RE:Kopais
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| periodischer See in Boiotien | |||
| Band XI,2 (1922) S. 1346–1360 | |||
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| Register XI,2 | Register kl | ||
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Kopais. In historischer Zeit ein periodischer See in Boiotien, dessen einzelne Teile gesonderte Namen nach den benachbarten Ortschaften führten, die dann auch auf den ganzen See übertragen wurden. Es gab eine ΚωπαΙς bei Kopai und eine Ἀλθαρτίς bei Haliartos, Strab. IX 411; Ὀρχομενία λίμνη heißt der See bei Theophr. hist. pi. IV 10, 1. 12, 4. V 12, 3. Athen. XIV 651 A. Hesych. s. Πλοάδες; Orchomenius lacus bei Plin. n. h. XVI 168. Homer II. V 709 versteht unter der Κηφισίς λίμνη offenbar den ganzen See, ebenso Pindar (bei Strab. IX 411, von Bergk zu Pind. frg. 198 gezogen); vgl. Suid. Hesych. s. Κηφωίς. Apollodor bei Strab. IX 407 gibt zwar an, Homer meine mit Κηφιοις λίμνη die Hylike, doch scheint er zu dieser unmöglichen Deutung nur dadurch gedrängt zu sein, daß die Lage der Korne Hylai jede Beziehung zur K. ausschloß (s. o. Bd. IX S. 117). Bursian Geogr. I 195, 2 vermutet, mit Κηφίῦίς sei der Sumpf um die Ufer des Kephisos, der nördlichste Teil der K. in weiterem oder die K. in engerem Sinne gemeint; bei Pausanias IX 13, 3. 24, 1. 34, 5. 38, 6 ist unter diesem Ausdruck der ganze See zu verstehen (vgl. Robert Pausanias als Schriftsteller 210). Steph. Byz. s. Κωπαί führt auch den Namen Λευκωνίς an. Diese Bezeichnung rührt nach Ulrichs Reisen I 197 (vgl. 203) von den Pappeln her, die den See umsäumten; Bursian I 195, 1 leitet sie von dem weißlichen Tonboden her, der angeblich vor der modernen Trocken? legung des Seebeckens streckenweise beim Sinken des Meeres sichtbar wurde. Dagegen hat P h i -lippson Ztschr. d. Ges. f. Erdk. XXIX (1894) 84, 3 eine weiße Färbung der Oberfläche nach der Austrocknung nicht feststellen können; der weiße Mergel des Bodens ist an der Oberfläche durch Humus dunkel gefärbt.
Das breite Becken des K.-Sees, eine rings umschlossene Niederung ohne oberirdischen Abfluß, bildet ungefähr ein Rechteck, dessen Länge von Westnordwest nach Ostsüdost 24 km, dessen Breite etwa 13 km beträgt. Rechnet man noch die Buchten hinzu, so kann man die Ausdehnung der K.-Niederung (nicht des Sees) auf etwa 350 qkm schätzen, Philippson 5. Sie wird im Süden durch eine ziemlich breite Zone von Vorhügeln des Helikon begrenzt. Im Norden scheidet das Chlo-mos-Gebirge die K. von der Küste. Nach der Unterbrechung durch die Bucht von Topolias breitet sich die südliche Zone des Chlomos-Gebirges zu einem kleinen Bergland aus, welches Philippson 9 nach dem antiken Namen des [1347] Hauptgipfels Ptoon das Ptoische Gebiße nennt. Es bildet den Ostrand der K. und zerfällt in drei Gruppen, von denen liier in Betracht kommen der eigentliche Zug des Ptoon und südlich davon ein niedriges Kalkplateau, welches im Berge Phaga, dem Sphinxberge der Alten, gipfelt. An das K.-Becken schließt sich im Südosten das Becken von Theben und daran weiter das Becken von Tanagra. Von Buchten der K.-Niederung nennt Philipp-son G folgende: Am Westrand von Norden nach Süden die Bucht von Tsamali, die Mündung der Ebene von Chaironeia, von der vorigen getrennt durch die Durdavana, und die Bucht von Livadia, eine Schwemmlandebene, durchflossen von dem Fluß von Livadia, (der alten Herkyna oder Pro-batia); am Südrand die Bucht von Koroneia; am Ostrand die Bai von Kaneski und die von Kar-ditsa; von der Nordostecke erstreckt sich die 12 km lange und 2–3 km breite, stark gegliederte Bucht von Topolias (dem alten Kopai) zuerst nach Nordosten, dann nach Osten bis auf 5V2 km an die Meeresbucht von Larymna und 6 km an die Meeresbucht von Skroponeri. Vom südwestlichen und südlichen Gebirgsrand senkt sich der Boden der Niederung nach der Mitte zu sanft ein. Die von den hier mündenden großen Bächen vorgebauten Schuttkegel bilden einen zusammenhängenden Saum angebauten und von zahlreichen Dörfern besetzten Kulturlandes. An den anderen Rändern fällt das Gebirge unmittelbar zu der fast horizontalen Fläche ab, die zwei Drittel der Niederung ausmacht und den Boden des K.-Sees bildet. Ihre Höhe über dem Meeresspiegel schwankt fast durchgängig zwischen 94 und 97 m und war im Maximum von 3–4 m Wasser bedeckt. Der K.-See - hier wie im folgenden der natürliche See vor der künstlichen Austrocknung - bespülte im Norden und Osten den Gebirgsrand, der zu 20–30 m Höhe steil aufragt. Daher decken sich an diesen Rändern die Buchten des Sees mit denen der Niederung, während sein südlicher und südwestlicher Umriß ziemlich einfach verläuft. Als Fortsatz im Südwesten ist nur der Sumpf von H. Dimitrios zu erwähnen. In der Nähe des Steilufers ragen vier Felsinseln empor, von denen Stroviki und Gulas (= Turm) - auch Gia oder Gha genannt - die bedeutendsten sind. Außer den kleinen Trockenbächen an der Nord- und Ostseite führen eine große Zahl bedeutender Bäche von West und Süd dem See Wasser zu. Der bedeutendste ist der Kephisos (Mavroneri), der am Ende der Durdavana mit einem großen Deltakegel mündet; seine Hauptmündung liegt bei Skripu, bei Hochwasser sendet er Arme nach rechts, die in den Sumpf von H. Dimitrios münden; dort mündet auch der Fluß von Livadia und die heißen Quellen von Kaiamaki. Dem Südrand strömen zu der Bach Pontgia, der alte Phalaros, ferner eine große Zahl von Torrenten, unter denen der Triton der Alten zu suchen ist, und endlich der Bach von Zagara, der in einem Deltavorsprung bei Mulki, östlich von Haliartos mündet: es ist nach einigen der Lophis, nach anderen der Permessos oder Termessos der Alten. Am südlichen Seerand entspringen am Felsen Petra die Quelle Tilphusa und am Felsen Haliartos die Quelle Kissussa der Alten, die beide nicht sehr bedeutend sind. Für die Wassermenge der Zuflüsse des K.