RE:Kritolaos 3
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Von Phaselis, Scholarch d. peripatetischen Schule erste Hälfte 2. Jh. v. Chr. | |||
| Band XI,2 (1922) S. 1930–1932 | |||
| GND: 118724509 | |||
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| Kritolaos bei Trismegistos | |||
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| Register XI,2 | Register kl | ||
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3) Kritolaos von Phaselis, Scholarch der peri-patetischen Schule in der ersten Hälfte des 2. Jhdts. v. Chr. Als solcher nahm er an der be-50 rühmten Philosophengesandtschaft des J. 156/5 teil. Über diese s. Karneades. Nach Gell. IV 14, 10 hielt auch K. während seiner Anwesenheit in Rom öffentlich Vorträge über Philosophie, deren Stil Gellius als scita et teretia bezeichnet. Auf den Stil des K. bezieht sich auch Cic. de fin. V 14: Critolaus imitari vohiit antiquos et quidem est gravitate proximus et redundat oratio, auf seine Lehre nur die folgenden Worte: ac tonten (ne) is quidem in patriis institutis manet, die 60 ihm Heterodoxie gegenüber Aristoteles und Theophrast vorwerfen. Daß (ne) ergänzt werden muß, zeigt der Zusammenhang. Als K. an der Gesandtschaft teilnahm, dürfte er schon sehr alt und dem Ende seines Scholarchates nahe gewesen sein. Er wurde nach Ps.-Luc. Macrob. 20 über 87 J, alt. Wir kennen keinen peripatetischen Schol-archen zwischen ihm und Ariston von Keos, der im J. 226/5, nach dem Tode Lykons. Schulhaupt [1931] 1931
Kritolàos
geworden war. Da K. ein so hohes Alter erreichte, ist es nicht ausgeschlossen, daß er der unmittelbare Nachfolger des Ariston gewesen ist. Zeller Phil. d. Gr. III³ 927, 1. Da Andronikos der zehnte Scholarch nach Aristoteles, der elfte des Peripatos unter Einrechnung des Aristoteles war (Zeller IV³ 620, 5), so würden, wenn K. unmittelbar auf Ariston folgte (also das sechste Schulhaupt des Peripatos war), hinter seinen Nachfolgern Diodoros von Tyros und Erymneus (dem siebenten und achten) und vor Andronikos (dem elften) noch zwei Schulhäupter einzuschieben sein. Dies ist durchaus wahrscheinlich. Eben darauf gründet sich die Vermutung, daß K. schon seit dem ersten oder zweiten Jahrzehnt des 2. Jhdts. v. Chr. an der Spitze des Peripatos stand, und daß sein Auftreten in Rom 156/5 an das Ende seiner Laufbahn zu rücken ist. In der Geschichte desPeripatos nimmt K. eine hervorragende Stellung ein, insofern er die von seinen Vorgängern Lykon und Ariston vernachlässigten philosophischen Forschungen wieder aufnahm, an Stelle des von jenen gepflegten dialektisch-rhetorischen Betriebes. – In der Ethik finden wir K. als treuen Anhänger der aristotelischen Lehre vom höchsten Gut, wenn auch seine Formulierung derselben den Einfluß stoischer Terminologie verrät. Clem. Alex, ström. II 816 D: er bestimmte das τέλος (d. h. die Eudämonie) als τελειότης Χατὰ φύαιν εὐρόονντος βίου und verstand darunter τὴν ἐκ τῶν τριῶν γενῶν (nämlich den seelischen, leiblichen und äußeren Gütern) συμπληρουμένην εὐδαιμονικήν (überliefert sinnlos προγονικήν) τελειότητα. Hier ist die ἔνροια βίου aus Zenons Telosdefinition entlehnt; auch das Prinzip des naturgemäßen Lebens ist mehr akademisch-stoisch als aristotelisch; die Güter der drei Klassen finden sich bei Aristoteles als Bestandteile der höchsten Glückseligkeit, aber nicht mit dieser scharfen Unterscheidung als drei Klassen. Sachlich aber liegt keine Abweichung von der aristotelischen Lehre vor. Auch bei Stob. Ecl. II p. 46, 10 definiert K. das Telös als τὸ ἐκ πάντων τῶν ἀγαθῶν συμπεπληρωμένον · τούτο δὲ ἤν τὸ ἐκ τῶν τριῶν γενῶν. Von den drei Klassen hielt er die der seelischen Güter für die allein ausschlaggebende: Cic. Tusc. V 51 cum in alteram lancem animi bona im-ponat, in alteram corporis et externa, tantum propendere illam bonorum animi lancem putat, ut terram et maria déprimât. Dagegen ist es im Widerspruch mit der aristotelischen Lehre, daß er die Lust für ein Übel erklärt und ihr verderbliche Wirkungen auf den Menschen zuschreibt, Gell. IX 5, 6 et malum esse voluptatem ait et multa alia mala parère ex sese, iniurias, desidias, obliviones, ignarias. Das klingt mehr nach Kleanthes als nach Aristoteles. Aber der Widerspruch dürfte auch hier mehr in den Worten als in der Sache liegen. K. dürfte die stoische Unterscheidung von χαρά und ἠδονή akzeptiert und den Ausdruck ἠδονή auf den maßlosen Affekt beschränkt haben. Die Seele oder der νους besteht nach K. aus dem Äther, der πέμπτη οὐσία. Aët. I 7, 21 (D Dox. p. 303 b 6). Tertull. de an. 5. Das ist eine Annäherung an den stoischen Materialismus. Ferner kennen wir aus Philo de aetern. mundi c. 11f. die Beweise, mit denen K. das aristotelische Dogma der Weltewigkeit gegen [1932] Kriton
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die stoische θκπνρωσις und παλιγγενεσία zu schützen suchte. Von den fünf Beweisen sind wenigstens der erste, dritte und fünfte speziell auf die Stoiker zugeschnitten, deren Lehre von der Vergänglichkeit des Kosmos sie aus stoischen Voraussetzungen zu widerlegen suchen. H. v. Arnim Quellenstud. z. Philo, Phil. Unters. XI 11–16. Außerdem kennen wir durch Sextus Math. II 12. 20 und Quint. II 17, 15 K. als einen der Philosophen, 10 welche den Kampf gegen die Vulgärrhetorik, im
Gegensatz zu der philosophischen, die im Peripatos selbst betrieben wurde, eifrig geführt haben. Auch in Philodems Schrift περὶ ρητορικῆς wird die Polemik des K. gegen die Vulgärrhetorik berücksichtigt. Vgl. Philodemi Vol. rhet. vol. II ed. Sudhaus (Ind. s. Κριτόλαος). H. v. Arnim Leben und Werke des Dio von Prusa 80–82. Zeller Phil, d. Gr. III³ 927f. Susemihl Gr. Lit. in d. Alex. I 153. [v. Arnim.]