RE:Kupfer

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Metallart
Band XI,2 (1922) S. 21942200
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Kupfer [...] [2195] [2196] [2197] [2198] [2199] [2200] Kupfer. Im Artikel Bronze (s. o. Bd. III S. 892) ist darauf hingewiesen worden, daß weder Griechen noch Römer eine besondere Bezeichnung für K. haben, daß vielmehr χαλκός und aes eben-20 sowohl reines K. wie die durch Mischung von K. und Zinn entstandene Bronze, und letztere häufiger als ersteres bedeuten. Das kommt offenbar daher, daß den Griechen, in deren Heimat sich K. nur spärlich und vereinzelt fand, die schon in früher Zeit von den Phoinikiern hergestellte und weithin exportierte Bronze früher bekannt wurde als deren Hauptbestandteil, das K., zumal dieses sich seiner Weichheit wegen zur Verarbeitung weniger eignete als die durch 30 Zinnbeimischung härter gewordene Bronze. Zwar wird heute allgemein angenommen und ist durch Funde erwiesen, daß es in prähistorischer Zeit eine Periode gab, in der das K. in reinem oder fast reinem Zustande, d. h. so, wie es bei der Verhüttung des k.-haltigen Erzes gewonnen wurde, zur Verarbeitung kam; diese Κ.Zeit fällt an das Ende der neolithischen Periode und geht dem Bronzealter unmittelbar voran. Nachgewiesen ist sie für einen großen Teil von Europa, vor-40nehmlich in Ungarn und der Schweiz; es sind Waffen und Geräte, die daraus hergestellt wurden und sich in ihren Formen und dem Mangel an Verzierungen wenig von denjenigen der Steinzeit unterscheiden. Eben deshalb und auch wegen der Fundumstände ist die mitunter aufgestellte Behauptung abzuweisen, daß das Vorkommen dieser Objekte daher zu erklären sei, daß man sie nur wegen augenblicklichen Mangels an Zinn aus reinem K. hergestellt habe. Lange scheint 50 diese Κ.Zeit nicht gedauert zu haben, und in der Erinnerung der Griechen, in der die Bronzezeit noch eine Rolle spielt, war sie offenbar gänzlich geschwunden. Vgl. Much Die Kupferzeit in Europa, Jena 1893. Hörnes Die Urgeschichte des Menschen (Wien 1892) 76. Woermann Gesch. der Kunst I² 33. Auch in andern Ländern der alten Welt ist das Vorhandensein einer solchen Κ.Zeit durch Funde erwiesen; so in Asien für Chaldaea, Kleinasien, Syrien, Kypern, in Afrika 60 für Ägypten; vgl. Perrot-Chipiez Histoire de l'art I 829. II 718; über K.-Funde auf Thera ebd. VI 149; in Troia Schliemann Dios 3llff. Perrot-Chipiez VI 204; in Mykenae Schliemann Mykenae 248. 315. 378 (vgl. die Analyse eines Kupferkessels mit 98,5% reinem K. 428L); in Kypern Dümmler Athen. Mitt. XI 218.

Daß in den Homerischen Gedichten bei den aus χαλκός gefertigten Gegenständen, als Waffen, [2195] MJ. MW