-Sees gibt Durand-Clay [1348] (Extr. du Bull. de la Direction de l’Hydraulique agricole 1888, 8) bei niedrigstem Stande 4, bei Hochwasser 156–289 cbm in einer Sekunde an, vgl. auch S-upan Peterm. Mitt. XXXV 72. Keiner von diesen Zuflüssen, selbst der mächtige Kephisos nicht, hat auf dem Seeboden ein bestimmtes Bett,· Philippson38. Einzelne Reisende wollten den Lauf des Kephisos in der Übergangszeit noch eine Strecke im See verfolgt haben, doch widersprechen sich ihre Angaben. Während alle anderen Flüsse sich in die Sümpfe verteilen, ist der Melas (jetzt Mavropotamos) der einzige, der den Boden des K.-Sees als wirklicher Fluß durchströmt, sein ganzer Lauf liegt auf dem Seeboden, seine Quellen in der Bucht von Tsamali. An der Nordseite der Durdavana entspringt die wasserreiche Akidalia, weiter gegen Tsamali die Quelle Petakas und im Nordwesten der Bucht die mächtige Polygyra. Durch diese Quellen ist die Bucht von Tsamali gänzlich versumpft; sie konnte auch jetzt noch nicht trockengelegt werden und bildet ein großes Schilfdickicht. Der Fluß ist von schwankendem Moorboden umgeben, und nach Ulrichs (Reisen I 192) sagen die Bauern, daß das Land am Mavropotamos schwimme. Das sind wohl die νήσοι πλοαδες des Theophrast (hist. pl. IV 10, 1), die Plinius (n. h. XVI 168) mit insulae fluitantes übersetzt, Philippson 39. Nach Vereinigung aller Quellen empfängt er, wenigstens in der Übergangszeit, in ausgedehnten Sümpfen in der Nähe des Nordufers einen Teil des Kephisoswassers. Ein Arm des Melas zweigt bei der Insel Stroviki links ab, fließt zwischen ihr und dem Festland hindurch und verschwindet schließlich in den beiden Katavothren, die unten als ἤζ. 1 und 2 genannt werden. Der Hauptstrom fließt rechts der Insel vorbei, weiter längs durch die Bucht von Topolias und ergießt sich jetzt noch, selbst im Sommer, mit bedeutender Wassermenge in die ,Große Katavothra‘ (u. nr. 8); er erscheint wieder in der Quelle von Skroponeri. Das Bett des Melas ist in der Bucht von Topolias bis 5 m tief, seine Wassermenge gibt Durand-Clay (a. a. O.) auf 5 cbm die Sekunde an. Fast alle alten und danach die neuen Schriftsteller nennen den Flußlauf durch die Bucht von Topolias Kephisos, doch lassen die Nachrichten der Alten unzweifelhaft erkennen, daß der oben beschriebene Fluß wirklich der Melas ist. Seine Quellen zwischen Orchomenos und Aspledon beschreiben Strab. IX 415. Paus. IX 38, 6. Plut. Sulla 20; der Fluß selbst versperrt den Zugang nach Orchomenos von Norden her, Plut. Pelop. 16. Der Kephisos und Melas fließen eine Strecke gesondert, Theophr. c. pl. V 5, 2: ἐκάτερος γὰρ ὄει τὸν ἄντον πόρον, und zwischen beiden liegt die Pelekania, Theophr. hist. pl. IV 11, 8. Die verwirrte Nachricht bei Strab. IX 407, daß bei Orchomenos ein Schlund entstanden sei, der den Melas aufnahm, welcher durch das Gebiet von Haliartos fließt und dort das Flötenrohr hervorbringt, wird von Ulrichs I 186 so erklärt, daß es noch einen zweiten Melas gegeben habe. Nach Noack (Athen. Mitt. XIX 416) hängt der Irrtum Strabons damit zusammen, daß man ein älteres Orchomenos am Südufer des Sees annahm (s. u.), vgl. auch Philippson 40. Die natürlichen Abflüsse des Sees, ie durchweg unterirdisch sind, nannten die Alten χάσματα oder βάραθρα, [1349] im Neugriechischen heißen sie Katavothren (ὶ χαναβόθρα, nicht χαταβώῦρα, wie Philipp-son irrtümlich schreibt). Sie öffnen sich sämtliche am Steilufer des Sees im anstehenden Kalkstein des Klippenrandes, gehören also zu den Torkatavothren, nicht zu den Schürflöchern, die sich gelegentlich im Boden abflußloser Becken finden, Philipp son Pelop. 493. Von den Katavothren des K.-Sees sind nur die Öffnungen des Schlundes bekannt, dagegen nicht der Verlauf der Höhlengänge. Es sind durch das Wasser selbst ausgelaugte Gänge, wie sie in allen Kalkgebirgen Vorkommen, und werden erst sekundär von Erdbeben beeinflußt, entweder verstopft oder von Verstopfungen befreit, vgl. Philippson 1. 25 Katavothren, davon 16 mit eigenem Namen, sind auf den Karten des Sees verzeichnet, daneben gibt es noch unzählige kleine und kleinste Spalten, eine enge Grenze läßt sich kaum ziehen, da die großen Katavothren durch Erweiterung kleiner Spalten entstanden sind. Ihr Lauf folgt den vorhandenen Spalten, den Schichtfugen des Kalksteins, und ist von der Oberfläche völlig unabhängig. Außer drei Katavothren am Nordrand bei Topolias befinden sich alle im Osten des Sees bei Onchestos. An der genannten Strecke ist die Bildung von Katavothren geologisch begründet und wird sehr erleichtert dadurch, daß die Schichten des Kalks rechtwinklig auf das Ufer gerichtet sind, Philippson 46ff. nennt folgende Gruppen und Namen von Katavothren.
