3) Am Südwestende der kampanischen Ebene zwischen den Seen Avernus, Lucrinus und Acherusia an der Wurzel der mit Kap Misenum endenden Halbinsel erhebt sich in geringer Entfernung vom Meer ein Trachytkegel (über den Vulkanismus der Gegend Vitruv. II 6, 7) mit steilen Hängen, nur auf der sanft abfallenden Südostseite zugänglich, Agath. I 8: der Burgberg von K., auf den sich in ältester und in mittelalterlicher Zeit die Siedlung beschränkte. Sonst dehnte sie sich in die südliche Niederung hinein. Sagen bringen die ältesten Siedler mit Sardinien und Daedalus in Verbindung, Diod. V 15. Mythogr. I 43. II 425. Serv. Aen. VI 14, mit diesem vielleicht wegen der zahlreichen uralten Gänge im Berge, des Sitzes der weissagenden Sibylle. Über sie und die zahlreichen Belege vgl. Roscher IV 799f. Was die Gründer betrifft, weist die Überlieferung auf Chalkidier aus Euboia, Thuk. VI 5, 5. Liv. VIII 22, 5. Vell. I 14. Mythogr. I 145 ed. Bode. Strabon (V 243) nennt neben Chalkidiern Kumaeer ; es sind sicher nicht, wie Scymn. 235 nach Ephoros will, solche des aeolischen K., sondern wenn überhaupt Kolonisten aus dem bei Steph. Byz. s. v. erwähnten euböischen : vgl. v. Wilamowitz Philol. Unters. IV 134. Helbig Gött. Gel. Anz. 1912, 429; Hom. epos 430f. E. Meyer Gesch. d. Alt. II 471. Gabrici Mem. r. acad. Neap. II 59; Arch. Anz. 1912, 305. Von der Teilnahme eretrischer Auswanderer weiß Dion. Hal. VII 3, von der anderer zeugen wohl die Phylennamen der kumaeischen Kolonie Neapel, v. Wilamowitz Herm. 1886, 114. Beloch Campanien 147f. Ed. Meyer a. O. Die Siedler scheinen nach vorübergehender Niederlassung auf Pithekusa-Ischia (Diels Sibyll. Bl. 98. Liv. VIII 22) Ende des 9. Jhdts. gelandet zu sein, Arch. Anz. XXVIII 159. Euseb.-Hieron. p. 69 ed. Helm setzt die Gründung freilich schon ins 11. Jhdt., Strabon erklärt die Kolonie als älteste aller griechischen in Italien und Sizilien. Jedenfalls ist K. der Ausgangspunkt griechischen Einflusses auf die italische Welt (Alphabet, Kulte s. Wissowa Rel. u. Kult. 45. 220 u. a.). Sehr früh hat K. selbst Kolonien entsendet, so Zankle zusammen mit der
[2477] Mutterstadt Chalkis, Thuk. a. O., mit der es auch Triteia in Acheia gegründet haben soll, Paus. VII 22, 6. Die Stadt erwehrte sich namentlich in der Zeit des Tyrannen Aristodemos der Etrusker, Daunier und Aurunker, Dion. Hal. VII 2. Die Etrusker werden auch unter besonderer Mithilfe K.s vor Aricia in Latium niedergerungen, Liv. II 14, 6. Als der mit Hilfe der Popularen zur Stadtherrschaft gelangte Aristodemos vom Adel gestürzt war, verlor K. seine Vormachtstellung an Syrakus, das bei K. die Etrusker schlug, Diod. XI 51. IG 510. Die reiche Siedlung (vgl. Hyperochos bei Athen. XII 528), wo wiederholt Rom Getreide einkaufte, Liv. II 9, 5.34,7.IV 25, 4, ist von den kampanischen Samnitern 421 erobert worden, die Flüchtlinge fanden Aufnahme in Neapel, Diod. XII 76. Dion. Hal. VII 15, 6. XV 6. Liv. IV 37. K. wurde oskisch, Vell. I 4, ohne daß alle griechische Kultur verloren ging, Strab. V 243; insbesondere hielten sich die Kulte (Archegetes ist Apollon, dessen Kult von hier aus in Italien sich verbreitete, Demeter, Zeus Olympios u. a.). Die Silberprägung der Stadt hört auf, vgl. Head HN2 35f. ; Röm. Mitt. 1912, 187.