Gefäßen, Geräten usw., nur an Bronze zu denken sei, ist nicht zu bestreiten; die früher bisweilen aufgestellte Ansicht (vgl. Mi Hin Mineralogie des Homer 73. Buchholz Homer. Realien I 327), daß diese Objekte wirklich aus reinem oder allenfalls aus einem durch besonderes, heute nicht mehr bekanntes Verfahren stark gehärtetem K. gewesen seien, ist bestimmt abzuweisen. Höchstens könnte es sich fragen, ob χαλκός bei Homer nicht vereinzelt auch K. bedeuten könne; da das V Epos das Zinn kennt, wäre es denkbar, daß ihm auch das K. in ungemischtem Zustande bekannt war. Dafür könnte freilich nur eine einzige Stelle angeführt werden, Od. I 184, wonach der Taphierkönig Menthes nach Temese fuhr, um dort χαλκός einzuhandeln. Freilich ist es ungewiß, wo dies Temese zu suchen ist; nach der wahrscheinlichsten Ansicht ist es identisch mit Tamasos (oder Tamassos) auf Kypern, da Kypern für die Länder des mittelländischen Meeres ein 2( wichtiger Bezugsort für K. war, vgl. Strab. XIV 684; nach einer andern Annahme, die besonders alte Schriftsteller aussprechen (vgl. Strab. VI 255. Eustath. Od. a. a. O. ρ.·14θ9, 12. Tzetz. Lycophr. 1067), wäre Temese in Bruttium (später Tempsa) gemeint, wo sich auch K.-Gruben befanden. Immerhin könnte in beiden Fällen das dort gekaufte Metall K. gewesen sein. Fraglicher ist dagegen, ob mit demjenigen χαλκός, der mehrfach zusammen mit Gold und Eisen als Wert- 30 objekt in Schatzkammern genannt wird (χαλκὸς τε χρυσὸς τε πολυκμητὸς τε σίδηρος, Hom. Il. VI 48. X 379; Od. XIV 324. XXI 10), K. oder Bronze gemeint ist, da cs nicht deutlich ist, ob der Dichter verarbeitetes Metall oder Barren meint. Möglich wäre auch, daß der χαλκός, dessen sich Hephaistos bei der Herstellung des Achilleusschildes bedient (II. XVIII 474), K. bedeutet, da bei diesem Schild auch sonst weiches Metall, wie Zinn, zur Verwendung kommt; doch 40 denken die neueren Besprecher des Schildes durchweg an Bronze (vgl. Weniger Der Schild des Achilleus, Berlin 1912). In späterer Zeit ist unter χαλκός ohne nähere Beschreibung wohl immer Bronze zu verstehen; K. ist χαλκὸς καθαρός, Diod. V 36, 2, wie Bronze χαλκὸς κεκραμενος, Dio Chr. or. 28 p. 531 R. Aber auch unter χαλκὸς Κύπριος wird man K. zu verstehen haben, Poseid. bei Strab. III 263, Polyaen. III 10, 14, und vermutlich auch unter χαλκὸς ἐρυθρός, 50 Theophr. lap. 37. Athen. V 205 b, während χαλκὸς χρυσοειδῆς, Diod. V 70, 5 (oder χρνσοφαῆς, Reuvens Lettre à Mr. Letronne III 66), wohl eher Messing bedeutet und χαλκὸς λευκός, Diosc. V 89 (vielleicht auch Theophr. odor. 71, doch ist die Stelle verdorben) wohl ebenfalls eine Mischung (eine Art Prinzmetall, wie das aes candidum, Plin. XXXIV 110). Auch bei den Römern bedeutet aes ebensowohl Bronze als reines K.; letzteres z. B., wenn von aeris 60 metalla gesprochen wird, wie Plin. VII 195, oder wenn Rohstoffe, wie aes und stuppa als TributlieferuDgen genannt sind bei Curt. X 1, 19. Sonst finden wir K. bezeichnet mit aes naturale Plin. XXXIV 4; aes rubrum Cels. V 1; aes cyprium Vitruv. VII 11, 1. Plin. XII 131. XX 131. XXVIII 95. XXXIII 131. XXXIV 94 u ö. Scrib. Larg. 16. 25. 37 u. ö.; und so kommt [2196] dann auch schlechtweg cyprius in der Bedeutung kupfern vor, Plin. XXIII 74. XXXIII 93. Pallad. VIII 5. Treb. Poll. Claud. 14, 5. Erst spät tritt das davon abgeleitete cuprum auf, von dem unser K. kommt, Éd. Diocl. VII 25 (Hist. aug. Carac.

9, 5 haben die Hss. ex aere vel cypro) und cu~ prinus für kupfern. Pallad. II 15, 18. Veget mulom. I 14, 3. XIII 6, 11 u. ö.; vgl. Corp. gloss. III 559, 27. 589, 26. 609, 59.

1 Die K.-Minen heißen χαλκωρυχεία > Theophr. lap. 25 und 51. Strab. XVII 821 und 830. Plut. quaest. rom. III 10, 3 p. 659 c; ein so benannter Ort Ptolem. IV 2, 17; χαλκωρνχεῖν bei Lycophr. 484; auch χαλκου μέταλλα, Diod. V 36, 2, Schot z. Lycophr. a. a. O., während χαλκουργεία ebensowohl die Minen bedeutet, wie z. B, Diod. I 15, 5. V 36, 2, als die in der Kegel damit verbundenen K.-Hütten, in denen die Erze geschmolzen und gereinigt wurden, Polyb. XII 1, 1.