I. Gruppe des Nordrandes bei Topolias, l.Kata-vothre von Stroviki, hinter dieser Insel, 2. Kata-vothre von Topolias, etwas westlich von diesem Ort, 3. Katavothre 1 km nördlich von Topolias. Die beiden ersten nehmen eine Abzweigung des Melas auf; auf die erste, die auch im Sommer in Tätigkeit sein soll, wird die Angabe bei Strabon (IX 407) bezogen, daß sich bei Orchomenos ein Schlund gebildet habe, welcher den Melas auf nahm. Forchhammer Hellenika 163 und Leake II 185 bringen die beiden ersten Katavothren mit der salzigen Quelle (Almyro) in Zusammenhang, welche bei dem alten Opus am Meeresstrand entspringt. Ulrichs I 198 vermutet diese Beziehung bei nr. 1, ebenso Fiedler Reise I HO, der außerdem nr. 2 (bei ihm nr. 8) mit der Quelle bei den Martino-Mühlen, d. h. der Quelle von Larymna verbindet. Philippson 47 hält diese Ansichten für unrichtig: Almyro ist wohl eine Strand-quelle.
II. Gruppe am Ostende der Bai von Topolias: 4. Katavothre von Palaeomylos, 5. von Spitia, 6. von Sykia. Alle drei liegen am Nordrand. Zu nr. 5 führt ein großer, gut erhaltener Kanal der Minyer hin; er war eine der wichtigsten Ableitungen dieses Kanalsystems und wurde anscheinend, nach seinen Windungen zu schließen, unter Benutzung eines natürlichen Flußlaufes angelegt. Kam b a ni s Bull. hell. XVI 133 gibt auch Abzweigungen nach anderen Katavothren dieser Gruppe an und verzeichnet sie auf seiner Karte. Die Katavothre von Spitia ist ein großes Tor, das von mächtigen Blöcken versperrt ist; möglicherweise ist es eine künstliche Verstopfung, vielleicht die der Thebaner, welche durch Ertränkung der Κ.Ebene die Macht von Orchomenos gebrochen haben sollen (s. u.). 7. Katavothre von Binia; sie [1350] besteht aus einem oben offenen Eingang, der sich dann in zwei bedeckte Gänge spaltet. Es liegt die Vermutung nahe, daß der linke Gang der Anfang eines künstlichen Tunnels ist. Gleich hinter der Katavothre beginnen nämlich die antiken Schächte, die sich nach Nordosten über das Joch von La-rymna ziehen. 8. Die ,Große Katavothre* (ἡ Μεγάλη Καθαβάθρα) oder nach dem nächsten Dorf Katavothra Kokkinu genannt, mißt von der Sohle 10 bis zur Decke am Eingang mehr als 25 m. In sie ergießt sich der Melas jetzt noch das ganze Jahr. In die mächtige Höhle kann man einige hundert Schritt weit hineingehen; die Mauerschichten zu beiden Seiten der Wände werden dem antiken Bergingenieur Krates zugeschrieben. Ihr entstammen die neun Quellen bei Skioponeri, 6 km Östlich, Philippson49. Baedeker⁵ 185. 187; sie führen das ganze Jahr hindurch Wasser. Trocken sind dagegen jetzt die beiden Quellen Kephalariabei Larymna, die den Abfluß der außer Tätigkeit gesetzten Katavothren 4–6 (7), einer bestimmten oder aller zusammen darstellten. Strabon IX 406 berichtet, daß nahe bei Kopai sich ein Schlund geöffnet habe, der den Kephisos (d. i. Melas) aufnahm, und dieser nach 30 Stadien bei Larymna wieder an die Oberfläche getreten sei, der Ort. heiße Anchoe (s. o. Bd. I S. 2111). Philippson 50 sucht diese neu eröffnete Katavothre in der Gruppe II und möchte sie mit nr. 4 oder 6 identifizieren. Nach Noack (Athen. Mitt. XIX 415) hat der Gewährsmann des Geographen die Biniakatavothre gemeint. Der bei Strabon erwähnte See Anchoe ist der Quellteich der oberen der beiden Quellen bei Larymna, vgl. auch Pars. IX 23, 7: λίμνη θὲ ἀφιοίν ἐστιν 7Xß?, Philip ρ s ὁ ἡ 51, 1. Am Südrand der Bai von Topo-lias liegt 9. die Katavothre von Suda.
III. Gruppe bei der Insel Gla, 10. Katavothre auf der Ostseite dieser Insel, 11. und 12. zwei Katavothren von Ptelea, 13. Katavothre von Vrystika. Das Wasser dieser Katavothren gelangt augenscheinlich nur zum Paralimni-See.
IV. Gruppe an der Südseite der Bucht von Karditza. Daß die Nordseite dieser Bucht keine Katavothren besitzt, ist nach Philippson 51 geologisch begründet. 14. Katavothre von Palaeo-mylos oder H. Nikolaos (nicht zu verwechseln mit nr. 4). 15. Katavothre von Sopi. In der Nähe dieser wie der folgenden Katavothren dieser Gruppe führt ein antiker Hauptkanal vorbei, von dem sich Kanäle, teilweise von Deichen begleitet, zu den Katavothren abzweigen. 16–19. vier Katavothren auf der nach Süden gerichteten Küsten-strecke bis zum Kap H. Marina.
V. Gruppe der Bucht von Kaneski. Am Nordrande nach mehreren alten Katavothren in größerer Höhe 20. eine kleine Katavothre. 21. die,Große Katavothre von Kaneski', zu der ein alter Kanal hinführt; sie nimmt jetzt- das Regenwasser der Bucht auf, soweit es nicht zum Gürtelkanal abfließt. Bei der Reinigung wurden Spuren alter sorgfältiger Bearbeitung des Schlundes festgestellt, Kambanis Bull. heS. XVI 136. Auf der Südseite der Bucht liegen drei Katavothren, welche die Sümpfe von Haliartos entwässerten; es sind 22. kleine Katavothre von Kaneski, 23. Katavothre von Mavromati, 24. Katavothre von Mulki. Außer den oben genannten Quellen von Larymna und [1351] Skroponeri finden sich zwischen der letzten und der Gegend von Lukisia, wo der Abfluß der K. nach dem geologischen Aufbau das Meer erreichen muß, nur drei bedeutendere Quellen: 1. eine im Sommer austrocknende Quelle am Westende des Sees von Likeri, 2* am Westende der Paralimni, wohl mit Wasser des Likeri-Sees, und 3. eine salzige Quelle am Meeresstrande bei Anthedon, ein Abfluß des Paralimni. Im Verhältnis zu dem aus dem gefüllten K.-See abfließenden Wasserstrom, der wahrscheinlich auch die Becken von Likeri und Paralimni mit Wasser füllt, muß daher der größte Teil des K.-Wassers dem Meere zufließen. Der unterirdische Zusammenhang der drei Seen ist durch ihr gemeinsames Steigen und Fallen erwiesen. So erklärt sich auch die treppenförmie Anordnung der Spiegelflächen zum Meer hin absteigend, Philippson 53.
