RE:Krateuas 2

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
unvollständig  
Dieser Text ist noch nicht vollständig. Hilf mit, ihn aus der angegebenen Quelle zu vervollständigen! Allgemeine Hinweise dazu findest du in der Einführung.
ho rhizotomos, lebte am Hof Mithridates VI. Eupator
Band XI,2 (1922) S. 16441646
Bildergalerie
Register XI,2 Register kl
Link für WP   
* {{RE|XI,2|1644|1646|Krateuas 2|[[REAutor]]|RE:Krateuas 2}}        

2) ὁ ριζοτόμος (Diosc. mat. med. praef. 1) oder ὁ ρίζοτομικὸς (Κ.Fragmente im Cpolitanus 0 des Dioskurides), lebte am Hofe Mithradates’ VI. Eupator, dem zu Ehren er eine Pflanze Mithri-datia benannte (Plin. n. h. XXV 62); Aufenthalt auf der Sporade Thapsos bezeugt Schol. Nic. Ther. 529. Sein Porträt ist im Cpolitanus des Dioskurides fol. 3 v erhalten, es stammt aus den Hebdomaden Varros, s. o. Bd. V S. 1139, 52. Über seine Werke handelt Wellmann Krateuas, Abh. Ges. Wiss. Göttingen, phil.-hist. KI. N. F. II (1897) 3ff. Die Testimonia vitae doctrinae so-3 wie die wenigen im Cpolitanus des Dioskurides erhaltenen direkten Fragmente hat Wellmann in seiner Dioskuridesausgabe III 139–146 zusammengestellt. Wir müssen drei Werke unterscheiden: a) Nach Plin. XXV 8 gab K. (wohl als erster) ein Kräuterbuch mit farbigen Abbildungen heraus; es war alphabetisch angeordnet, wie auch b und c (Wellmann Krateuas 21), und offenbar für das Bedürfnis des Volkes bestimmt. Eine Beschreibung der Pflanzen war > nicht beigefügt, da die mit den Namen versehenen Illustrationen dafür vollwertigen Ersatz bieten sollten; unter den Bildern waren nur die Heilwirkungen der Pflanzen verzeichnet (pinxere namque effigies herbarum atque ita subseripsere effectus). Wellmann hat nachgewiesen, daß eine Kopie dieses Herbariums von dem Kom-pilator des 3. oder 4. Jhdts. benutzt wurde, auf den die alphabetische Umarbeitung des Dios-kurides zurückgeht, daß also die Pflanzenbilder ¹ im Cpolitanus und Neapolitanus wie auch in den übrigen illustrierten Dioskurides-Hss. nicht von Dioskurides, dessen Werk nicht illustriert war, herrühren, sondern von K.; hierzu vgl. o. Bd. V S. 1138 und de Premerstein De codicis Dios-curidei Aniciae Iulianae nunc Vindobonensis med. graec. 1 historia etc. 1906, 88ff. Mit diesem Befunde deckt sich die Tatsache, daß die K.-Fragmente im Cpolitanus nur Namen und Wirkung der Pflanzen angeben. Neuauflagen dieses epochemachenden Werkes stammen von Dionysios (s. C a s s i u s Nr. 42) und Metrodoros (Plin. a. a. O.); die Illustrationen wirken bis ins 17. Jhdt. nach, s. o. Bd. V a. a. O. b) Im Gegensatz zu dem eben besprochenen populären Werke bot eine zweite, ebenfalls alphabetisch angeordnete (s. a), botanisch-pharmakologische Schrift die Synonyma und die Beschreibung der Pflanzen, danach wieder ihre medizinische Verwendung; auf Grund [1645] iuïü niawuoo