) Strab. III 147. Diosc. V 85 u. ö, Im Latei· nischen entsprechen aeris metalla oder métallo, aeraria, Vitr. VII 9, 6. Plin. VII 195. XXXIII 86. XXXIV 128. XXXVII 66, und aerariae (sc. offieinae) Varro de l. l. VIII 62. Plin. XVIII 89. XXXIV 134 u. ö. Als die ältesten zuerst bekannt gewordenen K.-Gruben galten die von Kypern, ubi prima aeris inventio, Plin. XXXIV 2; weshalb die Sage auch die Erfindung des Bergbaus und der wesentlichsten Schmiedewerkzeuge

• dorthin verlegt, Plin. VII 195; hier holten wohl die Phoinikier ihr K., und welche Bedeutung die Insel auch später noch für die K«-Produktion hatte, geht aus der oben erwähnten Übertragung von κύπριος auf kupfern zur Genüge hervor. Außer bei Tamasos, dessen Gruben wir oben erwähnten, werden als Fundstellen von K. auf Kypern noch genannt Amathus, Ovid. met. X 220 und 531; Soloi, Galen. XII 214 und 219 K. (Hesych. s. σολοιτύπος · καὶ χαλκὸς τις ἐν Κυπρφ); unsicher ist das nur Ps.-Arist, mir. ausc. 43 p. 833 a, 30 erwähnte K. vom (Berg oder Fluß) T y r r h i a s. Die Gruben, deren ehemalige Existenz an verschiedenen Stellen von Kypern noch nachweisbar sind (in mehreren Galerien übereinander angelegt, durch Schächte und Treppen untereinander verbunden), sind heute nicht nur verlassen, sondern auch ertraglos; auch die neuesten Versuche der Engländer, den Betrieb wieder neu aufzunehmen, haben zu keinen Resultaten geführt, Vgl. im allgemeinen Engel Kypros 44. Movers Die Phoenizier II 2, 224. Cesnola Cypern (deutsch von Stern) 241. Perrot-Chipiez Hist. de Fart III 489. Ohnefalsch-Richter Griech. Sitten und Gebräuche auf Cypern 104f. Die früher im Besitz der kyprischen Könige befindlichen Gruben (Curt. X 1, 11) waren später Eigentum der römischen Kaiser; Augustus verpachtete sie um die Hälfte des Ertrages an den König Herodes von Judaea. Joseph. ant. Iud. XVI 4, 5; in der Folgezeit wurden sie von kaiserlichen Beamten verwaltet, Galen. XII 226 und 234. XIV 7 K. Sodann waren K.-Gruben in Asien vornehmlich in Chaldaea, wo solche im Gebiet von Kurdistan und in der Nähe vonDiarbekr nachgewiesen sind, Beck Gesch. d. Eisens I 126. Perrot-Chipiez Hist. de l'art II 124; Minen in Kar-manien erwähnt Onesikr. bei Strab. XV 726. In Kleinasien werden K.-Gruben in Kilikien in [2197] zivî Kupier