Geschichte des Sees und Versuche seiner Austrocknung.
Von dem Zustand des K.-Sees zur Zeit des Beginnes der minyschen Entwässenmgsarbeiten entwirft Philippson 64 folgendes Bild. Die K. war damals schon ein periodischer See, der einen Teil des Jahres trocken lag, sonst hätte man die Arbeiten und die dazu erforderlichen Messungen nicht vornehmen können. Der Melas bestand damals in ganz ähnlicher Weise wie jetzt, denn man benutzte in der Bucht von Topolias sein Bett für den großen Kanal. Die Zuleitungen zu den meisten der heutigen Katavothren beweisen, daß sie schon damals bestanden; sie befanden sich damals augenscheinlich von Natur in einem besseren Zustande und konnten weit mehr Wasser fassen als heute. Die Umwohner sahen alljährlich eine fruchtbare Ebene vor ihren Augen erscheinen, die sich nach kurzer Zeit wieder mit Wasser bedeckte. Die Minyer von Orchomenos machten den Versuch, durch Ableitung und Eindämmung der Zuflüsse den vorübergehenden Zustand zu einem dauernden zu machen. Der Reichtum und die Macht von Orchomenos (Paus. IX 36, 5. Strab. IX 414) liegt in der Austrocknung des Sees begründet, denn das anbaufähige Land außerhalb des überaus fruchtbaren Seebodens ist unbedeutend, und nur ein Verkehrsweg durch das ehemalige Seegebiet konnte die Stadt zu dieser Blüte bringen, Strab. IX 415: λέγουσι δὲ τὸ χωρίον, ὅπερ ἡ λίμνη κατέχει νῦν ἡ Κωπαίς, ἄνεψυχθαι πρότερον καὶ γεωργεῖσΦαι παντοδαπώς ὑπὸ τοῖς Ὀρχομενίοις ἄν πλησίον οἰκοῦσιν' καὶ τοῦτ' σὺν τεκμηριον τοῦ πλούτου τιΦέασι. Der ganze Seeboden gehörte also zum Gebiete von Orchomenos; untertan waren ihm wahrscheinlich auch die alten Städte Eleusis und Athen, sowie die noch Hom. Il. II 507 erwähnten Arne und Mideia, die später dem See zum Opfer fielen. Der Herrschaft von Orchomenos bereiteten die Thebaner mit Hilfe des Herakles ein Ende, der die Katavothren verstopfte und so den Seeboden wieder überschwemmte. Diodor IV 18 berichtet: (Ἠρακλῆς) ἐμφράξας τὸ περὶ τὸν Μινυειον 'Ὀρχόμενον ὀεῖΦρον ἐποίησε λιμάζειν τὴν χώραν καὶ φφαρηναὶ τὰ καί? αὐτὴν ἄπαντα; ähnlich erzählt Pausanias IX 38, 7 die Sage: Θηβαίοι δὲ τὸν ποταμὸν τὸν Κηφισὸν φασιν ὑπὸ Ἠρακλέους ἐς τὸ πεδίον ἄποστραφηναι τὸ Ὀρχομένιον' τέως δὲ αὐτὸν ὑπὸ τὸ ὄρος ἐς Φύλασσαν ἐξιέναι, πριν ἡ τὸν Ἠρακλέα τὸ χάσμα ἐμφράξαι τὸ διὸ τοῦ [1352] δρους, doch äußert er § 8 begründeten Zweifel an der Richtigkeit Nadi Polyaen. I 3, 5 hat Herakles nur während der Entscheidungsschlacht zwischen Theben und Orchomenos die Katavothre verstopft, in die sich der Kephisos (d. i. der Melas) ergießt, dann aber die Verstopfung wieder entfernt, so daß der Fluß in sein altes Bett zurücktrat. Bei der Kritik der Berichte kommt Philippson 57 zu dem Ergebnis, daß es nicht erwiesen ist, daß der JO See künstlich durch Verstopfung seitens der Theba-ner wiedererstanden ist; das sei im Gegenteil wenig wahrscheinlich. Denn einerseits hätte die Verstopfung einer Katavothre nicht solche Folgen gehabt, und andererseits ist es nicht ersichtlich, warum die Sieger diese künstliche Verstopfung nicht wieder entfernten. Anzunehmen ist vielmehr, daß die Abflußverhältnisse des Sees sich bereits durch natürliche Vorgänge verschlechtert hatten (Philippson 2) und die Thebaner diese Ver-20 schlechterung durch Verstopfung einiger Katar vothren nur beschleunigten und verstärkten. Für das allmähliche Anwachsen des Sees spricht nach Philippson 57 auch die Nachricht, daß zunächst Athen und Eleusis durch eine besonders hohe winterliche überchwemmung (Paus. IX 24, 2), also einen natürlichen Vorgang, und später erst Arne und Mideia vernichtet wurden. Ferner sank der Reichtum von Orchomenos nicht plötzlich, sondern bei Homer ist es noch reich an Schätzen, trotzdem nur noch Aspledon zu seinem Gebiet gehört (II. II 511), und es stellt 30 Schiffe, während die übrigen böotischen Städte zusammen auch nur 50 stellen. Aus den sagenhaften Berichten zieht Philippson 58 folgende Schlüsse: In der Blütezeit des minyschen Orchomenos war der See trocken, und der Abfluß erfolgte nur durch die natürlichen Katavothren, gegen Ende der minyschen Macht und beim Aufblühen Thebens erfolgte eine neue- Überschwemmung des Seebodens. Seitdem stand das sumpfige, Fieber verbreitende K.