der Pliniusstelle (s. o.) kann aie nicht illustriert gewesen sein. Sie ist das wissenschaftliche Gegenstück zu dem populären a und jedenfalls vor diesem entstanden (Wellmann Krateuas 14). Sie trug den Titel Ῥιζοτομικόν (Schol. Nic. Ther. 681 in Verbindung mit [‌Gal.] de virtute cen-taureae c. 2, XIII 1010 Chart.: in tertio libro eorum, quae eradicantur) und umfaßte wohl mehr als drei Bücher. Der Titel ist dem ältesten für uns erreichbaren Kräuterbuch der Griechen entlehnt, dem Ῥιζοτομικόν des Diokles von Kary-stos (Schol. Nic. Ther. 647); vgl. Wellmann Festgabe für Susemihl 1897, 1ff., wo der Nachweis geführt ist, daß Diokles die Urquelle des K. war, nicht Theophrastos. Als weitere Quelle nennt Schol. Nic. Ther. 617 Mikion (um 100 v. Chr.) ἐν τῷ περὶ ριζοτομικῶν. Über die Möglichkeit b unter c zu subsumieren s. c. c) K. hat aber auch über die medizinischen Wirkungen der Metalle gehandelt (Gal. XV 134) und höchstwahrscheinlich auch über Spezereien (Diosc. praef. 1, vgl. Wellmann Krateuas 4). Hieraus schließt Wellmann a. a. O.: entweder hat K. neben seinem Kräuterbuch noch eine zweite pharmakologische Schrift περὶ μεταλλικῶν φαρμάκων καὶ ἀρωμάτων verfaßt, oder wir haben anzunehmen, daß er außer dem ριζοτομικόν noch ein umfassenderes pharmakologisches Werk in der Art der dioskurideischen Schrift περὶ ὕλης Ἰατρικῆς verfaßt hat.* K. hätte also zunächst b veröffentlicht, dann auf Grund dieses Werkes das populäre a herausgegeben und schließlich in dasselbe b die Metalle und Spezereien alphabetisch hineingearbeitet. Möglich wäre allerdings auch die Annahme, daß K. gleich von vornherein ein Werk περὶ νλης ἰατρικῆς schrieb, dessen einer Unterteil den Sondertitel Ῥιζοτομικόν trug, und dessen anderer etwa die Überschrift περὶ μεταλλικῶν φαρμάκων καὶ ἀρωμάτων führte; aus dem ersten Unterteil wäre dann das populäre Herbarium hervorgegangen. Jedenfalls war die Behandlung des Stoffes in b und c die gleiche: auf die Synonyma (Diosc. II 156. IV 35, 74. Schol. Nic. Ther. 617. 656. 858. 860. Plin. XIX 165) folgte die Beschreibung (Diosc. praef. 1. I 29. II 127. 156. Schol. Nic. Ther. 617. 856. 860. Schol. Theocr. II 48. V 92) und die Angabe der Heilwirkungen (Plin. XXIV 167. XX 63 XXII 75. Schol. Nic. Ther. 680. 693. Schol Theocr. XI 46); vgl. dazu die Parallelstellen bei Wellmann Dioskuridesausgabe III 139ff. Diese große wissenschaftliche Pharmakologie diente neben Sextius Niger als zweite Quelle für Dioskurides' supνλsupΥλὴ Ἰατρική, aber auch Sextius Niger ist von ihr abhängig; Plinius hingegen, der den K. unter den Quellenschriftstellern zu Buch XX–XXVIII auf-zählt, kennt dieses Werk nur durch Vermittelung, besonders des Sextius Niger, vgl. Wellmann Henn. XXIV 530ff. Ob Galen wirklich den K. in Händen gehabt hat, wie Wellmann Krateuas 5 meint, kann man bezweifeln; er wird von ihm immer nur in Verbindung mit Dioskurides und Pamphilos zitiert (XI 79Ι. 797. XIV 6. XV 134. XIX 64. 69); XV 134 kann aus Diosc. praef. herausgelesen sein. Das einzige sichere Zeugnis selbständiger Benutzung des Ῥιζοτομικόν in späterer Zeit ist [Gal.] de virt. cent., s. b. Daß die populäre Schrift a noch im 3. oder [1646] Àθiauuvo

4. Jhdt. vorhanden war, sahen wir oben. Für uns sind die Originalwerke des K. unwiederbringlich verloren; sie wurden frühzeitig durch die Pharmakologie des Dioskurides verdrängt. Die angeblichen Κ.Fragmente des Paduaner Botanikers Anguillara (1561) stammen aus dem Texte des alphabetisch umgearbeiteten Dioskurides; ebenso gibt es keine Wiener Hs. des K., wie Sprengel-Rosenbaum Gesch. d. Med. I 10 593, 43 meint, vgl. Wellmann Krateuas 4ff.

Nur die geringen Bruchstücke aus dem populären Herbarium befinden sich in Wien im Cpoli-tanus des Dioskurides; auf diesen Vindob. med. graec. 1 gehen die andern Wiener, Venediger, Pariser Hss. des 13.–16. Jhdts. mit ihren K.-Fragmenten zurück (Costomiris Revue des études grecques II 358ff. Diels Hss. d. ant. Ärzte II 25. Wellmann Krateuas 4ff.). – Der Adressat des 16. ps.-hippokratischen Briefes, der 20 als ριζοτόμος ἄριστος geehrt wird (IX 342 L.), ist wahrscheinlich ein Urenkel unseres K. Diels Herm. LIII 82.

[Kind. ]