später Zeit erwähnt bei Euseb. mart Palaest. 11, 6; in Myeien oberhalb von Kisthene bei Strab. XIII 607. Die in der Nähe von Chal-kedon belegene, zu den heutigen Prinzeninseln gehörige Insel Chalkitis deutet schon durch ihren Namen auf das Vorkommen von K. hin, Bergwerke daselbst erwähnt Theophr. lapid. 25 und Steph. Byz. s. Χαλχῖτι?. Da die Inselgruppe daselbst auch den Namen Demonesos führte, so hieß das dort gewonnene K. auch χαλκὸς Δημονήοιος, Poll. V 39. Hesych. S. Δημονήσιος χαλκός; nach Ps.-Arist. mir. ausc. 59 p. 535 b, 22 wurde es im Meere in der Tiefe von zwei Klaftern ge-xunden, als χαλκὸς κολυμβητῆς; vgl. Bürchner o. Bd. III S. 2093. Ob dagegen das ebenfalls bei Ps.-Arist. a. a. O. 62 p. 835a erwähnte Μοσσυνοικὸς χαλκός K. war, steht dahin, da es λαμπρότατος καὶ λευκότατος genannt wird. In Syrien und Palästina gab es mehrere Ortschaften des Namens Chalkis, bei denen man aus dem Namen auf das Vorkommen von K. geschlossen hat; vgl. Strab. XVI 753 und 755. Plin. V 81. Steph. Byz. s. Χαλκίς. Suid. s. Ἰάμβλιχος ἔτερος; andere Orte mit K.-Gruben werden bei Euseb. mart. Pal. 7, 2 und 13, 1, sowie hist. eccl. VIII 13, 5 genannt, auch im A.T., vgl.Movers Phoenizier III1,65. Blümner Technologie IV 58; o. Bd. III. S. 2090f. Die K.-Minen der Sinai-Halbinsel, aus denen die Ägypter ihr K. bezogen, kennen wir nur aus ägyptschei! Quellen, vgl. Lepsius Metalle in den ägypt. Inschriften 91ff. Brugsch Geogr. Inschriften I 33. Blümner a. a. O. 57f, Perrot-Chipiez 182, 9. Doch gab es auch in Afrika K.-Mineu, und wenn auch das Vorhandensein solcher bei einer Steph. Byz. s. Χάλκη und Skyl. peripl. 51 erwähnten Stadt Chalke bei der nu-midischen Küste nicht nachweisbar ist, so nennt doch Ptol. IV 2, 27 einen Ort Χαλκωρυχεία in Mauretanien; K.-Bérgwerke in Libyen führt Strab. XVII 830 und Steph. Byz. s. Χαλκεία an; solche in der T heb aïs Diod. I 15, 5, vgl. Euseb. mart. Pal. 9, 1, und in Äthiopien Strab. XVII 821. Diod. I 33, 3.

In Europa sind K.-Minen zahlreich vertreten. Reichen Ertrag lieferten die von Euboia, weshalb ihr alter Name Chalkis gewesen sein soll, nach Menedemos bei Plin. IV 64: aere ibi primutn reperto. Gruben lagen bei der Stadt Chalkis. Steph. Byz. s. h. v. Eustath. z. Dion. Per. 764, und zu Hom. Il. II 537 p. 272, 2; vgl. Dondorff De rebus Chalcidensium (Halle 1855). Zur Zeit Strabons waren diese Gruben schon nicht mehr in Betrieb, X 447. Plut. def. orac. 43 p. 434a, und heute ist keine Spur davon mehr nachzuweisen, s. Fiedler Reisen I 441. Ross Inselreisen IV 157. Neumann-Partsch Physikal. Geogr. v. Griech. 229. Bursian Geogr. v. Griech. II 413, 2 (daher ist Kiepert Lehrb. d. alt. Geogr. 255 der Ansicht, daß der Name von i Chalkis nicht vom K„ sondern von der an dieser Küste häufigen Purpurschnecke, χάλκιμΜβΓ κάλχη, herkomme, was aber Oberhummer o. Bd. III S. 2079 zurückweist). Doch lieferte die Insel auch noch an andern Stellen K.; so Aidepsos nach Steph. Byz. s. h. v., was freilich Baumeister Die Insel Euboea 61 in Zweifel zieht; Spuren alten K.-Bergbaus und Schlackenhalden hat man auch [2198] im Süden der Insel beim Berge Ocha gefunden, Bursian II 399, sowie an andern Stellen, s. ebd. 436 und 438. Vom griechischen Festlande liegen Nachrichten über Gewinnung von K. nicht vor, doch finden sich an verschiedenen Punkten (s. die Zusammenstellung bei Fiedler II 559) Malachit, Kupferlasur und sonstige K.-Erze, obschon nur in sehr geringen Mengen. Über angebliche Spuren von K.-Bergbau in Attika s. lOBlümner a. a. O. IV 63. In Argolis und Sikyon

blühte zwar Waffenfabrikation und andre Erzarbeit, aber K.-Gewinnung ist nicht nachweisbar. Daß jedoch im Gebiet von Korinth Bergbau betrieben wurde, ist durch die dort gefundenen Tontäfelchen mit Darstellungen von bergmännischen und metallurgischen Szenen (s. Furtwängler Berliner Vasensammlung 47ff. Pernice Arch. Jahrb. XII 9ff.; Abbildungen Ant. Denkmäler d. Instit. I 7f. II 23ff.) erwiesen. Reste antiken 20 K.-Bergbaus wollte Milchhöf er in der Nähe