-Becken weit hinter dem östlichen Boiotien an historischer und kultureller Bedeutung zurück. Ulrichs Reisen I 208f. hält die durch Herakles verursachte Überschwemmung für vorhomerisch und nimmt, gestützt auf Strab. IX 406f., eine zweite nach dem troianischen Kriege an, bei der Arne und Mideia zugrunde gingen. Dagegen ist nach Noack (Athen. Mitt. XIX 413ff.) die Sage von der herakleischen Überschwemmung in 50 der Form, wie sie bei Paus. IX 38, 7 vorliegt, nicht sehr alt, da in ihr das historische Faktum des endlichen Sieges von Theben über Orchomenos zum Ausdruck kommt und dieser Sieg ins 8., vielleicht sogar erst ins 7. Jhdt. fällt, v. Wilamowitz Herakles II² 57. Busolt Griech. Gesch. I² 256. Meyer Gesch. d. Altert. II 191. Doch hält er es für unwahrscheinlich, daß in der Zeit des thebanischen Sieges die Katastrophe über die orchomenische See-Ebene hereingebrochen; es liege vielmehr Analogiebildung vor, die ein viel älteres Motiv in etwas veränderter Gestalt wiederhole, und das sei die von Ulrichs nach dem Troianischen Kriege angesetzte zweite Überschwemmung, durch die Kopai bedroht wurde. Noack vermutet, daß Strab. IX 406f. und Steph. Byz. s. Ἄθηναι auf die gleiche Quelle zurückgehen, nämlich auf Apollodors Kommentar zum Muffskatalog s. Κώπαι, vgl. Niese Rh. Mus. XXXII 276. [1353] Steph. Byz. gebe seine Quelle deutlicher wieder: ἡ ἐκ τῆς λίμνης ἀναφανεῖσα μετὰ τὸ πρότερον ἐπικλνσθήναι τῆς Κωπαίόος, 8τὲ Κράτης ἄντην θιετάφρενοεν · ἰκλήθη Ἀὲ ἡ πόλις, ὡς τινες μὲνφαοιν, Ἄθηναι, ἄλλοι ἰὲ Ὀρχομίνός, ὡς οἱ Βοιωτοί. Strabons Worte: παρὰ τὸν Τρίτωνα ποταμόν bezeugen, daß die wieder zu Tage getretenen Städte am Südufer des Sees lagen. Demnach
- Karte
[1354] glaubte man im 4. Jhdt. in der dortigen Gegend, folgert Noack weiter, ein älteres Orchomenoe habe einmal am Südufer der K. gelegen; so erklärt es sich auch, daß dorthin der Melas verlegt wurde (s. o.). Die Ausgrabungen haben gezeigt, daß Alt-Orchomenos zu allen Zeiten am Westabhang des Akontion gelegen hat, Meyer Gesch. d. Altert. II 194, also bleibt die andere Überlieferung zu Recht bestehen, daß am Südufer des Sees einmal zwei Städte Eleusis und Athen - beide fehlen im Schiffskatalog - gelegen haben, die von einer gewaltigen Überschwemmung verrichtet [1355] wurden, durch die auch Kopri bedroht war. Dieses Ereignis lebt rieht in der Sage fort, blieb aber im Gedächtnis der Menschen erhalten und tritt uns in der Überlieferung entgegen. Die Nach* richt, daß Arne und Mideia vom See verschlungen worden seien, hält Noack (a. a. O. 420) für eine ganz durchsichtige Erfindung, offenbar nach Analogie der ursprünglich allein bekannten großen Überschwemmung.
Daß den Berichten historische Wahrheit zugrunde liegt, und daß bei Strab. IX 415 an eine künstliche Austrocknung des Sees zu denken ist, wurde einwandfrei bei den neueren Arbeiten zur Trockenlegung festgestellt. Spuren eines ausgedehnten Systems von Kanälen und Deichen, die den ganzen See umspannen, traten nämlich zutage, vgl. Kambanis Bull. hell. XV 121 mit Abbild, und Karte. Curtius S.-Ber. Akad. Berl. 1892, 1181 mit Karte. Da Berichte über eine andere erfolgreiche Trockenlegung richt vorliegen, sind diese 2 kunstvollen Wasserbauten den Minyern zuzuschreiben; das teilweise noch erhaltene Mauerwerk der Dämme erinnert an die Bauten von Tiryns und Mykenai. Deiche und Kanäle sind jetzt sehr verwischt, man sieht niedrige, flach geböschte, sehr breite Erdwälle, entweder einzelne oder zwei mit geringem Abstand parallel laufend, und neben dem einen bzw. zwischen den beiden Dämmen bezeichnet eine langgezogene flache Vertiefung das Bett des alten Kanals; die Wasserseite der Deiche ist3 an vielen Stellen gestützt und verkleidet mit Mauerwerk aus großen polygonalen Steinen (Abb. Bull. hell XVI 124. 134). Diese weißen Steinreihen in der sonst völlig steinlosen Ebene ziehen sich kilometerweit hin und geben den sichersten Anhalt, Philippson 59. Es sind anscheinend nur die Kronen der Deiche, die aus dem Schwemmland von Jahrtausenden herausragen. Am deutlichsten erkennbar und am besten erhalten sind die Anlagen in der Bucht von Topolias, wo sie anschei- 4( nend von vornherein am stärksten angelegt waren, da hier die Hauptmasse des Wassers abgeleitet wurde.
