RE:Kresilas
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Von Kydonia, Erzgießer | |||
| Band XI,2 (1922) S. 1714–1717 | |||
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Kresilas (Κρησίλας) von Kydonia, Erzgießer. Zum Namen, der öfters falsch überliefert und gelesen (Kressidas, Krisias, Ktesilaos) ist, vgl. Bechtel Die histor. Personennamen des Griechischen 262; er zeigt, daß die Familie nicht ursprünglich auf Kreta ansässig war. Sie gehörte wohl zu den Aegineten, die 515 Kydonia neu kolonisierten. K., Über dessen Lehrer nichts Überliefert ist. mag also zur Schule von Aigina Beziehungen gehabt haben. Zeugnisse seiner Tätigkeit haben wir von verschiedenen Orten Griechenlands, die meisten aus Athen: drei seiner Werke, private Anatheme, standen auf der Akropolis. 1. Statue des Perikies. Plin. n. h. XXXIV [1715] 1715
Kresilas
74 gibt ihr den Beinamen Olympias, der zwar an sich für Perikies häufig ist, speziell aber der Statue eigen gewesen sein muß; er ist wohl einem Epigramm entnommen, ebenso wie die Be-merkung, daß diese Kunst nobiles viros nobüiores machte (wo man sich vor dem immer wiederkehrenden Übersetzungsfehler nobiles = ,vornehm* statt ,berühmt* hüten muß). Pausanias (I 25, 1; 28, 2) nennt die Statue (ἀνδρώς) ohne den Künstlernamen. Sie stand in der Nähe der 1 Propyläen, nördlich vom Hauptweg, zwischen der Athena Lemnia und dem ehernen Viergespann. Vielleicht gehörte dazu der Rest einer Basis (verbaut gefunden) mit der Inschrift ]ικλεος ] ]ιλας ἐποίε (IG I Suppl. p. 154, 403a); sie zeigt eine Einlaßspur, die zur aufgestützten Lanze gehören könnte. Der Kopf ist in 4 Kopien erhalten. Perikies war als Stratege im korinthischen Helm dargestellt. Das Haupt war leicht nach der linken Schulter geneigt. Die individuellen Züge ί sind ganz zurückgedrängt. – Daß für das Portrait nicht des Perikies Freund Pheidias herangezogen wurde, erklärt sich vielleicht daraus, daß dieser damals schon gestürzt war; das Portrait würde also in die letzten Zeiten des Peri-kles, um 430 gehören. Vgl. Bernoulli Griech. Ikon. I 106ff. Kekulé 61. Berl. Winckelmanns-Programm und Strategenköpfe (Abh. Berl. Akad. 1910) C-F, S. 29ff. Lippold Griech. Portraitstatuen 32 f. 2. Vor dem Perikies erwähnt Plin. i die Statue eines sterbenden Verwundeten, bei dem man erkennen könne, wie viel Leben in ihm sei. Damit kombiniert man wohl mit Recht die Nachricht des Pausanias I 23, 1: darnach stand in den Propyläen (rechts vom Eingang, zwischen der Aphrodite des Kailias und der Athena Hy-gieia) die eherne Statue des Dieitrephes, der von Pfeilen getroffen war (Künstlername auch hier nicht genannt). Dazu gehört wahrscheinlich die (verbaut gefundene) Inschrift IG I 402 (Loewy-Inscbr. griech. Bildh.46) ἀερμόλυκος | 4ί«τρθφος | Κρεοίλας | ἐπόεσεν |. Diese Inschrift müßte allerdings Pausanias mißverstanden haben. Nach ihrem Schriftcharakter kann Hermolykos nicht der Sohn des nach 413 noch tätigen Dieitrephes sein, sondern nur dessen Vater. Der Dargestellte kann als Unterliegender nicht Dieitrephes sein, sondern nur ein besiegter Feind. Der jüngere Dieitrephes hat thrakische Söldner geführt und wird von Platon (Ἐορταί frg. 6 Mein. = Schol. Arist. Aves 798) als ,Kreter* verspottet, was vielleicht darauf deutet, daß er Kreter im Sold hatte; solche Beziehungen kann er von seinem Vater Hermolykos übernommen haben: die Statue auf der Akropolis wäre dann ein Vertreter der Feinde, die Hermolykos mit kretischen Bogenschützen besiegt hat. Damit mag die Wahl eines kretischen Künstlers Zusammenhängen. Die Basis trug eine aufrecht stehende Statue. Ihre Fußspuren passen (Studniczka österr, Jahresh. IX 1906, 135, 12 läßt die Möglichkeit wenigstens zu) zu denen der Bronzestatuette von Bavai in St. Germain, die S. Reinach (Gaz. des Beaux arts 1905, 193) als Kopie des ,Verwundeten* erklärt hat, anscheinend mit Recht, da sie stilistisch vorzüglich dem Bild entspricht, das wir uns von der Kunst des K. machen müssen. Ihre Echtheit ist wiederholt, aber ohne Grund [1716] Kresilas