338 trat K. wie die anderen kampanischen Gemeinden nach anfänglichem Widerstand in Verbindung mit Rom und wurde eine civitas sine suffragio, Liv. VIII 14, 11. Fest. 233. Über die praefecti Capuam Cumas, die vier Stellvertreter des Praetors in der Rechtsprechung über die kampanischen Gemeinden — sie sind nach den vornehmsten Orten genannt —, vgl. Mommsen St.-R. II3 608f. K. bleibt von nun an Rom ergeben, auch während des allgemeinen Abfalles im 2. punischen Krieg. Damals wurde der Volksversammlung der Antrag gestellt, ut municipes Cumani essent pridie quam populus Campanus a populo Romano defecisset, Liv. XXIII 31, 10. 206/5 ist K. Kriegsschauplatz, wird von Tib. Sempronius Gracchus gehalten, der Hannibal bei Hamae schlägt, Liv. XXIII 15. 35. 36. 37. Vell. 17. Sil. Ital. XII 60. 75. So verwüstet dieser 214 das kumanische Gebiet, Liv. XXIV 13, 6. — Merkwürdig ist das von Rom bewilligte Ansuchen vom J. 180, das Lateinische als Amtssprache gebrauchen zu dürfen ; es ist ein Zeichen, daß K. damals weder lateinisches noch volles Recht besaß, Liv. XL 42, 13. Dieses dürfte erst im Bundesgenossenkriege erworben worden sein. Über die Tribus ist nichts Bestimmtes bekannt, Kubitschek Imp. Rom. 18. Als municipium civium Rom. erscheint es bei Cicero Att. X 13, 1 (CIL X 3711), der dort an Beginn des Bürgerkrieges als Aushebungskommissär des Senats fungiert. Wann K. Kolonie geworden ist (z. B. CIL X 3698), entzieht sich unserer sicheren Kenntnis ; der Lib. col. 232 weist die Deduktion in die augusteische Zeit mit dem Zusatz : ager eius in iugeribus veteranis pro merito est adsignatus iussu Claudi Caesaris. CIL X 3703. 3704, offenbar zu Cumae gehörig, nennen eine c(olonia) I(ulia), vgl. dazu Mommsen Herm. XVIII 181. An Magistraten sind erwähnt praetores CIL X 3685. 3698. Not. scav. 1898, 192. 1913, 185, quaestores und curatores pecuniae publicae Not. scav. a. O. 190 v. Chr. war auf einem Teil der kumanischen Feldmark Puteoli gegründet worden, das allmählich die alte Siedlung in den Schatten stellte, die nunmehr für ruhigen Landaufenthalt geeignet war ; [2478] zahlreiche Villen vornehmer Römer sind hier gewesen. Iuv. III 2. 321. Stat. Silv. IV 3, 65. Petron. Sat. 53. Oft werden auch die Produkte des Feldbaues und des Fischfangs gerühmt, Plin. XIV 64. XIX 10. 140. Gratti Cyneg. 35. Horat. ep. I 18. 46. Colum. X 127. Athen. I 26. Strab. V 243. Enn. Sat. 56 ed. Mueller p. 83.
Das Bistum (Act. synod. hab. 499, Mon. Germ. auct. ant. XII 399) ist 592 zeitweise mit dem misenatischen vereinigt gewesen, quoniam nec longo a se itineris intervallo seiunctae sunt nec pecatis facientibus tanta populi multitudo est, ut singulos sicut olim fuit habere debeant sacerdotes, Greg. I pap. regist. II 44, vgl. II 25. IX 142. Seit den Tagen des Krieges gegen Sextus Pompeius, der sich auch vor K. abspielte, Cass. Dio XLVIII 46, bis in die Zeit des gotischen Heldenkampfes, in welchem es infolge der Stärke seiner alten Burg (castrum Cumaqnum Gregor. a. o. II 44) als Schatzdepot diente, Prok. bell. Got. I 14. III 6. IV 34. 35. Agath.I 8ff., hat es wohl nie kriegerische Ereignisse mitgemacht.
Zahlreiche Erwähnungen in der antiken Literatur z. B. Sallust. hist. frg. 96 c Maur. Cic. div. I 98 ; leg. agr. II 86. Lucan. Phars. I 564. V 183. VIII 824. Mela II 70. Tibull. II 347. Porpert. II 2, 16. Flor. I 11, 6. Iuven. sat. III 321. Auson. Mos. 345 u. a. Inschriften : CIL X p. 350f. Kaibel p. 225f. ; über die späteren Funde : Not. scav. indici generali (bis 1900) 35. Not. scav. 1902, 556. 1903, 17. 1908, 113. 1912, 61. 1913, 185. 409. Neben Niessen Ital. Landesk. II 721f. und Beloch Campanien ist als umfassendes Hauptwerk heranzuziehen : Monumenti antichi XXII (1913) Cuma ; dort auch ältere Literatur.