Die minysche Entwässerungsanlage weist drei Kanäle auf, die von Westen nach Osten den See durchziehen: der eine am linken (nördlichen) Ufer entlang, der zweite durch die Mitte und der dritte längs des rechten (südlichen) Ufers. 1. Der linke Uferkanal hatte den Zweck, die Wassermasse des Kephisos und des Melas aufzunehmen. Ein Deich 50 mit einem Kanal zur Linken zieht sich vom heutigen Karya nach Nordosten und leitete den Kephisos in die Gegend von Stroviki, wo er sich mit dem Melas vereint. Das Fehlen des Deiches auf der linken Seite deutet nach Philippson 60 darauf hin, daß die Bucht von Tsamali den Überschwemmungen des Kephisos überlassen war. Die vereinigten Flüsse wurden dicht am Ufer in einem kanalisierten Bett, das auf der linken Seite von der Steilküste und auf der rechten von einem starken Deich 60 gebildet wurde, hinter der Insel Stroviki und der Halbinsel von Topolias entlang geleitet. Von Topolias (Kopai) schneidet der Kanal, auf beiden Seiten eingedämmt, die Bucht und nimmt an der Feieecke beim Pyrgos H. Marina den rechten Uferkanal auf. Ein einziger Kanal führte das gesammelte Wasser nach dem Ostende der Bucht, wo es in mehreren Armen in die Katavothren (5–9) abgeleitet wurde; [1356] der Arm in die Katavothre von Spitia (nr. 5) ist am deutlichsten erkennbar. 2. Der Mittelkanal, von zwei nach der Landseite sich fächerartig erweiternden Deichen eingefaßt, nahm die Gewässer des Herkyna-bâches auf, leitete sie ostwärts durch bzw. in den mittleren, jetzt höchsten Teil des Seebeckens; sieben Kilometer weit ist diese Anlage zu verfolgen, die Deiche - ohne jedes Mauerwerk - werden immer schwächer und verschwinden bei einem großen Tumulus, der schwer zugänglich ist und auf die ehemalige Kultur des Seebodens hinweist. Kambanis (a. a. O. 132) nimmt an, daß der Kanal ehemals weiterführte und sich mit dem rechten Uferkanal bei Karditsa vereinigte, doch hält Philippson 61 eine andere Vermutung für wahrscheinlicher. Es erscheint ihm unzweckmäßig, nur für die Ableitung der Herkyna einen Kanal quer durch den ganzen Seeboden zu bauen, und zwar durch dessen höchsten Teil; das letzte 0 Moment spricht auch dagegen, daß der Mittelkanal zur Ableitung des Regenwassers dienen sollte. Die Herkyna hätte man damals bequemer dem rechten Uferkanal Zufuhren können, wie es bei der modernen Anlage der Fall ist. Philippson glaubt vielmehr, daß man die Herkyna durch den sogenannten Mittelkanal zur Berieselung des Seebodens verwendet hat; dadurch wurde im griechischen Klima die Κ.Ebene ertragreicher. Als Vorbild mögen den Minyern die asiatisch-ägyptischen Wasserbauten gedient haben, bei denen Ent- und Bewässerung stets Hand in Hand gingen. Die Herkyna war als zahmster und am gleichmäßigsten ernährter Zufluß der K. - darum fehlt auch das Mauerwerk an den Dämmen - durch die Lage seiner Mündung besonders für diesen Zweck geignet. Für die Annahme Philippsons spricht, daß der Kanal in den mittelsten und höchsten Teil des Seebodens führte, von wo das Wasser sich in vielen kleinen Kanälen, die jetzt natürlich nicht mehr festzustellen sind, in die Ebene verteilte. Eine eigentümliche flache Erhöhung scheint die Ansicht Philippsons zu bestätigen, denn dort mußte sich das von der Herkyna mitgebrachte Sediment niederschlagen. 3. Der rechte Uferkanal hatte die kleinen Zuflüsse von der Herkyna an nach Osten aufzunehmen, die bedeutendsten sind der Phalaros von Koroneia und der Lophis von Haliartos. Er beginnt an der Mündung des Phalaros bei Mamura und nimmt ostwärts fließend in einem Seitenkanal noch einen Bach des Südufers auf: diese beiden Kanäle haben auffälligerweise nur auf der rechten Seite einen Deich. Kurz hinter dieser Vereinigung verlieren sich Kanal und Deich in einer natürlichen Tiefenrinne, welche das Südufer des Sees begleitet, Philippson 42. Festzustellen ist er dann erst wieder Östlich von Mulki, wo er wohl zunächst den Lophis oder Permessos aufnahm. Philippson 62 äußert auch hier Zweifel, daß die beiden Teile miteinander verbunden waren. Der Kanal führt dann am Ostufer entlang, auf der linken Seite eingedeicht; nur vor den Buchten, über die er frei hinüberführt, ist er beiderseits von Deichen eingefaßt. Abzweigungen führen fast zu jeder größeren Katavothre. Bei dem Pyrgos H. Marina vereinigte er sich mit dem linken Uferkanal. Die Arbeiten an dieser Stelle waren besonders sorgfältig ausgeführt, wie jetzt noch zu erkennen ist. [1357] Kambanis Bull. hell. XVI 1331. Zur Ableitung des Wassers wurden - im Gegensatz zu den späteren Entwässerungsversuchen - nur die natürlichen Schlünde, nicht künstliche Durchstiche benutzt. Das wurde anscheinend dem Werk verhängnisvoll, denn die natürliche Verschlechterung der Abflußverhältnisse der Katavothren wird allmählich wieder die Überschwemmung des Seebodens zur Folge gehabt haben. Noack (Athen. Mitt. XIX 440) hat nachzuweisen gesucht, daß die alten 1( Entwässerungsanlagen gegen feindliche Angriffe durch Burgen gesichert waren, die im Bogen den Nordrand des K.-Sees umgaben. Den stärksten Punkt dieser Befestigung bildete im Süden die Riesenburg von Gia. Wie der Zusammenfluß des Wassers und sein Abfluß nach den Katavothren sorgfältig geschützt war, so legte man auch für den Austritt des Wassers aus diesen unterirdischen Kanälen am Meere Verteidigungswerke an. Ob die geringfügigen Erweiterungs- und Aufräumungs- 2( arbeiten an den Katavothren, die Kambanis (a. a. O. 136) festgestellt hat, den Minyern oder dem Krates (s. u.) zuzusehreiben sind, muß dahingestellt bleiben.
Historische Zeit des Altertums.