Γλlö
angezweifelt worden. Vgl. Lippold Griech. Portraitstatuen 33ff. Kobert Gött. Gel. Anz. 1917, 369. Sauer Neue Jahrb. XVIII 1915, 237ff. Bieber Athen. Mitt. 1913, 275; Jahrb. des Inst. XXXIII 1918, 68, 1. 3. Das dritte Werk des K. auf der Akropolis ist nur durch die Inschrift bekannt, die im Original (im Parthenon verbaut, IG I 403 = Loewy Inschr. griech. Bildh. 47) und literarisch (Anth. Pal. θΧΙΠ 13) auf uns gekommen ist. Nach dieser
Inschrift (Distichon; die Künstlerinschrift, iam-bischer Trimeter, nachgeahmt von Koblanos [s. d.]), war die Statue (nur mit wöe bezeichnet, vielleicht der Weihende selbst) von Pyres, Sohn des Polymnestos, der Pallas Tritogenes als δεχάτη geweiht. Der Schrift nach jünger als der ,Diei-trephes¹. – Außerhalb Athens: 4. Inschrift von Hermione, Weihung des Alexias, Sohnes des Lykon, an Demeter Chthonia; zusammen gefunden JO die Weihung des Sohnes des Alexias, mit Signatur des Dorotheos [s. d. Nr. 28 Bd. V S. 1574], IG IV 683 – Loewy Inschr. griech. Bildhauer 45. Beide Steine seitdem wiedergefunden: Phi-ladelpheus Πρακτικά 1909, 174. Pomtow Klio IX 171. 5. Signatur von Delphi, nach dem Alphabet, das K. immer der Heimat des Weihenden anpaßt, wohl von Weihung eines Kleinasiaten. Bull. hell. XXIII 378. 6. Nach Plin. n. h. XXXIV 53 war K. beteiligt bei der Konkurrenz für Ama-10 zonenstatuen, die im Heiligtum der Artemis von
Ephesos geweiht wurden, zusammen mit Polyklet, Pheidias und Phradmon (aus dem Ethnikon des K. ist bei Plin ein fünfter Künstler Kydon geworden). Die Nachricht ist an sich durchaus glaubwürdig (über Künstlerkonkurrenzen: Furtwängler Aegina I 273), wenn auch vielleicht anekdotisch ausgeschmückt (Robert Gött. Geh Anz. 1917, 369). Bestätigt wird sie dadurch, daß 3 (oder 4) Typen von Amazonen in Kopien 40 erhalten sind, die der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts angehören, in manchen Äußerlichkeiten übereinstimmen, dem Stil nach aber verschiedenen Meistern zuzuweisen sind. Von dem einen Typus ist zudem in Ephesos eine Nachbildung in Relief gefunden worden. Es ist derjenige, den wir dem K. zuschreiben müssen (Berlin-Sciassa). Die Amazone lehnte sich mit dem linken Arm auf einen Pfeiler; die rechte Hand lag auf dem Kopf. Ob eine Verwundung im Original ange-50 geben war, ist nicht sicher. Da die Amazone des Polyklet (Typus Capitol) stilistisch in die spätere Zeit des Künstlers gesetzt werden muß, wird man die Amazonen gegen das Ende der 30er Jahre zu datieren haben. Vgl. Graef Jahrb. d. Inst. XII 1897, 81ff. Noack ebd. XXX 131ff. Bieber ebd. XXXIII 49ff, Über die Plin. n. h. XXXIV 75 erwähnte Amazon volnerata vgl. den Art. Ktesilaos. 7. Auch in Pergamon stand ein Werk des K,, das aber erst 60 von einem der Könige erworben sein wird. Rest der Basis mit Anfang des Künstlernamens (»Formen der Königszeit*) Athen. Mitt. XXXIII 1908, 418 nr. 60. K. gehört nicht zu den im Altertum besonders geschätzten Künstlern. Von den erhaltenen Autoren erwähnt ihn nur Plinius (allerdings zwei Werke mit epigrammatisch klingenden Bemerkungen), der ihn im (1.) alphabetischen Verzeichnis der Erzgießer nennt. (Der Vorschlag [1717] 1Ï1V-
urespnonws
▼on Brunn S.-Ber. Akad. Münch. 1880, 481 = Kl. Schriften II 96, den Namen beim Auct. ad Herenn. IV 6, 9 einzusetzen, ist nicht begründet). Auch wir werden die auf ihn zurückzuführende Berliner Amazone den von Pheidias und Polyklet geschaffenen Statuen nachsetzen. Der Kopf zeigt wie der des Perikies, daß K. in manchen Dingen altertümlicher arbeitete als seine größeren Genossen. Weitere Werke ihm mit Sicherheit zuzuweisen, ist bis jetzt nicht gelungen. Beachtenswerte Versuche bei Furtwängler Meisterwerke d. griech. Plastik 267ff. Über die Zuweisungen von Amelung vgl. vorläufig Helbig Führer® II 530. – Brunn Gesch. d. griech. Künstler I 260ff. Overbeck Schriftquellen 870–876. 946. Klein Gesch. d. griech. Kunst II 129ff.