von Korinth gefunden haben, s. Deutsche Revue 1882, I 225. Spuren alten Betriebes finden sich auch auf der Insel Seriphos, die aber nicht auf längeren Betrieb hindeuten, s. Fiedler II 221. Ross a. a. O. 1136. Neumann-Partsch 229. Κ.Gruben in .Makedonien erwähnen Vitr. VII 9, 6 und Liv. XLV 29, 11. Im heutigen Griechenland wird K. nur am Othrysgebirge in geringen Mengen gewonnen. [2199] Tïnto im westlichen Teile von Andalusien (Provinz Huelva); sie werden zwar in der Literatur nicht erwähnt, sind aber durch ausgedehnte Sehlackenhalden nachgewiesen, s. Weitz Berg-und Hüttenmän.-Ztg. 1861, 296. Schönichen ebd. 1863, 200ff. Körner N. Jahrb. f. Mineralogie 1873, 296ff. Die h er belegenen aerariae fodinae standen in der Kaiserzeit unter einem kaiserlichen Procurator, CIL II 956,[1] ebenso wie die vom Mons Marianus, ebd. II 1179; vgl. Hirschfeld Kaiserl. Verwaltungsbeamte 2 159. 174. Von dem K.-Bergwerk bei Aljustrel gibt uns die inschriftHeh erhaltene Lex metalli Vi-pascensis (CIL II 5181)[2] Kunde. Auch im nördlichen Spanien sind am Abhang der Pyrenäen Reste alter K.-Bergwerke nachgewiesen worden, s. Daubrée Rev. arch. N.S. XVII 302.

Von sonstigen Κ.Gruben in Europa kannte die alte Welt noch folgende. In Italien das schon oben erwähnte T e m c s a im Bruttierlande, * Strab. VI 255; doch haben die römischen Dichter, wenn sie von Temesea aera oder metalla sprechen, wie Ovid. met. VII 207. XV 707; fast. V 441; medic. fac. 41. Stat. Silv. I 1, 42. 5, 47; Achill. I 413, wohl nicht gerade an diese gedacht, sondern lediglich homerische Reminiszenzen angebracht, obschon allerdings, wie oben erwähnt, das homerische Temese vielfach mit dem bruttischen Temesa identifiziert wurde. Diese Gruben waren nach Cassiod. var. IX p. 195 noch zur Zeit der* Goten im Betrieb. In Gallien waren K.-Minen im Gebiet der Centronen (Westalpen), Plin. XXXIV 3, die aber früh versiegten; Spuren von alter K.-Gewinnung haben sich noch an verschiedenen Orten Frankreichs nachweisen lassen, s. Daubrée a. a. O. 302f. Nach Plinius gehörten die Minen der Centronen im Anfang der Kaiserzeit einem gewissen Sallustius, daher dieses K. aes Sallustianum hieß; das ebenfalls aus Gallien stammende aes Livianum kam von 4 Gruben, die Privatbesitz der Kaiserin Livia waren. Britannien hatte nach Caes. bell. Gall, V 12 keine K.-Minen; doch sind solche in Wales bereits in der Kaiserzeit ausgebcutet worden, s. Hübner zu CIL VII 220.[3] Franz Berg- und Hüttenmänn. Ztg. 1880, 306. In Germanien sind Spuren alter Κ.Gruben im Saargebiet und auch sonst am Rhein nachgewiesen, s. Winckel-manns-Progr. d. Ver. von Altertum sfr. imRheinl. L 1870, 83; Rh. Jahrb. XXVII 141. Über K. 5 auf Sardinien vgl. Perrot-Chipiez IV 98f.

Das K.-Erz, aus dem das K. gewonnen wurde, hieß schlechthin χαλκῖτις-, doch werden mit diesem Wort auch andre, namentlich Zinkerze bezeichnet (s. o. Bd. III S. 2093), weshalb Poll. VII 98 γῆ ὑπόχαλκος für richtiger erklärt. Auch im Lateinischen ist lapis aerarius oder aerosus ebensowohl K,- wie Zinkerz; vgl. Plin. XXXIV 2. 116. 130. Isid. or. XVI 20, 2; s. K. Hofmann Berg- und Hüttenmänn. Ztg. 1882, 481. Die Alten 6( besaßen eben nicht genügend mineralogische und metallurgische Kenntnisse, um zwischen den verschiedenen Arten k.-haltiger Erze unterscheiden zu können, Blümner Technol. IV 164.