In der historischen Zeit war die K. ein periodischer See, der im Winter am höchsten stand und im Sommer zuweilen bis auf einige Sümpfe austrock-ncte. Eine eingehende Beschreibung von der ,amphibischen Natur¹ des Seegebietes gibt Strabon 30 IX 406. Pausanias IX 38, 6 berichtet, daß der See den größten Teil des orchomenischen Gebietes bedecke und im Winter beim Wehen des Notos steige. Man wollte beobachtet haben, daß der See alle neun Jahre einmal ansteige, doch selten sei der Wasserstand zwei Jahre hintereinander hoch, wie im J. 338, Theophr. hist. pi. IV 11, 2f. Plin. n. h. XVI 169; ungewöhnlich hoher Wasserstand war kurz vor der Befreiung Thebens durch Pelopidas, Plut. gen. Socr. 5. AVenn der See hoch angeschwol- 40 kn war, sollte die Winterkälte weniger stark sein, Theophr. c. pl. V 12, 3. Oft zwangen große Überschwemmungen, hervorgerufen durch Verstopfung der Katavothren infolge von Erdbeben, zur Verlegung der Städte, Strab. IX 406. Einige Stellen waren ständig sumpfig, so die Pelekania zwischen Melas und Kephisos, ferner die Gegend an der Mündung des Kephisos, die Ὀξεῖα Κάμπη, sowie an der Mündung des Baches Probatia und bei Haliartos; in diesen ständigen Sümpfen wuchs das 50 beste Flötenrohr, Theophr. hist. pl. IV 11, 8. Plin. n h. XVI 168f. Strab. IX 407. In den Sümpfen von Orchomenos sollen sich schwimmende Inseln gebildet haben, Theophr. hist. pl. IV 11, 1: πλοάόες, Plin. n. h. XVI 168: insulae Militantes, vgl. Hesych. s. Πλοάδες. Von den Erzeugnissen des Sees waren ferner berühmt die Aale, welche bei Aristophanes eine wichtige Rolle spielen (Acharn. 880; Pax· 1005; Lysistr. 36). Wie Agatharchid. bei Athen. VII 297 D berichtet, wurden die schön- 60 sten Exemplare bekränzt und mit Opfergerste bestreut den Göttern dargebracht; Eubul. bei Athen. 300 C. Paus. IX 24, 2. Nonn. Dionys. XIII 64f. Poll. VI 63. Hesych. s. Κωπαίδες, vgl. o. Bd. I 8. 3. Treffliche Melonen wuchsen bei Orchomenos, Aristot. Problem. XXI 32; die Binsen wurden zu Stricken und allerlei Flechtwerk verwendet, Alciphr. ep. III 49: θζλαοτορ σλοίῖιοί'. Der Weizen, [1358] der an den Stellen, die früh genug frei vom Wasser waren, angebaut wurde, gedieh besonders gut, seine Körner waren schwerer und mehlreicher als die der übrigen griechischen Weizensorten, Theophr. hist. pl. VIII 4, 5; c. pl. IV 9, 5, vgl. Stat. Theb. VII 307. Das Land, war durch seine Fieberluft berüchtigt Das ganze Becken der K. ist ringsum mit frühgeschichtlichen und mykenischen Wohnstätten besiedelt, Bulle Orchomenos 115. In der »historischen Zeit lagen um den See nach Philipp -son 66 folgende Ortschaften: am Westrande As-pledon, Orchomenos (Skripu), etwas abseits Leba-deia (Livadia); am Südrande Koroneia, Tilphusion, Alalkomenai, Okaleai, Haliartos, Onchestos; am Ostrande Phoinikis, Akraiphion (bei Karditsa); am Nordrande Kopai (Topolias), Holmones, Hyettos, Tegyra; vgl. die Aufzählung bei Strab. IX 410f. Der Umfang des Sees zu Strabons Zeit betrug 380 Stadien (IX 407). Eine in Karditsa gefundene) Inschrift (IG VII 1625) meldet, daß um das J. 40 n. Chr. der Akraiphnier Epameinondas den ,größten und unser (Akraiphnions) Land beschützenden Deich⁴ habe wiederherstellen lassen. Nach Philippson 67 handelt es sich um den heute noch erhaltenen Damm, der quer vor der Bucht von Karditsa vorbeizieht; es ist der rechtsseitige Deich des rechten Uferkanals der Minyer. Damals bestanden also deren Werke noch teilweise.
Zur Zeit Alexanders d. Gr. reinigte der bergwerkskundige Krates aus Chälkis die Katavothren und senkte dadurch den Spiegel des Sees; vielleicht gehören hierher die Spuren von Bearbeitung, die an einzelnen Katavothren festgestellt wurden (s. o.). Obgleich er schon viel Land trocken gelegt hatte, hörte er auf, als die Boiotier sich veruneinigten, Strab. IX 407. Erst spätere Schriftsteller sprechen auch von Gräben, die Krates gezogen haben soll, Steph. Byz. s. Ἄθηναι. Diog. Laert. IV 4, 23 nennt ihn ταφρώρνχος. Wenn also diese späten Berichte Glauben verdienen, so zog Krates auch Gräben oder Dämme durch den Seeboden zum Schutze des durch die Reinigung der Katavothren trocken gelegten Landes, Leake Travels II 293. Ulrichs Reisen I 211. Philippson 68; keinesfalls handelt es sich um die Durchstechungsversuche auf den Isthmen von Larymna und Karditsa, die zeitlich nicht festzulegen sind. Auf dem Joch von Larymna befinden sich 16 Schächte. Sie ziehen sich, von einem abseits liegenden abgesehen, in einer Linie von 2230 m von der Nähe der Binia bis zum Kephalari, deren Tiefe, soweit sie gemessen werden konnte, zwischen 18 und 63 m schwankt (Bull. hell. XVII 333. Die Vermutung von Brandis (Mitt. über Griech. I 129), daß sie zum Aufsuchen und Reinigen eines natürlichen Katavothrenganges gedient haben, widerlegt Philippson 63. Es handelt sich vielmehr um einen unvollendet gebliebenen Versuch, die Nordostecke des Sees durch einen unterirdischen Kanal mit dem Meere zu verbinden, Forchhammer Hellenika I 168. Kambanis (Bull. hell. XVI 122) berichtet, daß der Tunnel, der etwa eine Länge von 2 km haben sollte, auf etwa 500 m fertiggestellt sei. Philippson 64, 1 vermutet, daß der Seitenzweig der Katavothra von Binia der Eingang des Tunnels war. Von jedem Schacht wollte man nach beiden Seiten Stollen vortreiben und so den Kanal herstellen. In einigen Schächten [1359] hat man 2–3 m über dem eigentlichen Kanal andere Stollen gefunden, die jedoch weniger weit geführt sind. Kambanis hat daraus geschlossen, daß man ursprünglich den Kanal mit zu wenig Gefälle angelegt habe, und aus dem abseits liegenden Schacht, daß die Richtung nicht ganz