2) Kytheris hieß nach der übereinstimmenden, gewiß aber auf eine Quelle zurückgehenden Behauptung der Vergilerklärer das Mädchen, das Cornelius Gallus unter dem Namen Lycoris besang (Verg. Ecl. 10, 2. 22. 42); s. o. Bd. IV S. 1345f. Diese Nachricht kann ebenso richtig sein wie die ähnlichen über den wahren Namen von Properz’ Cynthia usw. Der Name ist nicht ungewöhnlich, Thes. ling. lat. Onom. II 811f. Aber diese Behauptung ist mit der weiteren verquickt, daß diese K. identisch sei mit der Freigelassenen des Volumnius Eutrapelus, deren Vorgeschichte wir einigermaßen kennen. Es heißt z. B. beim Auct. vir. ill. 82, 2 von Brutus: Cytheridem mimam cum Antonio et Gallo amavit und bei Serv. Ecl. 10, 1: Gallus amavit C. meretricem libertam Volumnii, quae eo spreto Antonium euntem ad Gallias est secuta, propter quod dolorem Galli nunc videtur consolari Vergilius. Wir können durch Äußerungen Ciceros, der den Antonius geradezu Cytherius nennt (Att. XV 22 aus J. 44) und Plut. Ant. 9 die K. in den J. 49–44 als Antonius’ Geliebte nachweisen; ep. IX 26 schildert ein Gastmahl bei Volumnius (J. 46), bei dem Cicero mit K. zusammen war. Sie wird bisweilen als meretrix bezeichnet, bisweilen als mima (s. o. vir. ill.), und das letztere bestätigt Plutarch; der Unterschied ist natürlich gering. Ob diese Kombination zutrifft, hängt von der Interpretation der 10. Ekloge ab, in der es v. 22 heißt: tua cura Lycoris perque nives alium perque horrida castra secuta est, dazu v. 46: tu procul a patria -.. Alpinas a dura nives et frigora Rheni me sine sola vides, d. h. Gallus hatte in einer Elegie ausgemalt, wie K. mit einem Prätor in die Provinz ging, ganz wie Properz’ Cynthia I 8. Daß dieser Prätor Antonius war, ist möglich, aber nicht sicher zu beweisen (Leo Herm. XXXVII 19); die Angaben der 10. Ekloge sind schwerlich so wörtlich zu nehmen, wie Leo will. Die Identität von Gallus’ Lycoris mit Volumnia K. ist in jedem Falle denkbar; auf der anderen Seite muß das schon bald nach Vergils Tode beginnende Bestreben, alle möglichen Anspielungen und Beziehungen in den Eklogen nachzuweisen (Kroll Rh. Mus. LXIV
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50), zur Vorsicht warnen. Literatur über die Frage nennen Teuffel § 232, 1. Jahn im Anh. zu Verg. Ecl. 10, 23.
Anmerkungen (Wikisource)
Siehe auch Lykoris 1 und Volumnius 17.