Über die Ausbeutung der K.-Minen erfahren wir wenig. Plin. XXXIV 2 sagt, das Erz werde ebenso gegraben und im Feuer behandelt, wie das Silbererz. Lehrreicher sind die am Rio Tinto [2200] aufgefundenen alten Gruben, beschrieben von Schönichen und Römer a. a. O., darnach Blümner IV 164ff. Über das Verfahren bei der Verhärtung haben wir einige Notizen, wenn auch keine zusammenhängende Beschreibung er* halten, aus denen sich folgendes ergibt (vornehmlich aus Plin. XXXIV 94ff. über aes coro-narium und aes reguläre, s. Blümner a. a. O. 166f.). In der Regel wurden die K.-Erze mit 10 Bleizuschlägen ausgeschmolzen; das erweisen auch in England gefundene, mit römischen Inschriften versehene K.-Barren (panes aerei, Plin. ebd. 107. 109) mit Bleigehalt, vgl. Reitemeier Gesch. d. Bergbaus und Hüttenwesens b. d. alten Völkern (Götting. 1785) 135f. (nach Pennant Tour in Wales I 60. II 265. 382). Die Verhüttung bestand vornehmlich in den Tätigkeiten des Röstens, Pochens, Mahlens und Waschens der Erze. Die Les metalli Vipascensis (ediert von Hübner 20Ephem. epigr. III 165ff., wiederholt CIL II 5181)[2] gedenkt der Tätigkeiten des expedire, frangere, cernere, lavare und nennt unter den Arbeitern scaurarii und testarii. Erstere hatten es jedenfalls mit der scoria zu tun, was gewöhnlich Schlacke bedeutet; doch meint Mommsen, daß die scaurarii Arbeiter waren, die die geförderten Erze zunächst in Arbeit nahmen, und daß der Name scoria auch auf diese Erze Übertragen worden sei. Über die Konstruktion der Schmelz-10 öfen werden wir durch Diosc. V 85 unterrichtet, vgl. Engel Kypros I 51. Frantz Berg- und Hüttenmänn. Ztg. 1881, 252. Blümner 169f.; über Schmelzöfen, die man in Spanien im K.-Bezirk Tharsis aufgefunden hat, s. Schönichen ebd. 1863, 202. Nach Diod. V 36, 2 gewann man in Spanien bei der Reinigung der K.-Erze 25% reines K., während in Dakien Schlacken von K.-Bergwerken sich finden, die noch 50% reines K. enthalten, s. Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1884, 139. 0 Die zahlreichen Nebenprodukte, die sich bei der Verhüttung der K.- und Zinkerze ergeben, spielten in der Arzneimittellehre der Alten eine wichtige Rolle und werden deswegen von Dios-korides und nach ihm von Plinius, sowie von Galen eingehend behandelt, Es sind vornehmlich folgende: Kadmeia, d. h. zinkischer Ofenbruch oder Zinkoxyd; Pompholyx, d. h. Hüttenrauch oder weiße Zinkblume; Diphryges; Chalkanthe, d. i. K.-Vitriol; χαλκὸν ἄθος, flos aeris. d. h. OK.-Oxydul; über alle diese s. Blümner 17HF.

Über die Verwendung des reinen K. erfahren wir nur wenig. Wenn man*annehmen darf, daß Erzfabrikate, die κύπριος cyprius genannt werden, nicht aus einer besondern, in Kypern üblichen Bronze, sondern aus reinem K. bestanden, so kämen als kupferne Fabrikate vornehmlich in Betracht Gefäße zu pharmakologischen und ähnlichen Zwecken, wie Plin. XII 131. XXIII 74; Büchsen, ebd. XX 131. XXVIII 951. Scrib. Larg.) 25. 37; Mörser, Plin. XXXIII 93; Nägel, Athen. V 205b. Diosc. V 89. Scrib. Larg. 16. Pallad. II 15 18; Nadeln, Hist. aug. Claud. 17, 5.

Κονφή, Stadt in Innerlibyen am Nordufer des Nigirflusses. Ptolem. IV 6, 9. Unbekannt; 2%° westlich, D/aº nördlich von Thige (Tigi): daher denkt Müller zu Ptolem. S. 750 an Änderung in Κτούφη und Identifikation mit Ktava am W. Draa.

  1. Corpus Inscriptionum Latinarum II, 956.
  2. a b Corpus Inscriptionum Latinarum II, 5181.
  3. Corpus Inscriptionum Latinarum VII, 220.