a. a. O.) haben mit Recht angenommen, daß diese Zeremonie einen Bestandteil der Mysterien bildete. Denn es wird kein Zufall sein, daß ebenso, wie das Komyrion nur Männern zugänglich war, nur männliche Personen als Weihende auftreten; XI 390. XII 97f. nr. 12 –15. 487ff. S. 479 ist eine Weihestele, die auch das Haar selbst barg, beschrieben und abgebildet; vgl. Sommer Das Haar in Religion und Aberglauben d. Griechen (1912) 30f.; s.o.Bd.VII S. 2106, 44ff. Nach ihm handelt es sich ursprünglich um Knaben, die nach eingetretener Geschlechtsreife ihr Haar opfern; doch war dies schon den Weihenden nicht mehr klar, denn es bringt auch einmal ein Vater mit seinen Söhnen das Haar dar. Mit Recht sehen Deschamps-Cousin in dieserWeihung eine alte karische Sitte; vgl. Schreiber a. a. O. 42. Sylloge a. a. O. Als die Griechen sie dort kennen lernten, brachten sie den Namen des Festes mit κόμη zusammen; so wird es sich erklären, daß das Fest des Κώμνρος immer Κομύρια heißt. In ähnlicher Weise haben sie auch Πανάμαρος von ἤμερα abgeleitet; daher wird der Gott manchmal ἸΊανημέριος genannt; vgl. Höfer a. a. O. 1492.

Es ist noch die Frage zu beantworten, in welcher Beziehung die Komyria zu den Panama-reia standen. Bei den Komyria wurde das Bild des Gottes nach dem Bergdorfe Panamara gebracht; bei den Panamareia dagegen trug der Priester das Bild ebenfalls zu Pferde und auch unter reichen Spenden an das Volk von P. nach Stratonikeia, wo es 10 Tage blieb. Die Ankunft ist die εἰσοδος τοῦ ἴππον XV 204 Z. 16. Es kann kaum zweifelhaft sein, daß es sich um dasselbe Götterbild handelte. Daher ist es durchaus wahrscheinlich, daß bei den Komyria das Bild des Panamaros, das vorher nach Stratonikeia gebracht worden war, nach seiner Heimat zurückkehrte; s. Höfer a. a. O. Ich sehe nicht ein, warum dies Schäfer 426 für ganz unwahrscheinlich halt.

Den Schluß des Amtsjahres für das Priesterpaar bildete offenbar die ἀπόθεσις τοῦ στεφάνου, die in einer aus dem Anfänge des 4. Jhdts. stammenden Inschrift erwähnt wird. XII 102 Z. 15f. Doch gehört sie, wie auch die Übernahme des Kranzes, nicht zu den Komyria; denn diese werden in der Inschrift nicht genannt; das Priesterpaar war nur für die Panamareia und Heraia gewählt; vgl, Nilsson 31. Schäfer 427. 428, 1.