entsprechend war; als man es merkte, habe man die schon begonnenen Stollen und die beabsichtigte Richtung aufgegeben, die Schächte weiter in die Tiefe geführt und neue Stollen mit größerem 1 Gefälle angelegt. Zum Vergleich zieht Noack (Athen. Mitt. XIX 411) andere Anlagen mit zwei Stollen heran, so die Wasserleitung des Eupalinos auf Samos (Fabricius Athen. Mitt. IX 187), die peisistratische Leitung zur Enneakrunos (Dörpfeld Athen. Mitt. XIX 145) und die sog. Quelle des Hippokrates auf Kos (Texier Asie Min. II Taf. 138), und hält es für möglich, daß große und wichtige Wasseranlagen zu ihrer Überwachung und Reinhaltung eine zweite unterirdische 2( Verbindung der einzelnen Schächte geradezu erforderten. Philippson 64 vermutet, daß die Schächte, welche auch sonst bei antiken Tunnel-bauten vorkommen, wohl hauptsächlich zur Luftzufuhr während des Baues dienten, sowie um bei der Arbeit in der Tiefe die Richtung nicht zu verlieren, da die Hilfsmittel für die Festlegung der Tunnelachse nach Höhe und Richtung unzureichend waren, vgl. Merckel Ingenieurtechnik 141. Die Leitung ist an der Stelle angelegt, wogt die Bodengestaltung eine geringere Tiefe der senkrechten Schächte ermöglichte. Während dieses Werk die unmittelbare Ableitung der K. zum Meere bezweckte, weisen andere unvollendete Arbeiten auf den Plan hin, die K. zum Likeri-See abzuleiten, diesen bis zu einer gewissen Höhe ansteigen und dann zur Paralimni überfließen zu lassen und diesen dann ins Meer zu leiten. Die ersten Spuren der Linie Karditsa-Anthedon sind auf dem Joch von Karditsa acht Schächte und der 40 Anfang eines tief in den Felsen geschnittenen Kanals, der zum Likeri-See führen sollte, aber unvollendet ist. Zwischen Likeri und Paralimni findet sich ein offener Einschnitt auf dem Isthmos von Muriki; das letzte, ebenfalls unvollendete Glied dieser Anlage bildet der offene Einschnitt auf den Isthmos von Anthedon. Einen positiven Anhalt, in welche Zeit diese Durchstichsversuche gehören, haben wir nicht. Philippson 69 - wie schon vor ihm Curtius und Kambanis - nimmt 50 an, daß die beiden Versuche zu verschiedenen Zeiten gemacht wurden, wenn auch vielleicht in derselben Epoche, denn zwei so schwierige Projekte zur selben Zeit in Angriff zu nehmen, wäre zwecklos gewesen. Die Ansicht, daß wenigstens die erste Anlage den Minyern zuzusehreiben sei (Forchhammer I 168. Leake II 293f. Ulrichs I 209) erweist sich für Philippson 63 als unannehmbar, denn diese benutzten ja die natürlichen Katavothren zur Abfuhr des Wassers, 60 ebenso wie später Krates. Strabon schweigt über diese Arbeiten völlig. Philippson 69 kommt daher zu der Vermutung, daß sie vielleicht erst später durch römische Kaiser unternommen worden sind, die mehrfach ihre besondere Vorliebe für Griechenland durch großartige Bauten bezeugt haben. Die Ausräumung einiger Schächte könnte vielleicht Klarheit bringen. Zu einem abweichenden [1360] Ergebnis gelangt Noack (Athen. Mitt. XIX 412) hinsichtlich der Datierung der künstlichen Ableitungsversuche. Er teilt die Ansicht, daß diese Arbeiten mit den Deichbauten nicht zeitlich Zusammenfällen können, und. weist auf die große Übereinstimmung in der technischen Ausführung der Stollenanlage des Kephalaripasses mit den erwähnten Wasseranlagen der Tyrannenzeit hin. Die Schächte mit ihren gut geglätteten Wänden und 0 den besonders sorgfältig hergestellten, leicht abgerundeten Ecken stellt er unmittelbar neben die Brunnenschächte unterhalb des Pnyxfelsens, die ins 5. oder 4. Jhdt. zu setzen sind. Er hält trotz des Schweigens von Strabon für den Schöpfer der unvollendeten Anlagen den Krates. Philippson 69 verfolgt die Geschichte der K. weiter durch das Mittelalter und hält es (72) für sehr wahrscheinlich, daß der See im 12. und 13. Jhdt. durch natürliche Vorgänge stark zusammenge-) schrumpft war. Das Problem der Austrocknung ruhte seit dem Altertum völlig. Die ersten Projekte aus der Neuzeit rühren von den Deutschen Fiedler und Russegger her, die 1836 bzw. 1839 die K. besuchten. Auf das Gutachten des Ingenieur Moule 1879 wurde von einer französischen Gesellschaft 1888 die Ausführung begonnen und seit 1889 von einer englischen Gesellschaft fortgeführt. Jetzt entwässert ein an die tiefste Stelle gelegter ,Innerer Kanal· von 25 km Länge I das Becken, während am Südwest-, Süd- und Südostrande ein 33 km langer ,Gürtelkanal· die sämtlichen Zuflüsse aufnimmt, außer dem Melas, der in seinem mittleren Teile eingedeicht, nach wie vor in die große Katavothre (nr. 8) mündet. In der Bucht von Karditsa werden die Wasser durch einen 2760 m langen Erdeinschnitt, an den sich ein 672 m langer Tunnel anschließt, zum Likeri-See abgeführt, von da durch einen Einschnitt bei Moriki in den noch tieferen Paralimni-See und i durch weitere Einschnitte und einen Tunnel von 860 m Länge ins Meer, nahe beim alten Anthedon, Philippson 82. Baedeker⁵ 183. So wurden fast 25 000 Hektar des allerfruchtbarsten Bodens gewonnen.
Literatur. Leake Northern Greece II 118–161. 276–323. Forchhammer Hel-lenika I 159. K. O. Müller Orchomenos und d. Minyer² 45. Fiedler Reise I 100. Ulrichs Reisen I 191. Bursian Geogr. von Griech. I 195. Bittner Der geologische Aufbau von Attika usw. Denkschr. Akad. Wien, math.-nat Kl, XL 2 (grundlegend für die Geologie). Neumann-Partsch Physik. Geogr. 224. Kambanis Bull. hell. XVI 121. XVII 322. Curtius Die Deichbauten der Minyer, S.-Ber. Akad. Berl. LV 1181 (= Ges. Abh. II 266). Philippson Ztschr. d. Ges. für Erdk. XXIX 1 (mit eingehender Literaturangabe). Noack Athen. Mitt. XIX 405. Merckel Ingenieurtechnik 138. Baedeker⁵ 182.